Sanierung Fronfeste in Burglengenfeld: CSU-Rat beklagt Finanz-Fiasko mit Ansage

Die Geschichte über die Sanierung des ehemaligen Gefängnisturms, auch Fronfeste genannt, ist um ein weiteres unerfreuliches Kapitel reicher. Erneut sah sich die Stadtverwaltung in Burglengenfeld (Landkreis Schwandorf) am Mittwoch gezwungen, den Bauausschuss mit einer unerwarteten Kostensteigerung zu konfrontieren. Es geht um ein Plus von rund 170.000 Euro. Das sorgte im Gremium für großen Unmut.
Zur Erinnerung: Die Sanierung der Gebäude in der Fronfestgasse 5 war von Anfang an umstritten. Gegner erklärten, der Aufwand sei nicht abzuschätzen und angesichts der bedenklichen Burglengenfelder Finanzlage nicht vertretbar. Außerdem fehle es an einem überzeugenden Nutzungskonzept.
Die Befürworter hielten dagegen, bei der Fronfeste handle es sich um ein ganz besonderes Objekt, das es unbedingt zu bewahren gelte. Die Kosten ließen sich durch außergewöhnlich hohe Fördermittel aus verschiedenen Quellen und die Streckung über mehrere Haushaltsjahre erträglich gestalten. Auch existierten sehr wohl Ideen, wie die neuen Räume sinnvoll genutzt werden könnten.
Böses Erwachen im März
Bei der Umsetzung des Vorhabens gab es dann von Anfang an Probleme. Bisweilen hatte es den Anschein, als würden die Arbeiten überhaupt nicht mehr voranschreiten. Mit einem neuen Architekturbüro wollte die Stadt heuer aber durchstarten, um das Projekt im Sommer 2026 zum Abschluss zu bringen. Nach Informationen der Redaktion drängt langsam die Zeit, die Kommune läuft Gefahr, Fördermittel zu verlieren.
Doch bei einer Begehung im März gab es gleich die nächste böse Überraschung: Experten, unter ihnen auch ein Vertreter des Landesamts für Denkmalpflege, stellten fest, dass sich durch Baumeisterarbeiten, die der statischen Sicherung des Gebäudes dienten, der Innenputz großflächig gelöst hatte. Auch die Deckenputze wiesen starke Risse auf. Noch während der Besichtigung fielen Bruchstücke herab.
Damit war laut Verwaltung klar, dass eine Zielvorgabe nicht mehr zu halten war: der weitgehende Erhalt der Putzsubstanz. In sämtlichen Räumlichkeiten sollte nun der vorhandene Putz abgeklopft und ersetzt werden. Dabei geht es dem Vernehmen nach um eine Fläche von 700 Quadratmetern. Erschwerend kommt hinzu, dass es nicht mit einer Standard-Stärke getan ist. Wegen der Unebenheiten im Mischmauerwerk müssen bis zu 70 Millimeter Putz aufgetragen werden.
Was sagt die Regierung dazu?
Weil sich durch einen Baustopp alle weiteren Gewerke verzögert hätten, entschied sich die Verwaltung, die ausführende Firma weiter arbeiten zu lassen, ohne dass vorher der zuständige Ausschuss mitreden durfte. Gleichzeitig wurde die Regierung der Oberpfalz kontaktiert, um eine Anerkennung der Mehrkosten zu erreichen.
Grundsätzlich, so berichtet die Verwaltung, gibt es die Chance. Voraussetzung ist, dass die ursprünglichen Kosten um mehr als fünf Prozent überschritten werden. Außerdem sind die Unvorhersehbarkeit sowie die Unvermeidbarkeit nachzuweisen.
Darüber hinaus hängt ein Ausgleich davon ab, ob überhaupt genug Fördermittel zur Verfügung stehen. Vorsichtshalber riet die Regierung dazu, die Kommune möge nach Möglichkeiten suchen, ob an anderer Stelle gespart werden könnte.
Thomas Hofmann platzte der Kragen
Nach Angaben der Verwaltung hat die beauftragte Firma Kosten in Höhe von rund 252 000 Euro veranschlagt. Die bisherige Schätzung für die Innenputzarbeiten lagen bei etwas über 81 000 Euro, so dass der Ausschuss nun also ein Plus von 170 000 Euro zur Kenntnis nehmen musste.
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Den stellvertretenden Sprecher der CSU-Stadtratsfraktion Thomas Hofmann brachte dies regelrecht auf die Palme. Die Fronfeste habe sich zu einem einzigen Finanzfiasko entwickelt, meinte er, und genau das sei leider vorhersehbar gewesen. Dass die Putzproblematik von den Beratern, die mittlerweile nicht mehr im Spiel seien, nicht erkannt worden sei, sei inakzeptabel, sagte Hofmann. Als Fachleute mit Erfahrung hätten sie wissen müssen, dass sich durch Arbeiten, bei denen ein Kompressor zum Einsatz kommen sollte, Putz lockern könnte. Aus Dummheit oder vorsätzlich sei dies ignoriert worden.
Wenn die Experten Erfahrung hatten, mussten sie ahnen, dass der Einsatz eines Kompressors Schäden verursacht.
Thomas Hofmann, Stadtrat der CSU
Bürgermeister Thomas Gesche (CSU) stellte sich schützend vor die kritisierten Personen. Sie seien absolut vertrauenswürdig gewesen. Um auf Nummer sicher zu gehen, hätte man ungezählte Bohrungen durchführen müssen, die ebenfalls teuer gewesen wären, gab Gesche zu bedenken.
„Das ist mehr als dumm gelaufen“, sagte CSU-Rat August Steinbauer. Wenn der Stadtrat vorher gewusst hätte, wie sich die Dinge entwickeln würden, hätte er der Sanierung nie zugestimmt. Nun aber habe man keine andere Wahl mehr, als die Kostensteigerungen mitzutragen, sagte er.
Michael Hitzek (SPD) widerspricht
Michael Hitzek (SPD) erklärte, auch er sei über die Situation alles andere als erfreut. Aber die Vorsatz-These Hofmanns gehe ein Stück zu weit. Und man dürfe nicht vergessen, dass es sich bei der Fronfeste, welche die Stadt 2014 erworben hat, sehr wohl um ein bedeutendes Bauwerk handle. Es lohne sich, es einer neuen Nutzung zuzuführen.
Hans-Edmund Glatzl (BFB) wollte indes wissen, ob mit weiteren Überraschungen ähnlicher Art zu rechnen sei. Bürgermeister Gesches Antwort: „100-prozentig weiß man es nie.“ Stand heute belaufen sich die Gesamtkosten der Sanierung auf zirka 2,3 Millionen Euro.