Seniorenheim-Neubau nimmt Fahrt auf: Kelheimer Stadtrat entscheidet sich für K&S Gruppe

Von Andreas Loscher · 30. September 2025 um 19:00

Kelheim bekommt ein neues Seniorenheim: Der Stadtrat hat den Weg frei gemacht für den Verkauf des Grundstücks am Weinbergweg/Kelheimwinzer Straße an die K&S Gruppe. Bis Ende 2027 soll dort ein Neubau mit 120 Pflegeplätzen entstehen.

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Ein Thema, das die Stadt Kelheim seit Jahren beschäftigt, hat am Montagabend einen entscheidenden Schritt gemacht: Der Stadtrat gab den Weg frei, das städtische Grundstück im Baugebiet Weinbergweg/Kelheimwinzer Straße an die K&S-Gruppe aus Sottrum bei Bremen zu verkaufen – nun soll bis Ende 2027 ein neues Seniorenheim mit 120 Zimmern entstehen.

Zwei Bewerber stellten ihre Konzepte vor. „Wir hatten die Qual der Wahl“, sagte Bürgermeister Christian Schweiger (CSU) im Anschluss. Am Ende hätte das Gesamtpaket den Ausschlag gegeben.

Schon seit längerem ringt Kelheim um ein neues Seniorenheim. Bereits im Kommunalwahlkampf 2020 war die Versorgung mit Pflegeplätzen in Kelheim zum Thema geworden. Nach dem Amtsantritt von Christian Schweiger – er übernahm damals auch den Vorsitz im BRK-Kreisverband – fand die Stadt beim „Hallermeier Stadel“ ein geeignetes Grundstück – doch der ursprünglich vorgesehene Träger, der BRK-Kreisverband, zog überraschend zurück. Ein Neubau sei wirtschaftlich nicht mehr darstellbar, hieß es.

Entwürfe für Kelheimer Seniorenheim vorgestellt

Zwar wurde mit einem Projektierer aus Nittendorf ein Alternativszenario geprüft. Doch ohne langfristig feststehenden Betreiber sei die Finanzierung nicht tragfähig, hieß es damals. Das BRK wiederum konnte sich intern nicht festlegen – eine Machbarkeitsstudie zu möglichen Alternativen, darunter die Sanierung des bestehenden Josef-Bauer-Hauses, wurde in Auftrag gegeben. Die Stadt ging deshalb Ende vergangenen Jahres – zu diesem Zeitpunkt waren Christian Schweiger und weitere BRK-Vorstandsmitglieder von ihren Ämtern zurückgetreten – erneut auf Investorensuche.

Im Stadtrat präsentierten sich nun am Montag zwei Investoren mit konkreten, aber doch unterschiedlichen Konzepten – die Erl Immobilien Gruppe aus Deggendorf und die K&S Gruppe aus dem niedersächsischen Sottrum. Die Caritas sollte Betreiber des Deggendorfer Modells werden; bei K&S stammt Planung und Betrieb aus einer Hand.

Architekt Clemens Jacobs (v. l.) und Geschäftsführer Georg Krantz von der K&S, mit Bürgermeister Christian Schweiger. - Foto: Loscher

Michael Stettmeier, Prokurist der Erl Immobiliengruppe, stellte ein Konzept vor, das neben dem Pflegeheim auch 14 seniorengerechte Wohnungen in einem Staffelgeschoss vorsah. Diese sollten rund 50 Quadratmeter groß sein, jeweils über zwei Zimmer verfügen. Geplant war, sämtliche Wohnungen am Markt zu verkaufen; die Verwaltung sollte durch die unternehmenseigene Immobilienbetreuung erfolgen. Ergänzend wollte man Mitarbeiterwohnungen für den vorgesehenen Betreiber, den Caritasverband der Diözese Regensburg, schaffen.

Nach eigenen Angaben entwickelt, baut, vermarktet und verwaltet die Erl Immobiliengruppe seit Jahren Seniorenimmobilien. Für das Kelheimer Projekt sei eine Bauzeit von 15 bis 18 Monaten kalkuliert. Die Pflegezimmer sollten etwa 15 Quadratmeter Wohnfläche bieten, ergänzt um weitere Quadratmeter für Bad und Vorraum. Für die Verpflegung war eine externe Lösung vorgesehen: Eine sogenannte „Übergabeküche“ sollte die Anlieferung von Mahlzeiten ermöglichen. Mit der Caritas sei ein 25-jähriger Pachtvertrag mit Verlängerungsoption ins Auge gefasst. Für die Wohnungen kündigte das Unternehmen zudem ein zweiwöchiges Vorkaufsrecht exklusiv für Kelheimer Bürger an. Die Caritas wiederum machte deutlich, nicht mehr als 80 vollstationäre Plätze betreiben zu wollen.

Ergänzung, nicht Ersatz

Für die K&S-Gruppe, die schließlich den Zuschlag erhielt, traten Geschäftsführer Georg Krantz von der konzerneigenen Elbe Bau sowie Architekt Clemens Jacobs auf. Das Unternehmen betreibt bundesweit Seniorenheime. Vorgesehen ist in Kelheim ein viergeschossiger Neubau auf dem rund 4.900 Quadratmeter großen Grundstück; das Gebäude selbst soll 1.834 Quadratmeter Fläche umfassen. Geplant sind 120 Bewohnerzimmer bis Pflegegrade 5, Beatmung ausgenommen. Das Haus wird als U-Form mit zwei Aufzügen je Schenkel gedacht. Außen sollen rund 2.000 Quadratmeter gestaltete Freiflächen entstehen. Darunter Laubengängen und Terrassen mit Pavillon für Feiern oder Gottesdienste. Innen sind unteranderem Bibliothek, Cafeteria, Friseur, Aufenthaltsbereiche, ein Trainingsbereich und eine Sole-Oase geplant. Auch Demenz-Wohnebenen sind vorgesehen. Doppelzimmer sind nicht ausdrücklich geplant, könnten jedoch durch verbindbare Einheiten jederzeit ermöglicht werden.

Zur Versorgung kündigte K&S eine hauseigene Frischküche an. Gebaut werden soll in massiver Bauweise. Vorgesehen ist bislang der Einsatz einer Wärmepumpe mit Kühlfunktion. Auf außenliegende Rollläden will man bewusst verzichten, um auch bettlägerigen Bewohnern den Blick nach draußen zu ermöglichen. Zugleich zeigte sich das Unternehmen offen für eine mögliche Fernwärmeanbindung, die sich in Kelheim anbietet.

Der Bauantrag könne laut dem Geschäftsführer kurzfristig – „rein theoretisch nächsten Monat“ – eingereicht werden. Bei zügigem Verlauf peilt K&S einen Baustart im Spätsommer 2026 und eine Fertigstellung Ende 2027 an. Das Investitionsvolumen beträgt laut Krantz rund 20 Millionen Euro.

Nach einer Fragerunde im Stadtrat unter anderem zu den Einzelzimmergrößen, Energiekonzept, Personal und Küchenbetrieb – entschied sich das Gremium in nichtöffentlicher Sitzung für den Verkauf an die K&S-Gruppe. Mit ausschlaggebend waren laut Bürgermeister Schweiger, dass K&S mehr Zimmer plant und eine Frischküche im Haus anbieten will.

Kelheim steuert damit auf einen vollstationären Neubau mit 120 Plätzen zu – als Ergänzung, nicht als Ersatz zum BRK-Seniorenheim in der Falkenstraße, wie der Bürgermeister betont. Die Verwaltung rechnet mit anhaltend steigendem Bedarf an Pflegeplätzen, getrieben von der Demografie.

Seit 1976 ist das Josef-Bauer-Haus in der Falkenstraße in Betrieb. - Foto: Beate Weigert, Archiv

Ein neues Gesetz verschafft dem BRK-Seniorenheim Luft bei der Sanierung: Der Freistaat Bayern hat zum Jahreswechsel die Bauvorschriften für Pflegeheime gelockert. Damit erhalten auch ältere Einrichtungen, die vor 2011 bestanden, einen Bestandsschutz. Davon profitiert auch das Josef-Bauer-Haus.

Lange war unklar, ob ein Neubau oder eine teure Sanierung nötig wäre. Mit den neuen Regeln entfällt dieser Druck – zumindest vorerst. Vorgaben wie Einzelzimmerquote, rollstuhlgerechte Zimmer, Abschiedsraum oder mehrere Pflegebäder gelten nicht mehr zwingend.

Der Investor aus Norddeutschland

Unternehmen: Die K&S-Gruppe ist eine mittelständische Aktiengesellschaft in Familienbesitz mit Sitz in Sottrum (Niedersachsen) zwischen Bremen und Hamburg, gegründet 1981. K&S ist an über 70 Standorten in ganz Deutschland aktiv. Im Jahr 2024 hatte die Gruppe 4741 Mitarbeiter. Im Jahr 2018 waren es noch 3777.

Dienstleistungen: Laut eigener Darstellungen betreibt die Gruppe über 30 Seniorenresidenzen mit rund 4.450 vollstationären Pflegeplätzen, dazu zehn ambulante Pflegedienste und acht Tagespflegen. Auch seniorengerechte Wohnungen. werden vermietet. Zur Gruppe gehört die Elbe Bau, die jährlich rund 30.000 m² Bruttogeschossfläche realisiert.

Zahlen: Ein Blick in die zuletzt im Bundesanzeiger veröffentlichte Konzernzahlen zeigt für das Geschäftsjahr 2021 Umsatzerlöse von 189,05 Mio. €, und ein EBIT (Gewinn vor Zinsen und Steuern) von 19,65 Mio. €. Das Konzerneigenkapital lag bei 91,62 Mio. €, die Verbindlichkeiten bei 130,11 Mio. €. Im Portfolio wuchs K&S in den vergangenen Jahren sowohl durch Neubauten als auch durch Übernahmen.