In Deutschland einmalig: Regensburger Solarstrom fließt direkt zu Unternehmen

Ein Projekt dieser Art gibt es in Deutschland noch nicht: Ein neues Solarfeld in Regensburg soll drei Unternehmen im Stadtosten ohne Umweg übers Netz mit Strom versorgen. Davon sollen auch die Regensburger Bürger profitieren.
Das Gewerbegebiet an der Siemensstraße verändert sein Gesicht. Nicht nur, weil aus dem Automobilzulieferer-Geschäft von Continental Aumovio wurde sowie aus dem Antriebsspezialisten Vitesco Schaeffler und damit an den Gebäuden andere Logos prangen. Sondern auch, weil hier Regensburgs erster Solarpark entstehen soll: Auf einer früher landwirtschaftlich genutzten Fläche östlich der Schaeffler-Teststrecke soll die Genossenschaft Bürger-Energie-Region Regensburg (BERR) ab Sommer 2026 Strom für Schaeffler, Aumovio sowie Siemens erzeugen – und sie damit per Direktleitung beliefern.
„Das gibt’s in der Größenordnung definitiv noch nicht in Deutschland“, sagte BERR-Vorstandschef Joachim Scherrer am Dienstag bei einer Pressekonferenz zum Projektstart des Energieareals Regensburg-Ost mit Vertretern der Stadt und der beteiligten Unternehmen.
Strom aus Direktleitungen ist deutlich günstiger
Die Direktleitung macht den Strom deutlich günstiger für die Unternehmen, denn sie sparen sich die Netzentgelte. Andererseits können sich auch Bürger und Mitarbeiter der Unternehmen am Standort über eine Einlage bei der BERR am Solarpark beteiligen und so auch finanziell davon profitieren. Mit einer Leistung von elf Megawattpeak soll das Solarfeld fast zwölf Millionen Kilowattstunden Strom im Jahr erzeugen. Das entspreche etwa einem Fünftel des Strombedarfs der beteiligten Unternehmen oder dem jährlichen Bedarf von circa 5000 mittelgroßen Haushalten, hieß es. Laut Scherrer werden Direktleitungen selten umgesetzt, weil passende Grundstücke schwer verfügbar sind: Damit sämtliche Netzentgelte entfallen, muss die überbrückte Strecke kürzer sein als zwei Kilometer. Das ist in diesem Fall gegeben – weil die Stadt dafür Grund zur Verfügung stellte.
Wirtschaftsreferent Georg Stephan Barfuß betonte: „Es ist nicht selbstverständlich, dass man elf Hektar hergibt.“ Schließlich sind auch potenzielle Gewerbeflächen knapp in Regensburg. Barfuß erklärte: Durch das Projekt würden 4000 Tonnen CO2 gespart, das entspreche 30 Millionen Auto-Kilometern. Es sei wegen langfristiger Abnahmeverpflichtungen „auch wirtschaftlich sinnvoll, für beide Seiten“, dazu komme die soziale Komponente. „Bürgerinnen und Bürger aus der Region investieren in die eigene Arbeitsplatzsicherheit dieser Unternehmen. Schöner kann’s gar nicht sein.“
Scherrer erläuterte: Wer sich beteiligen will, kann bei der BERR Genossenschaftsanteile erwerben; einer kostet 500 Euro. Ziel der Genossenschaft ist, jährlich eine Dividende von drei Prozent auszuschütten. Größere Projekte wie das Energieareal, in das die BERR knapp sechs Millionen Euro investieren will, finanziert sie außerdem über Nachrangdarlehen über 15 Jahre mit einer Verzinsung von circa vier Prozent.
Oberbürgermeisterin: „Haben noch weitere Pfeile im Köcher“
Aus Sicht von Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) ist diese Art der Finanzierung ein wesentlicher Vorteil des Vorhabens. „Wir wissen, dass die Akzeptanz von Projekten steigt, wenn die Bürgerinnen und Bürger selber profitieren und wenn auch die Wertschöpfung in der Region bleibt.“ Unternehmen bei der Energiewende zu unterstützen, sei „ein wichtiger Aspekt für die Wirtschaftsförderung“: „Energiepolitik ist Standortpolitik. Und dieses Projekt ist ein starkes Signal.“ Die Stadt habe aber „weitere Pfeile im Köcher“, um ihre sehr ehrgeizigen Klimaziele zu erreichen: etwa weitere Projekte mit der Wirtschaft im Südosten und im Westen.
Ein ambitioniertes Klimaziel verfolgt auch Siemens, das seine deutschen Standorte bis 2030 dekarbonisieren will. Siemens-Werkleiter Axel Kagerer betonte: „Regensburg ist da jetzt ein Leuchtturmprojekt“. Das Elf-Megawattpeak-Solarfeld soll im Energieareal Regensburg-Ost nur ein erster Schritt sein. Geplant ist eine Erweiterung um eine Leistung von sechs Megawattpeak mit Agri-Photovoltaik auf landwirtschaftlich genutzten Flächen. Ziel der Stadt ist außerdem, dass aus zeitweise überschüssigem Strom aus Regensburger Anlagen Wasserstoff entsteht. „Wir haben die Förderzusage schon“, verriet die OB.