„Wir suchen aktiv nach anderem Betreiber“: Kelheimer Seniorenheim-Investor VivaPlan redet Tacheles

Von Beate Weigert · 3. August 2024 um 05:00

Für Kelheims Seniorenheim-Investor VivaPlan war das BRK „Wunschpartner“. Seit der Kreisverbands-Sitzung im Juli liegt die Zusammenarbeit auf Eis. So blickt der operative Geschäftsleiter Christian Laatsch auf die bisherige Zusammenarbeit und in die Zukunft.

Seit Mai 2023 ist klar, dass das Kelheimer BRK selbst kein neues Seniorenheim in der Stadt hinstellt. Daraufhin ging Kelheims Bürgermeister, der damals auch noch als BRK-Kreisvorsitzender fungierte, auf Investorensuche. Im Oktober fiel die Wahl des Stadtrats auf die Firma VivaPlan aus Nittendorf. Sie soll ein neues Seniorenheim planen, bauen und an einen Betreiber vermieten. Das BRK blieb „Wunschpartner“.

Doch seit der brisanten Kreisvorstandssitzung im Juli, nach der Schweiger und seine Stellvertreter abtraten, ist auch für den Investor nichts mehr so, wie es war. Stattdessen denkt das BRK offenbar nochmals ganz von vorne nach. Der Investor sorgt sich deshalb nun, beim Stadtrat als „Bremser“ dazustehen. Im Interview gibt Christian Laatsch, der operative Geschäftsleiter von VivaPlan, tiefe Einblicke. Sie zeigen, wie frustriert die Firma über den Stand der Dinge ist.

Herr Laatsch, wie lief bislang die Zusammenarbeit mit dem BRK? Wie ist der Status Quo?

Christian Laatsch: Seit Ende 2023 liegen dem BRK-Kreisverband die Grundlagen, wie wir uns eine Zusammenarbeit als Bauherrin und Vermieterin vorstellen können, in Form eines LOI-Vorschlags („letter of intent“) vor. Dieser war verbunden mit der Bitte um das Einbringen in die zuständigen Entscheidungsgremien. Wir wurden informiert, dass nach einer etwaigen Entscheidung des Kreisgremiums, noch das BRK-Bezirksgremium, wie letztlich auch das BRK-Präsidium in München solch ein Rechtsgeschäft freigeben müssten. Bis Mai 2024 erhielten wir keine Rückmeldung aus diesen Gremien.

Wie ging es dann weiter?

Laatsch: Anfang Mai haben wir unseren Vorschlag wunschgemäß an ein geändertes Raumprogramm und die veränderte Förder- und Zinslandschaft angepasst. Darin mussten wir letztlich Fristen für eine Entscheidungsfindung setzen, damit der Projektverlauf nicht ins Stocken kommt. Auf Bitten des BRK wurden die Fristen in der akuten Hochwasser-Situation Anfang Juni von uns verlängert. Dennoch erhielten wir keine Rückmeldung. Stattdessen waren wir sehr kurzfristig, offiziell erst am Tag der Sitzung, am 11. Juli (erstmals) beim BRK-Kreisvorstand eingeladen.

Wie war der Tagesordnungspunkt überschrieben?

Laatsch: Wir erwarteten eine Fragerunde zu Detailthemen und waren verwundert über den doch eher vagen Erkenntnis- und Diskussionsstand des Gremiums. Eine adäquate Vorbereitung – dies würde im Regelfall eine professionelle Aufbereitung und Präsentation durch uns beinhalten – war für uns aufgrund der Kurzfristigkeit der Einladung nicht möglich. Angesichts der Eindrücke vom Termin verwunderte uns der im Vorfeld erfolgte Hinweis, dass gegebenenfalls keine Mehrheitsbildung zum Ersatzneubau möglich sei, dann allerdings nicht mehr.

Stattdessen stimmte das Gremium an dem Tag für eine Machbarkeitsstudie, um noch einmal von vorne über Ersatz-Neubau, Sanierung etc. nachzudenken...

Laatsch: Genau. Die Studie hätte aber schon deutlich früher erfolgen müssen und nicht mitten in der Projektplanung eines Ersatz-Neubaus, der ja auch durch den BRK-Kreisverband schon einmal im Eigentumsmodell angedacht war. Der Abschluss der Studie dürfte nach unserer Einschätzung frühestens zum Jahresende vorliegen. Die Ergebnisse halten wir für nicht belastbar. Selbst wenn eine Machbarkeit der Sanierung des Bestandsbaus bescheinigt wird, kann aufgrund dessen kein Vergleich zu den Mietkosten unseres Neubaus hergestellt werden. Insofern wird auch dann nur schwer eine Entscheidung zu treffen sein.

Wie steht es nun um Ihre Pläne? Liegen Sie auf Eis, kehren Sie Kelheim den Rücken?

Laatsch: Wir bedauern den nun vorhandenen Zeitverlust in der Projektplanung. Wir hatten immer betont, dass aufgrund der Gegebenheiten – einem Ersatzneubau für den bestehenden Betrieb – das BRK unser naheliegender Wunschpartner ist. Diese Lösung wäre für Kelheim aus unserer Sicht auch das Sinnvollste. Unsere Zusammenarbeit mit dem BRK betrachten wir aufgrund der jüngsten Entscheidung als ruhend. Wir bemühen uns nun aktiv um einen alternativen Betreiber, auch wenn marktgegeben das Expansionsinteresse vieler von höchster Vorsicht und Zurückhaltung geprägt ist. Jedoch sehen wir selbst parallel zum weitergeführten Betrieb im Bestandshaus des BRK zusätzlichen Bedarf in der Versorgung pflegebedürftiger Senioren in Kelheim. Mit einem anderen Betreiber würden wir jedoch den Neubau nun differenzierter aufstellen und die klassische vollstationäre Pflege um ambulante wie teilstationäre Wohn- und Versorgungsformen ergänzen wollen.

Hintergrund

Grundsätzliches: Für eine Finanzierung eines neuen Kelheimer Seniorenheims braucht es laut VivaPlan das klare Bekenntnis eines Betreibers für einen langjährigen Mietvertrag. Dann würde die Firma auch das Grundstück von der Stadt kaufen.

Erfahrung: VivaPlan betrieb vor vielen Jahren selbst Seniorenheime. Seit einiger Zeit fungiert das Unternehmen aber nur mehr als Bauherr und Vermieter. Zudem gibt es nach eigenem Bekunden Erfahrung in der Übernahme insolventer Heime, dem Umbau im Bestand sowie in der Sanierung von Hotels.

Christian Laatsch, Projektentwickler und operativer Geschäftsleiter bei VivaPlan Foto: Photo Büttner