Nach Dachschaden und Restaurant-Aus: Was tut sich im Leeren Beutel in Regensburg?

Von Juliana Ried · 24. September 2025 um 07:00

Im Grunde bietet sich außen am Leeren Beutel, dem Kulturzentrum unweit der Minoritenkirche in Regensburg, seit mehr als einem Jahr dasselbe Bild. Die lange Seite ist eingerüstet und grün benetzt, nachdem sich Dachziegel gelöst hatten. Die Stadt arbeitet an einem großen Wurf, wie sich am Dienstag auch im Grundstücksausschuss des Stadtrats abzeichnete.

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Der Hinweis neben der Eingangstür, die Gastronomie sei „vorübergehend geschlossen“, ist neueren Datums. Ende Juni schloss das Restaurant „Leerer Beutel“. Viele fragen sich, wie es weitergeht mit dem Kulturort. Doch einiges ist offen.

Die Grünen hatten einen Bericht zur aktuellen Situation und den weiteren Planungen der Stadt für das Kulturzentrum mit Städtischer Galerie, Kino und Jazzclub beantragt. Politkünstler Jakob Friedl (Ribisl-Partie) forderte Informationen zum Pachtvertrag der Stadt mit Paulaner ein.

Die Anträge landeten zunächst auf der Tagesordnung des öffentlichen Teils des Grundstücksausschusses, wo sie nach Ansicht von Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) und der Stadträte allerdings nur sehr kurz beziehungsweise gar nicht beantwortet werden sollten. Der Kulturort soll demnächst großes Thema im Kulturausschuss sein. Über die Verhandlungen mit der Brauerei sollte der Grundstücksausschuss nichtöffentlich informiert werden.

Stadt führt Gespräche mit Paulaner

Ein neuer Gastronom ist ohnehin nicht in Sicht. Dem Vernehmen nach ist die Stadt noch mit der Prüfung des Vertrags mit Paulaner beschäftigt. Dazu kommt, dass das Restaurant wohl instandgesetzt werden müsste, so schilderte es auch Hans Teufl (Grüne) im Grundstücksausschuss. Die Gebäudehülle nennt das Baureferat auf MZ-Anfrage sogar „stark sanierungsbedürftig“. Die Dachkonstruktion habe Feuchtigkeitsschäden und Mängel an der Deckung. An der Fassade gebe es „Mauerwerksrisse, Abplatzungen, Fehlstellen und Salzausblühungen“. „Weitere Erkenntnisse zum baulichen Gesamtzustand lassen sich nur durch vertiefte Untersuchungen gewinnen. Diese sollten an der künftigen Nutzung ausgerichtet und in einem übergeordneten Gesamtkonzept gebündelt werden“, heißt es vom Baureferat. Die Dachsanierung soll 2026 stattfinden, so war es zuletzt geplant.

Den Saal im Leeren Beutel übernahm nach dem Aus des Restaurants der Jazzclub. Er steht aber auch anderen Nutzern offen. - Foto: Tino Lex

Bernhard Lindner, Vorsitzender des Jazzclubs, rechnet damit, dass es Mitte 2026 so weit ist. „Wir hoffen natürlich, dass es dann gemacht wird, wenn wir unsere konzertfreie Zeit haben.“ Der Verein übernahm den Saal als Hauptmieter, polierte ihn in dieser Sommerpause mit viel ehrenamtlichen Einsatz auf, über einen Zuschuss dafür muss der Kulturausschuss noch entscheiden. „Wir mussten autark werden“, erklärt Lindner. Der Verein brauchte etwa eine Gaststättenkonzession, einen Serviceraum mit Platz für Getränkekästen und ein Handwaschbecken. Unter anderem eine neue Theke und eine Aufstockung der Bestuhlung sollen folgen. Die Saison habe „phänomenal“ begonnen, dennoch müsse sich das leere Restaurant bald füllen. Statt eines klassischen Speiselokals wie bisher wünscht sich Lindner einen eher „niederschwelligen“ Ansatz, der mit Getränken und kleinen Speisen viele, viele Besucher anzieht.

Filmgalerie frisch saniert

Bernhard Lindner (Jazzclub), Bastian Zieglgruber (Kino), Caroline Ebeling (Galerie) und Maria Lang (Kulturamt) v. l. im sanierten Kino - Foto: Tino Lex

Bastian Zieglgruber, stellvertretender Chef der Filmgalerie, sieht das ähnlich. Er berichtet, der Kinoherbst im mit Unterstützung von Bund und Stadt frisch sanierten Saal sei auch ohne Gastro „gar nicht schlecht angelaufen“. Die Stadt renovierte im Sommer auch das Foyer vor dem Kino samt Toiletten.

Sowohl der Vorraum als auch das Gerüst sollen vor der Museumsnacht im Oktober künstlerisch gestaltet werden, kündigt Kulturamtschefin Maria Lang an. Aktuell liege der Fokus auf den öffentlich zugänglichen Bereichen, erklärte sie am Dienstag im Ausschuss. Generell sei das Kulturamt momentan in der Bestandsaufnahme vor der Generalsanierung. „Wir gehen das jetzt sehr priorisiert und fokussiert an, um insbesondere den Nutzenden den Betrieb weiter zu ermöglichen, das Haus auch trotz Gerüst zu attraktivieren.“ Parallel dazu gehe es darum, „mit den Nutzungsparteien im Haus und mit einem partizipativen Verfahren zunächst einmal die DNA des Leeren Beutels, die Charakteristik und auch letztlich die Kernkompetenzen des Hauses, nicht zuletzt im kulturellen Ökosystem der Stadt, zu ermitteln.“ Es gehe um die Frage, welche Lücke der Leere Beutel füllen könne.

Der Kulturort

Geschichte: Die einst als Getreidespeicher genutzte Immobilie ist ein stattliches, denkmalgeschütztes Bauwerk des 16./17. Jahrhunderts mit einer Bruttogeschossfläche von rund 6500 Quadratmetern. Das Haus wurde nach grundlegender Sanierung 1980 seiner neuen Bestimmung als städtisches Galeriegebäude übergeben. Den Sammlungsbestand beschreibt die Stadt als „Panorama vor allem ostbayerischen Kunstschaffens“. Die Filmgalerie befindet sich der Stadt zufolge seit 1981 im Haus, 1988 kamen das Restaurant und der Jazzclub hinzu.

Umbruch: Seit Januar ist das Kulturamt für den Leeren Beutel verantwortlich. Im Juni schloss das gleichnamige Restaurant nach 37 Jahren, die Brauerei verlängerte den Pachtvertrag nicht.