Solar-Boom rund um Regensburg: Auf dem Weg zum nächsten Ökostrom-Rekord?

Von Daniel Pfeifer · 20. Juni 2025 um 05:00

2024 war ein Rekordjahr für Strom aus Wind und Sonne – auch in und um Regensburg. In interaktiven Grafiken zeigen wir, welche Orte die Spitzenreiter beim Ökostrom-Ausbau sind. Auch heuer werden wieder Energie-Großprojekte fertig. Könnte 2025 den Rekord von 2024 noch einmal brechen? Und sinken nun die Preise? Das sagen Experten dazu.

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Geht es um wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland, ist der Pessimismus oft groß. Dabei gibt es auch einen Trend, bei dem die Bundesrepublik aktuell Spitzenreiter in Europa ist: der Ausbau Erneuerbarer Energie. Spitzenreiter innerhalb Deutschlands – zumindest in Sachen Photovoltaik, nicht so sehr bei der Windkraft – ist wiederum Bayern. Und wie stehen Stadt und Landkreis Regensburg im Vergleich da?

„Für uns war 2023 ein Rekordjahr“, sagt Wolfgang Haas, Geschäftsführer der Rewag Netz GmbH, zuständig für die Stadt und einen Teil des Landkreises Regensburg. „Lange Zeit kamen so 500 bis 600 Anlagen pro Jahr dazu. 2023 waren es 2500 – eine Verfünffachung. 2024 waren es wieder 2500.“ Anträge hätten sich gestapelt, man sei kaum hinterhergekommen. In Regensburger Wohngegenden habe man oft den Effekt: Eine Familie installiert eine PV-Anlage auf dem Dach, die Nachbarn sehen es und wollen natürlich auch eine. „In der Folge bilden sich schnell Schwerpunkte und wir müssen schauen, dass wir mit dem Netzausbau hinterherkommen“, sagt Haas. Auch im Netzgebiet des Bayernwerks, das weitgehend für den restlichen Landkreis Regensburg zuständig ist, waren 2023 und 2024 mit jeweils 1900 neuen Anlagen fette Jahre.

So geht es 2025 mit Erneuerbarer Energie weiter

Wird 2025 nun ein erneutes Rekordjahr? Zumindest bundesweit bilanziert der BDEW, der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft, heuer bislang einen konstant starken Ausbau bei Photovoltaik und einen stärkeren bei Windkraft. Auch Bayernwerk-Sprecher Michael Bartels stellt für den Landkreis Regensburg ein „gleichbleibend hohes Niveau an Netzanschlussanfragen“ fest, Wolfgang Haas höchstens einen leichten Rückgang.

Eine Netzanschlussanfrage allein bedeutet dabei aber noch nicht, dass auch eine PV-Anlage, ein Windrad oder ein Batteriespeicher realisiert werden, betont Bartels. Dennoch gibt es neben privaten Dach-Solaranlagen eine ganze Reihe von Großprojekten, die heuer ans Netz gehen. So stand am 23. Januar Beratzhausens Bürgermeister Matthias Beer bei winterlichen 3 Grad mit einer Schaufel im kleinen Weiler Hatzenhof, für den Spatenstich eines 12 Hektar großen Solarparks. Nahe Lappersdorf ging kürzlich der Solarpark Benhof mit 5,7 Megawatt Leistung ans Netz. Weitere Projekte sind in Planung: Neben Windparks in den Gemeinden Sinzing, Hemau oder Brunn/Laaber zum Beispiel der 14-Megawatt-Solarpark Brunn-Laaber und in Regensburg das gewaltige Energieareal im Stadtosten, bei dem gerade Sondierungen laufen – inklusive dem obligatorischen Fund von Weltkriegsbomben, wo einmal ein Solarfeld stehen könnte (wir berichteten).

Ob und wann diese Großprojekte ans Netz gehen, ist noch unklar – so oder so ist die Region Regensburg aber schon jetzt ein echtes Kraftwerk: Sie erzeugt aufs Jahr gerechnet deutlich mehr grünen Strom als sie insgesamt Strom verbraucht. Am Pfingstmontag zum Beispiel produzierte der Landkreis laut Bayernwerk-Daten fast drei Gigawattstunden Strom – knapp dreimal so viel wie Strom insgesamt verbraucht wurde. Und das, obwohl der kühl-stürmische Juni in Sachen Solarstrom eher mau begann.

Die Frage nach Strompreis und Speichern

Großes Thema bei dem Ausbau ist natürlich stets die Schwankung bei Wind- und Sonnenkraft. Das Bayernwerk errechnet in seinem Energiemonitor, dass es beim aktuellen Stand einen 40-GWh-Speicher bräuchte, damit die Region Regensburg das ganze Jahr über komplett unabhängig vom Rest der Welt wäre. So weit müsse man nun nicht gehen, sagt Netzexperte Wolfgang Haas, dennoch fragen seit vergangenem Jahr enorm viele Unternehmer an, die in und um Regensburg Batteriespeicher bauen wollen. „Wir werden erschlagen von Anfragen“, sagt Haas. Dies führt er darauf zurück, dass einerseits Batterien immer billiger werden und man andererseits durch die großen Preisunterschiede am Strommarkt damit ordentlich (metaphorische) Kohle scheffeln kann. Für das Netz könnten Speicher in Privathäusern und Unternehmen ebenfalls entlastend sein.

Der Solarpark Hatzenhof bei Beratzhausen feierte im Januar Spatenstich und ist inzwischen weitgehend fertig. - Foto: Daniel Pfeifer

Schlussendlich bleibt die Frage: PV-Anlagen und Batterien werden günstiger, das Stromangebot steigt immens – wann sinkt denn nun der Strompreis für den Bürger? „Im Schnitt ist EE billiger und der Strompreis ist ja auch gesunken, verglichen mit der Energiekrise“, sagt Wolfgang Haas. Problem sei aber, dass Regensburg als Musterschüler trotzdem erstmal nicht profitiert. „Wegen der gemeinsamen Strompreiszone in ganz Deutschland kommt erstmal nicht billiger Strom“, sagt Haas, ergänzt aber direkt: „Man sollte aber nicht vergessen: Der größte Vorteil von einer eigenen PV-Anlage ist, wenn man den Strom selbst nutzt – keine Umsatzsteuer, kein Netzentgelt, kein Geld an die Kommune. Billiger geht's eigentlich nicht.“

Der Solarpark Hatzenhof bei Beratzhausen feierte im Januar Spatenstich und ist inzwischen weitgehend fertig. - Foto: Daniel Pfeifer