Der Landwirt Deser Ferdl aus Hochfeld kaufte Schwammerl auf: Damals ein wichtiges Zubrot

Gedankt wurde in früherer Zeit, besonders in den Jahren nach der Währungsreform, für reichen Schwammerlsegen in den Wäldern; denn die Pilze wanderten nicht nur in die Kochtöpfe, sie wurden auch getrocknet und gut aufbewahrt, damit sie nicht verschimmelten.
Im späten Herbst wartete man dann sehnsüchtig auf den Schwammerlaufkäufer, den „Deser Ferdl“ aus Hochfeld, der für die Pilze einen guten Preis zahlte. Der Ferdl verkaufte die Schwammerl weiter an den Großhändler Klingseisen aus Lam, und der wiederum an „Standlleut“ und Einzelhändler in den Städten .
Für „weiße“ Schwammerl (Steinpilze) bezahlte der Ferdl sechs Mark, er selbst erhielt acht Mark dafür; für „schwarze“ (Rotkappen, Maronen) bezahlte er zwei Mark und erhielt vier Mark. Er erwirtschaftete sich jeden Herbst ein schönes Sümmchen für seine siebenköpfige Kinderschar und als Nebenerwerb zur kleinen Landwirtschaft. Er konnte sogar ein paar Mal einige Tagwerk Grund erwerben, zusätzlich zu seinem „Sacherl“ in Hochfeld, worauf seine Frau Julie und er sehr stolz waren.
Ein kleines Zubrot verdiente sich der Ferdl außerdem als Musikant. Auf seiner Ziehharmonika spielte er bei Kirchweih- und Nachkirchweihfeiern, bei Wurstbällen oder zum „Alten Bier“ auf und sorgte mit seiner heiteren Art für Stimmung. Einmal aber verärgerte ihn ein Bauer: Der Bauer schob dem Ferdl heimlich unterm Tisch, sodass es nur der Ferdl sah, einen Zehn Mark-Schein zu, worauf dieser besonders schneidig und lang musizierte. Der Geldschein entpuppte sich später als zwei zusammengeklebte Zehner, die kurz zuvor in der Zeitung als Muster abgedruckt waren. Das spöttische Grinsen des Bauern hat den Ferdl sehr geärgert...
Die ganze Woche unterwegs
„Mein Vater war jedes Jahr im Herbst mit dem Radl etwa drei Monate unterwegs, um getrocknete Schwammerl aufzukaufen“, erzählt sein Sohn Rudi Deser. Oft sei er die ganze Woche bis Samstag unterwegs gewesen und habe immer in bestimmten Herbergen übernachtet. „Er kam nicht nur in der hiesigen Gegend zu den Leuten, er kam bis nach Wiesenfelden, Zinzenzell und weit darüber hinaus, ebenso in den Altlandkreis Kötzting. Wenn er etliche Säcke voll hatte, rief er im nahen Kasparzell an, bei der Kolonialhandlung Holzapfel, in der ein öffentlicher Fernsprechapparat stationiert war, damit ich, ebenfalls mit dem Fahrrad, die bis oben gefüllten Schwammerlsäcke aus Wiesenfelden abhole. Jemand aus der Holzapfelfamilie kam dann jedes Mal zu Fuß und überbrachte uns Vaters Nachricht, wofür wir dem Boten für die Mitteilung eine Kleinigkeit bezahlen mussten.“
Rudi Deser, damals kaum dem Schulalter entwachsen, schob dann mit dem Rad, beladen mit zwei vollen Säcken, die Schwammerl stundenlang die weite Strecke heim. Den einen Sack hatte er über dem Lenker befestigt und den anderen unten in der Mitte des Fahrrads, quer über den beiden Pedalen liegend. An Fahren war da nicht zu denken...
„Wenn Vater dann bis Falkenstein und Wörth kam, konnte ich die Schwammerlsäcke nicht mehr mit dem Radl heimholen. Er gab sie deshalb auf der Bahnstation Gfäll, einer Station zwischen Wörth und Falkenstein, auf und schickte sie bis zur Bahnstation Konzell-Streifenau, wo wir sie dann mit dem Fahrrad abholten.“ Die getrocknete Ware wurde in der oberen Stube der Desers locker aufgeschüttet und konnte noch etwas trocknen, falls notwendig. Der Lamer Großhändler Klingseisen holte die Schwammerl immer wieder mit seinem kleinen Transportlastwägelchen ab, das er damals in der Nachkriegszeit schon besaß, um sie weiter zu verkaufen.
Montag ging’s wieder los
„Die letzte Station an den Samstagen, wenn Vater nach einer dieser Wochentouren heimkehrte, war meist ganz in unserer Nähe das Wirtshaus beim Bräu in Birnbrunn und von da kam er dann gut gelaunt und angeheitert am Abend heim. Niemand war ihm deswegen böse“, erinnert sich sein Sohn schmunzelnd, „alle freuten sich, wenn er wieder da war. Was gab es da nicht alles zu erzählen! Aber am Montag fuhr er schon wieder los mit seinem Rad zum Schwammerhandel. Die Leute warteten ja auf ihn.“
Schon lange ist Ferdinand Deser gestorben, beerdigt wurde er in Konzell. Niemand kauft mehr getrocknete Pilze auf und die Menschen sind auf diesen Verdienst auch längst nicht mehr angewiesen. Für die „kleinen Leut’“ aber war eine gute Schwammerlernte damals ein Segen, der dem schmalen Geldbeutel gut tat...