Nach Kelheimer Rücktritten im Kreisvorstand: Wie geht’s beim BRK nun weiter?

Auch am Tag nach dem Rücktritt des Kelheimer BRK-Kreisvorsitzenden Christian Schweiger ist offen, warum es zwischen ihm und Geschäftsführer Christoph Kühnl zum Zerwürfnis kam. Am Mittwoch haben nun verbleibender Kreisvorstand und Kreisgeschäftsführung ihre Sicht der Dinge geschildert – und offenbaren ein brisantes Detail.
Seit Dienstagvormittag lag dem Vorstand wohl ein Antrag vor. Thema: Die Abberufung Schweigers als Kreisvorsitzender. Die Hintergründe zum Antrag nannte Kühnl aber nicht. Er will aus der Mittelbayerischen von Schweigers Rücktritt erfahren haben, sagt Kühnl auf Nachfrage. Mit Schweiger waren Willi Dürr, Hannelore Langwieser und Justiziarin Judith Wintersberger abgetreten.
Kreisvorstandschaft und Kreisgeschäftsführung des BRK-Kreisverbands Kelheim „nehmen den schriftlich erklärten Rücktritt von vier Kreisvorstandsmitgliedern zur Kenntnis“, heißt es in der am Mittwoch verschickten Pressemitteilung. Auch wenn „der Großteil des Kreisvorstands sowie die Kreisgeschäftsführung, die grundsätzliche Entscheidung der vier Persönlichkeiten“ bedauere, sei es diesen „wichtig festzuhalten, dass die Meinungen und Positionen des ehemaligen Kreisvorsitzenden im Vorstand keine Mehrheit“ gefunden hätten.
Satzungsgemäß zählte der Kreisvorstand bis zum Rücktritt von Schweiger, Dürr, Langwieser und Wintersberger 18 Mitglieder. Nun verbleiben 14. Dies sind der Schatzmeister und sein Stellvertreter, die Chefärztin des BRK-Kreisverbands und ihre Stellvertreterin sowie jeweils zwei Vertreter der fünf Sparten (BRK-Gemeinschaften) Bereitschaften, Wasserwacht, Bergwacht, Jugendrotkreuz sowie Wohlfahrts- und Sozialarbeit. Letztere sei erst 2024 auf Kreisebene gegründet worden und aus der „Blutspende“-Sparte hervorgegangen, so Kühnl auf unsere Nachfrage.
„Anonyme Behauptungen“
Man könne keine „erheblichen Spannungen und Unstimmigkeiten“ in der Zusammenarbeit zwischen ehren- und hauptamtlich Mitarbeitenden feststellen, kontern Kreisvorstand und Kreisgeschäftsführung in ihrer Mitteilung die Aussagen von Schweiger, Dürr, Langwieser und Wintersberger in deren Pressemitteilung vom Dienstag. Vielmehr „erleben wir immer wieder wiederholte, gleichlautende Behauptungen, die oft anonym adressiert werden“.
Weil man es Fördermitgliedern, Spendern, Mitgliedern und Mitarbeitenden schuldig sei, nehme man die „an uns herangetragenen namentlichen Beschwerden ernst und werden diese zeitnah gemeinsam bearbeiten“. Und weiter heißt es: „Wir möchten betonen, dass die beiden Parteien die bestehenden und kommenden Herausforderungen im Konsens und in Zusammenarbeit meistern möchten.“ Zu diesen zählten auch „eigene Strukturen zu hinterfragen“ und diese auf „Effizienz und Effektivität zu überprüfen und weiterzuentwickeln“. Mit der Veröffentlichung „seiner Pressemitteilung und seines Rücktritts“ sei Schweiger laut der BRK-Mitteilung am Dienstag „der Behandlung eines Antrags auf Abberufung als Kreisvorsitzender“ zuvorgekommen. Dieser sei am Dienstagmorgen „und somit noch vor dem Rücktritt von mehreren Mitgliedern des Vorstands schriftlich beantragt“ worden.
Auf Nachfrage, wer konkret den Antrag stellte und was die Hintergründe dafür seien, hält sich Kreisgeschäftsführer Kühnl bedeckt. Über „interne Inhalte könne er keine Angaben“ machen.
Keine der BRK-Dienstleistungen sei durch die Rücktritte „eingeschränkt oder beeinträchtigt“. Die Geschäftsstelle des Kreisverbands sei ebenfalls in gewohnter Weise für alle Anliegen von Mitgliedern, Partnern und Hilfesuchenden erreichbar. Das Rote Kreuz im Landkreis „ist auch weiterhin rund um die Uhr für Menschen in Not im Einsatz und die Notfallrettung ist zu jedem Zeitpunkt sichergestellt“, heißt es in der Pressemitteilung weiter. Bereits seit vielen Jahren könne der Kreisverband „eine Besetzungsquote von 100 Prozent aller seiner Einsatzfahrzeuge vorweisen“.
„Weiter handlungsfähig“
Weiter betonen die verbleibenden Mitglieder des Kreisvorstands wie die Geschäftsführung, „dass mit dem Rücktritt der vier Persönlichkeiten keinesfalls eine Führungslosigkeit oder Handlungsunfähigkeit im Kreisverband“ entstanden sei.
Noch am Dienstag (16. Juli) habe sich eine Mehrheit der Vorstandsmitglieder sowie die Kreisgeschäftsführung kurzfristig zu einer Besprechung getroffen, um das weitere Vorgehen festzulegen.
Die Amtsperiode des Vorstands ende regulär im kommenden Jahr. Dann stünden im März die nächsten, turnusgemäßen Wahlen an, so Kühnl auf Nachfrage. Im „Einklang mit den Regelungen unserer Satzung“, diese ist laut Auskunft des Kelheimer BRK bayernweit identisch und online unter Paragraf 54 nachzulesen, werde der Vorstand von einer Nachwahl der ausgeschiedenen Ämter absehen.
Die bisherigen Aufgaben der ausgeschiedenen Mitglieder sollen bis zum Ende der Amtsperiode kommissarisch auf die Mitglieder des Gremiums verteilt werden. Hierzu werde es „zeitnah eine klare und überarbeitete Geschäftsverteilung im Vorstand“ geben.
Auch Seniorenheim wird thematisiert
In der BRK-Pressemitteilung war auch eine Rubrik „Beschlüsse zum Seniorenheim Kelheim“ enthalten. In der letzten turnusmäßigen Sitzung vom 11. Juli sei „unter Ausschluss des ehemaligen Vorsitzenden Schweiger“ eine vergleichende Machbarkeitsstudie beauftragt worden. Diese soll „alle möglichen Handlungsoptionen im Zusammenhang mit dem Seniorenheim Kelheim neutral und kritisch prüfen“.
Weiter heißt es: „Wir bekennen uns klar und deutlich zur Pflege am Standort Kelheim und werden uns nicht aus diesem Aufgabenfeld zurückziehen.“ Daher sei es unumgänglich, „dass wir alle zur Diskussion stehenden Optionen kritisch auf ihre Wirtschaftlichkeit prüfen und die bestmögliche umsetzbare, langfristige Lösung finden“.
Die Entscheidung für eine Studie bedeute nicht, dass die Firma Viva Plan dem BRK eine Absage für einen Neubau erteilt habe, so Kühnl auf Nachfrage.
BRK in Zahlen
Mitglieder: Der BRK-Kreisverband Kelheim hat in etwa 2000 aktive Mitglieder sowie knapp 12.000 fördernde Mitglieder.
Mitarbeiter: An die 600 Frauen und Männer sind beruflich beim BRK im Kreis Kelheim beschäftigt.