Schnitt in Burglengenfelds Friseurszene: Marianne Heller geht in den Ruhestand

Anfang Oktober geht in Burglengenfeld im Landkreis Schwandorf eine Ära zu Ende: 75 Jahre nach seiner Gründung schließt der Friseursalon Ried in der Kallmünzer Straße für immer seine Pforten, Inhaberin Marianne Heller (73) geht in den Ruhestand. Fortgesetzt wird die Familientradition allerdings durch Sohn Frank. Der 51-Jährige hat die „Bündelung der Kräfte“ an seinem Standort in der Hauptstraße 11 ausgerufen.
Marianne Heller ist die Tochter von Johann Ried, der 1950 in seinem Elternhaus in der Kallmünzer Straße ein Friseurgeschäft für Männer eröffnet hatte. Sechs Jahre später errichtete er gleich nebenan ein eigenes Haus. Oben wurde gewohnt, unten gearbeitet. 1963 legte er die Meisterprüfung ab und stellte Personal ein, um auch Damenwünschen gerecht zu werden.
Tochter Marianne war da bereits elf Jahre alt. Und schon als Schülerin musste sie in den Ferien oder wenn Not am Mann war im Laden mithelfen, zum Beispiel beim Haarewaschen. Gefreut hat das den Teenager nicht unbedingt, aber so wuchs Marianne buchstäblich in das Geschäft hinein – und irgendwann war klar, dass auch sie Friseurin werden sollte.
In den Beruf früh hineingewachsen
Nach dem Abschluss ihrer Lehre 1969 arbeitete Marianne Heller noch jahrelange im väterlichen Betrieb mit. Allerdings verspürte sie zunehmend den Drang, auch einmal auf eigenen Beinen zu stehen. 1987 ergriff sie daher die Chance, in der Innenstadt das Geschäft von Heinrich Zeininger zu übernehmen. Es wurde in „Mariannes Haarmoden“ umgetauft. Dass sie wenig später auch die Nachfolge ihres Vaters antreten sollte, ist einem unglücklichen Zufall geschuldet. Aus gesundheitlichen Gründen sah sich Johann Ried, damals erst 56 Jahre alt, kurzfristig zur Übergabe gezwungen.

Marianne Heller machte aus der Not eine Tugend und bewies neben ihren handwerklichen und kommunikativen Fähigkeiten auch kaufmännische Qualitäten. Immer mehr Menschen wussten ihre Dienstleistungen zu schätzen. In Hochphasen beschäftigte Heller rund ein Dutzend Angestellte.
Als Friseurin öffnet man auch den Kopf und das Herz des Kunden. Deshalb wird viel erzählt. Natürlich musst du alles für dich behalten.
Marianne Heller
Neben Gefühlen der Zufriedenheit über einen geglückten Haarschnitt oder eine Frisur, die zum jeweiligen Typ besonders gut passte, schenkte Heller ihren Kunden stets ein offenes Ohr. Viele gewannen zu ihr Vertrauen, so dass sie mit ihr nicht nur über Gott und die Welt, sondern auch über persönliche Erlebnisse und Probleme plauderten.
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1974, vier Jahre, nachdem sie ihren Mann Theo geheiratet hatte, brachte Marianne Heller ihren Sohn Frank zur Welt. Berufstätigkeit und mütterliche Pflichten ließen sich damals mit Unterstützung der Großeltern ganz gut unter einen Hut bringen, berichtet Heller. Frank machte Abitur und wollte zunächst Maschinenbau studieren, merkte aber bald, dass das nicht seine Welt war. Im Familienrat wurde überlegt, was die Alternative sein könnte. Eine davon lautete: Friseur.
Der Aufstieg von Sohn Frank
Nach der Meisterprüfung 2001 an einer Internationalen Friseurschule unterstützte Frank eine Weile seine Mutter im Betrieb. Genau vor 20 Jahren aber sollte er mit der Übernahme ihres Altstadt-Ladens, der zwischenzeitlich in die Kirchenstraße verlegt worden war, sein eigener Herr werden. Aus „Hair & Style by Salon Ried“ wurde die Frisier-Lounge Frank Heller.
2011 entschloss er sich, in der Hauptstraße 11 ein Gebäude zu erwerben, um es für seine Zwecke umzubauen. Was sich banal anhört, war in Wahrheit eine enorme Herausforderung. Der Zustand des Objekts aus dem 17. Jahrhundert war kläglich. Mit Kreativität, körperlichem Einsatz, handwerklichem Geschick und väterlicher Unterstützung gelang es dem Friseurmeister aber, alle Skeptiker eines Besseren zu belehren. Aus dem maroden Gemäuer formte er ein Schmuckkästchen. 2014 konnte es bezogen werden. Neben dem eigenen Laden und seiner Wohnung fand sich darin auch Platz für ein Büro, das seit über zehn Jahren von der „Mittelbayerischen“ als Redaktionsraum genutzt wird.

Mutter Marianne beobachtete die Aktivität ihres Nachwuchses mit Wohlgefallen und konzentrierte sich auf ihren Salon in der Kallmünzer Straße, wo sie freilich immer seltener selbst zur Schere griff. Dank eines engagierten Mitarbeiterteams konnten die Kunden trotzdem zufriedengestellt werden.
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Weil es aber auch in dieser Branche immer schwieriger wurde, Fachkräfte zu finden, mit denen das Team ergänzt oder entlastet hätten werden können, entschloss sich Marianne Heller heuer zum großen Schnitt. Mit 73 möchte sie sich nun doch aus der Geschäftswelt verabschieden. Ihre Mitarbeiter wechseln in die Frisier-Lounge von Sohn Frank, der nun selbst bereits auf 20 Jahre Selbstständigkeit zurückblicken kann.
Keine Angst vor Konkurrenz
Dass sich auch in Burglengenfeld in den vergangenen Jahren die Zahl der Friseurgeschäfte erhöht hat, konnte den 51-Jährigen bis heute nicht verunsichern. Selbstbewusst betont er die eigenen Stärken und die besondere Atmosphäre, die man bei ihm vorfinde. Ein breites Publikum wisse das zu schätzen.
Und was macht künftig die Mama? Wird sie kurz vor dem Ladenschluss von Wehmut geplagt? „Bisher nicht!“, sagt Marianne Heller mit einem Schmunzeln im Gesicht. Die Seniorin ist unternehmungslustig und gesellig, reist gern und schwang früher auch häufiger in Schmidmühlen den Golfschläger. Wegen Rückenproblemen hat sie diese Aktivität mittlerweile reduziert. Und da ist ja auch noch Enkel Felix. Der fünfjährige Wirbelwind ist für seine Großeltern ein wahrer Sonnenschein und wird sie bei den regelmäßigen Besuchen gewiss weiter auf Trab halten – und damit jung.