Haushaltswaren Fuchs gibt auf: Burglengenfelder Einzelhandel wird weiter geschwächt

Ausgerechnet am traditionellen Matthäus-Jahrmarkt, den die Burglengenfelder Einzelhändler gerne mit einem verkaufsoffenen Sonntag verbinden, wurde es bekannt: Das Fachgeschäft für Haushaltswaren in der Hauptstraße 10 und 12 (Landkreis Schwandorf) wird in absehbarer Zeit geschlossen. Inhaber Ingmar Fuchs hat bereits den Räumungsverkauf gestartet.
Damit endet in Burglengenfeld einmal mehr eine stolze Familientradition. Im konkreten Fall reicht sie bis ins 19. Jahrhundert zurück. Fuchs’ Urgroßvater, der Chamer Adalbert Haertle, war 1890 nach Burglengenfeld gezogen, um sich hier nach einem Brand in seiner Heimatstadt eine neue Existenz aufzubauen. In der Hauptstraße 12 eröffnete er eine Glaserei und Zinngießerei. Dazu gab es bei ihm auch damals schon Haushaltswaren.
Zu diesem Thema hat sich MZ-Redakteur Thomas Rieke wieder seine eigenen Gedanken gemacht. Er hält die Entwicklung schlicht vor traurig. Hier lesen Sie seinen Kommentar.
Nach seinem Tod 1930 übernahm Sohn Alois, der das Geschäft ganz im Sinne des Vaters fortsetzte und die Köchin Wilhelmine Keller heiratete. In den 1960er Jahren wurde an Tochter Herta übergeben, die den Handwerker Ewald Fuchs ehelichte und das Geschäft 1980 buchstäblich um eine Hausnummer vergrößerte, wobei sie sich ganz auf Haushaltswaren fokussierte.
Von Haertle zu Fuchs und als der stationäre Handel blühte
Ältere Burglengenfelder erinnern sich: Es war dies überhaupt die Zeit, in der der Einzelhandel in ihrer Altstadt blühte. Auch in der „zweiten Reihe“, wie der Kirchenstraße, reihte sich ein Laden neben den anderen. Dazwischen gab es sogar eine Eisdiele.
Zur Jahrtausendwende übernahm Ingmar Fuchs das Ruder im Geschäft seiner Mama. Der heute 58-Jährige hatte Betriebswirtschaft studiert und scheute sich nicht, die Familiengeschichte im Einzelhandel fortzuschreiben – auch aus Liebe zu Burglengenfeld. Andernorts hätten sich für ihn völlig andere Perspektiven aufgetan, aber: „Ich wollte nicht weg.“
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Feines Porzellan, blank poliertes Besteck, robuste Pfannen, auch Outdoor-Grills in allen Variationen – Haushaltswaren Fuchs bot ein breites Sortiment, und für ungezählte Burglengenfelder war es ein ungeschriebenes Gesetz, dass sie sich bei der Gründung eines Hausstands hier ausstaffierten.
Folge des veränderten Verbraucherverhaltens
Irgendwann bekam aber auch Fuchs zu spüren, was dem gesamten stationären Handel zu schaffen macht: Das Verbraucherverhalten änderte sich dramatisch. Nicht nur, dass immer mehr Menschen ihre Einkäufe im Internet erledigen, weil sie glauben, dort günstiger zu fahren. Viele haben bei den Ausgaben grundsätzlich ihre Prioritäten verschoben.
Wenn etwas mehr belastet, als es Spaß macht, ist es an der Zeit aufzuhören
Ingmar Fuchs, Inhaber
Hochwertiges Geschirr, das eben nicht für billiges Geld zu haben ist, wird seit Jahren immer weniger nachgefragt, auch der Umfang der Gedecke schrumpft, berichtet Fuchs. Zwölf-Personen-Sets seien aus der Mode gekommen, weil sie nicht mehr gebraucht würden. Stehe eine Familienfeier an, greife man nicht mehr in den eigenen Schrank, sondern lade Gäste in eine Gastwirtschaft.
Jeden Vormittag, so erzählt Fuchs weiter, könne er beobachten, wohin die Reise gehe. Dann nämlich, wenn ungezählte Transporter im Auftrag diverser Zustelldienste die Hauptstraße hoch düsen. Darin befänden sich genau die Waren, die früher in Geschäften vor Ort gekauft worden seien – oder deutlich billigere Alternativen aus der Welt des Internets.
Druck von den Herstellern und hohe Fixkosten
Doch nicht nur der Sinneswandel der Konsumenten machte Fuchs zu schaffen, auch mit so manchem Hersteller der Produkte, die er anbieten wollte, haderte er. Sie hätten nicht nur versucht, beim Einkauf Stückzahlen zu diktieren, sondern für die Ausstellung der Ware auch teure Gestaltungsvorschriften gemacht. Ja sogar bei den Öffnungszeiten hätten sie versucht, Einfluss zu nehmen.
Als der Druck zu groß wurde, scheute sich Fuchs nicht, Konsequenzen zu ziehen und die Freundschaft aufzukündigen. Auf sinkende Umsätze reagierte der Kaufmann auf vielfältige Weise, zum Beispiel mit einer Verkleinerung der Verkaufsfläche oder mit dem Verzicht auf Personal. Trotzdem seien die Fixkosten eine bedrückende Größe geblieben. Allein die Versicherung der Schaufenster schlug jährlich mit rund 1000 Euro zu Buche, von der Grundsteuer und den Heizungskosten ganz zu schweigen.
Als zeitlichen Wendepunkt, ab dem das Geschäft immer schlechter lief, nennt Ingmar Fuchs das Jahr 2010. Die Corona-Pandemie habe den Prozess beschleunigt. Vor geraumer Zeit reduzierte Fuchs die Öffnungszeiten. In ihm reifte die Erkenntnis, dass der Laden nicht mehr zu seinem Lebensplan passte. Und „wenn etwas mehr belastet, als es Spaß macht, ist es an der Zeit aufzuhören“, so sein Credo.
Was wird aus Immobilien? - Bürgermeister bietet Hilfe an
„Haushaltswaren Fuchs“ wird es also bald nicht mehr geben. Langweilig wird dem 58-Jährigen aber nicht. Dazu ist er zu kreativ, zu umtriebig. Seit geraumer Zeit saniert er ein Anwesen am Marktplatz. Dabei war und ist sich der Besitzer nicht zu schade, selbst schweißtreibende Arbeiten auszuführen.
Was die Zukunft der Immobilien in der Hauptstraße angeht, so hält sich Fuchs noch bedeckt. Bürgermeister Thomas Gesche (CSU), der die Geschäftsaufgabe sehr bedauert, bot spontan an, nach dem Abverkauf „gemeinsam an einer Neubelebung zu arbeiten“.