Neubau, Sanierung oder beides? So sieht Kelheims BRK-Kreisgeschäftsführer Zukunft des Seniorenheims

Zum 31. Dezember 2024 endet die Angleichsfrist für das bestehende Kelheimer Seniorenheim. Was nun? So blickt der Kreisgeschäftsführer auf das Thema. Derweil will Ex-BRK-Kreisvorsitzender und Kelheims Bürgermeister Christian Schweiger erst mit dem Stadtrat sprechen.
Seit Jahren ist von einem neuen Kelheimer Seniorenheim die Rede. Ob und wie es kommen könnte, ist nach wie vor unklar. Ist die Frage der „Brisanz“ nur eine politische? Wäre das bestehende BRK-Seniorenheim zu sanieren? Viele Fragen rund um die stationäre Pflege sind nicht neu, aber offen. Auf Nachfrage sagt BRK-Kreisgeschäftsführer Christoph Kühnl, was hinter den Kulissen passiert (ist).
Kelheims Bürgermeister Christian Schweiger wollte – insbesondere seit seinem Rücktritt als BRK-Kreisvorsitzender – in den vergangenen Wochen keine Fragen in Sachen Seniorenheim beantworten. Auch nicht aus rein städtischer Sicht. Über Geschäftsleiterin Miriam Seidl ließ er mitteilen: „Es ist richtig, die Stadt steht in Verhandlungen mit dem Investor VivaPlan. Der genaue Sachstand wird in der Stadtratssitzung im September besprochen.“
Der Investor wiederum fühlte sich zuletzt vom „Wunschpartner“ BRK in der Luft hängen gelassen und kündigte an, aktiv auch nach einem anderen Betreiber suchen zu wollen.
• Neubau samt Pachtmodell vom Tisch? Nein, sagt BRK-Kreisgeschäftsführer Christoph Kühnl. Bekanntlich hatte der Kreisvorstand in der Sitzung vom 11. Juli „unter Ausschluss des ehemaligen Vorsitzenden Schweiger“ eine vergleichende Machbarkeitsstudie beauftragt und damit die Verhandlungen mit VivaPlan auf Eis gelegt. Die Studie soll laut Kühnl Folgendes beleuchten: die vollständige Sanierung des Josef-Bauer-Hauses, eine „Minimal“-Sanierung, eine Sanierung plus Erweiterung/Ersatzneubau, einen Ersatzneubau im Weinbergweg im Pachtmodell (VivaPlan) wie einen Ersatzneubau durch das BRK selbst. „Wichtig ist uns die Prüfung der Fördermöglichkeiten und die Nachhaltigkeit der gewählten Option.“ Sprich: Der eingeschlagene Weg soll das BRK nicht in wirtschaftliche Turbulenzen bringen. Aktuell sei weder ein Neubau noch das Unterschreiben eines langfristigen Pachtvertrags vom Tisch, sagt Kühnl.
• Machbarkeitsstudie: Bis Herbst soll laut dem Kreisgeschäftsführer das Lastenheft zur Machbarkeitsstudie an die Unternehmen verschickt sein, „um bis zum Ende des Jahres eine belastbare Aussage treffen zu können“.
• Verhandlungen mit Stadt: Im Mai 2023 hatte das BRK die Reißleine gezogen und das Nein zum eigenen Seniorenheimbau verkündet. Seit Herbst 2022 hatte der Sozialverband mit der Stadt verhandelt. Im Rückblick erklärt Kühnl: „Der von der Stadt angesetzte Kaufpreis hat es uns damals nicht ermöglicht, das Grundstück am Weinbergweg zu erwerben. Dies allein war aber nicht ausschlaggebend für die Entscheidung von einem Neubau abzusehen.“ Im Zuge des Ukraine-Kriegs habe man sich „mit Preissteigerungen in allen Lebensbereichen konfrontiert“ gesehen. Insbesondere das Einstellen verschiedener Förderprogramme („klimafreundlichen Neubau“/KfW) und die Erhöhung der Leitzinsen, hätten bei der Finanzierung „erheblich höhere Zinsen“ bedeutet. Alles in allem ein damals unakzeptables Risiko, so Kühnl.
• Zustand Josef-Bauer-Haus: Bereits im Mai 2023 hieß es vonseiten des BRK, dass man nun Gutachten zum Josef-Bauer-Haus anfertigen lasse. Laut Kühnl liegen die Ergebnisse vor. Die „bauliche Struktur wurde sehr gut bewertet, so dass eine weitere gewöhnliche Nutzungsdauer möglich“ sei. Die Begutachtung der Baustoffe habe ergeben, dass „wie in allen Gebäuden dieses Typs und Baujahrs in begrenzter Menge Schadstoffe verbaut wurden, die bei einer Modernisierung zu beseitigen sind“. Auf den täglichen Betrieb hätten diese aber „keine Auswirkungen“. Den „größten Handlungsbedarf“ sieht Kühnl beim Versorgungsnetz des Hauses. „Die Leitungsinstallationen und die Einrichtung, insbesondere die Bäder, haben ihre Lebensdauer erreicht und bedürfen einer Modernisierung.“
• Sanierungsbedarf: Vor allem Leitungssysteme und Bäder müssten also erneuert werden. Die etwas in die Jahre gekommene Rufanlage wird laut Kreisgeschäftsführer Kühnl 2024 noch durch ein neues funkbasiertes System ersetzt. Auch die Stationszimmer würden schrittweise modernisiert. 2024 soll auch die flächendeckende Versorgung mit schnellem Netzwerkzugang und die Ausstattung mit moderner technischer Hardware abgeschlossen werden. Zudem schließe sich der Kreisverband mit allen Einrichtungen dem Projekt des Landesverbands zur Einführung einer einheitlichen, modernen Pflegesoftware an. Auch dies soll 2024 beginnen und bis Mitte 2025 abgeschlossen sein.
• Sanieren eine Option? Dafür sei die vergleichende Machbarkeitsstudie nötig, sagt Christoph Kühnl. „Tatsächlich werden derzeit Sanierungsmaßnahmen etwa durch das KfW verlässlicher und zinsgünstiger gefördert, als vergleichbare Neubauten.“
• Standards erfüllt? Kann das s Josef-Bauer-Haus über 2024 hinaus betrieben werden? Die Vorschriften des Pflegewohnqualitätsgesetzes geben Mindeststandards vor, die derzeit vom Bestandsgebäude nicht vollständig erfüllt werden können, erklärt der Kreisgeschäftsführer. Um die Anforderungen zu erfüllen, sieht das Gesetz eine Angleichsfrist vor, die für das Josef-Bauer-Haus auf 31.12.2024 festgesetzt ist. Die Entscheidung für die Festsetzung der Frist sei unter den Vorzeichen der Neubau-Pläne getroffen worden. Das BRK stehe nun „in engem Austausch mit dem Landratsamt als zuständiger Aufsichtsbehörde“, so Kühnl. Man habe bereits „positive Signale erhalten, dass die Frist verlängert wird“. Natürlich sei dies „daran gebunden, dass eine Weiterentwicklung der bestehenden baulichen Strukturen ernsthaft angestrebt und zeitnah umgesetzt werden kann.“ Dazu soll die Machbarkeitsstudie eine klare Handlungsempfehlung liefern.
• Angleichsfrist: Bezüglich Angleichsfrist und möglicher Verlängerung bestätigt das Kelheimer Landratsamt: „Es ist ein Verwaltungsverfahren des Kelheimer BRK-Kreisverbands hinsichtlich Josef-Bauer-Haus anhängig. Über laufende Verfahren werden jedoch keine Auskünfte erteilt.“
Faktor „Personal“
Plätze: Aktuell verfügt das Josef-Bauer-Haus über 120 vollstationäre Pflegeplätze. Konzipiert war es ursprünglich für 180 Bewohner. Die Zahl der tatsächlichen Plätze reduzierte sich nach und nach.
Entwicklung: Zum einen weil laut Kühnl die „Nachfrage nach Doppelzimmern stark gesunken ist“. Aber natürlich spiele – „wie bei jedem Träger“ – auch die Sperrung von Plätzen wegen des Mangels an ausgebildetem und geeignetem Personal hinein. Der „limitierende Faktor“ für Pflegeplätze sei aktuell eindeutig der Mangel an qualifiziertem Personal.
