Ob Blackout oder viele Verletzte: Im Katastrophenfall helfen im Landkreis Schwandorf alle zusammen

Von Martin Kellermeier · 23. September 2025 um 19:00

Es sind Szenarien, die man sich zwar gar nicht vorstellen will, die aber in der jüngeren Vergangenheit immer wieder und teilweise auch häufiger passieren: Was tun, wenn der Strom – nach einer Unwetterkatastrophe oder womöglich auch nach einem Hackerangriff – tagelang ausfällt? Was passiert, wenn es wegen einer Großschadenslage unzählige Verletzte oder Obdachlose gibt? Der Landkreis Schwandorf will mit seinen Katastrophen- und Zivilschutzeinrichtungen eine Antwort darauf geben und den Bevölkerungsschutz optimieren.

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Das Katastrophenschutzlager in Schwandorf ist vollgepackt

Jodtabletten, Feldbetten, Schutzanzüge oder Dekontaminationsausrüstung für den Seuchenfall wie die Afrikanische Schweinepest – die Liste der Materialien, die im Katastrophenschutzlager in der Nähe des Schwandorfer Bahnhofs eingelagert sind, ist lang. Mit den Gegenständen kann zum Beispiel eine Notunterkunft ausgestattet werden. „Es ist wichtig, dass ein solches Zentrallager unterhalten wird“, konstatierte Schwandorfs Oberbürgermeister Andreas Feller (CSU) bei einem Rundgang. Und er ergänzte: „Das Möglichste wird getan.“

Im Katastrophenschutzlager in Schwandorf gibt es allerhand Equipment für den Notfall. Jodtabletten, Schutzanzüge und Feldbetten sind nur wenige Beispiele. - Foto: Martin Kellermeier

Vor dem Lager parkten beim Pressetermin verschiedene Fahrzeuge des Rettungsdienstes. Die Schnelleinsatzgruppe Behandlung der BRK-Bereitschaft besteht aus einem Mannschaftstransportwagen und einem Gerätewagen. Mit der Ausrüstung kann zum Beispiel ein Verletztenbetreuungsplatz aufgebaut werden. Schon 20 Minuten nach Eintreffen der Einheit können in einem beheizbaren Zelt die ersten Patienten versorgt werden, bis zu 25 Liegendplätze gibt es. Beim Abtransport der Verletzten können die Johanniter helfen. Sie unterhalten zwei Krankentransportwagen, Typ B. Anders als bei gewöhnlichen Fahrzeugen können hier gleich zwei Patienten liegend transportiert werden.

Franziska Diermeier zeigte die Ausrüstung des Gerätewagens. Damit kann eine Vielzahl von Verletzten betreut werden. - Foto: Martin Kellermeier

Das THW kann im Notfall Strom erzeugen und diesen ins Netz einspeisen

Beim THW-Ortsverband Schwandorf gibt es die verschiedensten Gerätschaften. Bagger, Radlader, Gabelstapler – und mehrere Netzersatzanlagen. Mit diesen kann im Notfall Strom erzeugt und ins Netz eingespeist werden. Die leistungsstärkste Anlage hat eine Leistung von 310 Kilovoltampere (kVA) und ist am Einsatzort nach etwa 30 Minuten betriebsbereit. „Damit können wir etwa 100 Haushalte versorgen“, erklärte Maschinist Franz Münz. Die Anlage wird von einem Sechs-Zylinder-Dieselmotor betrieben. Läuft sie auf Volllast, verbraucht sie bis zu 25 Liter Kraftstoff in der Stunde. 400 Liter Diesel sind im Tank. „Bei 80 Prozent Last können wir etwa 24 Stunden überbrücken“, rechnete der Helfer von der Fachgruppe Elektroversorgung vor.

Praktisch: Die Anlage kann auch den Strom von Photovoltaikanlagen oder deren Speicher aufnehmen und ins Netz einspeisen. Der Landkreis Schwandorf will noch mehr dieser leistungsstarken Anlagen vorhalten. Bereits diesen November sollen fünf weitere Anlagen geliefert werden, um im Bedarfsfall bis zu sechs Hallen als Notunterkünfte mit Notstrom zu versorgen. Bis zu 1500 Bürger können hier insgesamt untergebracht werden. „Der Katastrophenschutz im Landkreis hat einen hohen Stellenwert. Wir wollen für alle möglichen Ereignisse vorbereitet sein“, stellte Landrat Thomas Ebeling (CSU) fest.

Intakte Luftschutzräume sucht man im Landkreis derzeit vergeblich

Eine massive Tür im Keller des Burglengenfelder Rathauses führt in eine Anlage, wie es sie früher in vielen Orten in der Region gab. In dem Luftschutzraum, der einst zum Schutz der Bevölkerung hätte dienen sollen, stapeln sich heute Akten und städtische Unterlagen. Das ist nicht ungewöhnlich. „Die entwidmeten Schutzräume werden heute überwiegend als Lagerräume genutzt“, erklärte Gerhard Domaier, Sachgebietsleiter Sicherheit und Ordnung am Landratsamt. Zählt man alle im Landkreis einst vorgehaltenen Schutzräume zusammen, so hätten diese eine Kapazität von 2200 Menschen gehabt.

Wolfgang Weiß öffnete die Tür zum früheren Luftschutzraum im Burglengenfelder Rathaus. - Foto: Martin Kellermeier

Als Katastrophenschutzeinrichtungen können diese Anlagen heute aber nicht mehr genutzt werden. Wichtige Infrastruktur, wie die Be- und Entlüftungen oder die Wasserversorgung, seien seit Jahren nicht mehr gepflegt worden. „Das ist nicht mehr einsatzfähig“, stellte Domaier fest und informierte darüber, dass auf Bundesebene aktuelle Planungen für die Reaktivierung und Einrichtung neuer Schutzräume laufen.

Auch die Feuerwehr spielt im Notfall eine entscheidende Rolle

Im Gerätehaus der Feuerwehr Burglengenfeld steht neben einem Gabelstapler ein großer Abrollcontainer. Darin befindet sich allerlei Equipment für den Katastrophenfall. Vor allem Notstromaggregate kommen zum Vorschein, als Kommandant Michael Prehn Burglengenfelds 2. Bürgermeister Josef Gruber (CSU) die Ausrüstung im Detail erklärt. Sie sollen im Notfall mehrere „Leuchtpunkte“ im Stadtgebiet bilden, darunter das Feuerwehrgerätehaus, die Stadthalle und das Rathaus.

Burglengenfelds Kommandant Michael Prehn und 2. Bürgermeister Josef Gruber vor dem Abrollcontainer - Foto: Martin Kellermeier

„Die Stadt Burglengenfeld geht hier für alle Gemeinden im Landkreis mit gutem Beispiel voran“, lobte Gerhard Domaier vom Landratsamt. Denn nach dem Konzept des Landkreises sollten flächendeckend in allen Gemeinden solche Leuchtpunkte – auch Katastrophenschutz-Leuchttürme genannt – als Anlaufstelle für die Bürger vor Ort geplant und vorgehalten werden.

Die Tankstelle Leu in Burglengenfeld funktioniert auch bei Stromausfall

Damit die Einsatzfahrzeuge auch im Katastrophenfall unterwegs sein können, wurde die Tankstelle Leu im Burglengenfelder Westen aufgerüstet. Sie verfügt seit Kurzem über eine Einspeisestelle, an der ein Notstromaggregat der Feuerwehr Burglengenfeld angeschlossen werden kann.

Gerhard Domaier ist froh, dass die Tankstelle Leu auch bei Stromausfall funktioniert. - Foto: Martin Kellermeier

Insgesamt plant der Landkreis sechs Tankstellen, zusammen mit dem jeweiligen Betreiber und der örtlichen Gemeinde, in dieser Weise für den Notstrombetrieb zu ertüchtigen. Landrat Ebeling betonte dazu, „dass es im Bedarfsfall von existenzieller Bedeutung ist, die Mobilität und Einsatzbereitschaft der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben im gesamten Landkreis aufrecht zu erhalten“.