Wilde Szenen im Natur-Idyll: Gartenparty im Schwandorfer Süden eskalierte

Von Philipp Breu · 18. September 2025 um 17:00

Eine Geburtstagsfeier in einer Kleingartenanlage an der Libourne-Allee lief komplett aus dem Ruder. Zuerst wurde gemeinsam geratscht, gegessen und getrunken. Spät Nachts soll das Geburtstagskind dann von einem Gast übel zugerichtet worden sein. Der Fall wurde am Donnerstag vor dem Schwandorfer Amtsgericht verhandelt. Dort schilderten die Protagonisten Versionen vom Abend, die nicht unterschiedlicher hätten sein können.

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Die Anlage im Schwandorfer Stadtsüden ist ein wahres Natur-Idyll. Kleine Schrebergärten reihen sich dort aneinander, die meisten liebevoll gestaltet. Vögel zwitschern, vom Verkehrslärm ist nichts zu hören. Schwer vorstellbar, dass sich am 24. August vergangenen Jahres genau hier wilde Szenen abgespielt hatten. Dabei sollte eigentlich nur ein 67. Geburtstag gefeiert werden.

Eingeladen hatte ein Mann aus dem Städtedreieck. Laut Anklage soll die Veranstaltung gegen 3 und 4 Uhr nachts völlig eskaliert sein. Ein heute 28-Jähriger soll mit dem Gastgeber heftig gestritten haben. Bei der Auseinandersetzung soll der Beschuldigte das angebliche Opfer durch eine Feuerstelle gezogen und mehrfach geschlagen haben. Der heute 68-Jährige erlitt Brandblasen an beiden Fußsohlen, Blutergüsse, eine Beule an der Stirn und eine Platzwunde am Kinn. Die Staatsanwaltschaft erhob Anklage wegen Körperverletzung.

Am Donnerstagvormittag wurde dem mutmaßlichen Täter nun der Prozess unter Vorsitz von Richterin Katharina Bauer gemacht. Der junge Mann verzichtete auf einen Rechtsbeistand und übernahm seine Verteidigung selbst. Er stritt die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft nahezu vollständig ab. Er sei es nicht gewesen, der für die Schlägerei verantwortlich war, sagte er.

Angeklagter wollte nur schlichten

Viel mehr habe er schlichten und „deeskalieren“ wollen. Denn das Geburtstagskind im Rentneralter sei mit jedem Bier mehr aggressiver geworden und habe mit seiner Lebenspartnerin immer wieder gestritten. Die Sticheleien sollen spät nachts eskaliert sein. Der Senior sei handgreiflich geworden. „Als er seine Frau schlagen wollte, ist zunächst meine Mutter dazwischen gegangen“, schilderte der Angeklagte. Als der 68-Jährige dann auch noch diese angriff, sei er wiederum eingeschritten.

„Ich bin seinem ersten Schlag ausgewichen und habe ihm eine aufs Kinn gegeben.

Der Angeklagte

„Ich bin seinem ersten Schlag ausgewichen und habe ihm eine aufs Kinn gegeben“, schilderte der 28-Jährige. Das sei aber der einzige Schlag gewesen. „Für alle anderen Verletzungen war ich nicht verantwortlich“, beteuerte er. Die Brandblasen an den Füßen führte der Angeklagte darauf zurück, dass das Geburtstagskind immer wieder ohne Schuhe unterwegs gewesen und der Feuerstelle im Rausch und der Dunkelheit wohl zu nah gekommen sei.

Dann wurde das angebliche Opfer befragt. Dieses bezeichnete den Angeklagten mehrfach als „Kampfmaschine“. Er hatte den jungen Mann ursprünglich gar nicht zu seiner Party eingeladen, sondern lediglich dessen Mutter und deren Partner. Am Nachmittag sei der Beschuldigte dann aber plötzlich trotzdem mit einer Begleiterin aufgetaucht. „Es ist bekannt, dass es Stress gibt, wenn er trinkt“, sagte der Rentner. Im Laufe des Abends hätten sich die Befürchtungen dann bewahrheitet. Der 28-Jährige soll aggressiv geworden sein und ständig provoziert haben.

Die Wahrheitsfindung gestaltete sich schwierig

Immer wieder habe es Diskussionen gegeben. „Ich wollte die Party beenden, aber das akzeptierte er nicht. Stattdessen trank er weiter“, sagte der Mann im Zeugenstand. Die verbale Auseinandersetzung soll schließlich in einer Schlägerei gegipfelt haben. „Er hat mich zum Lagerfeuer gezogen und nach Strich und Faden vermöbelt“, schilderte der Rentner. Wahrscheinlich habe er sich dabei auch seine Fußsohlen verbrannt.

Etwa zehn Minuten soll der Angeklagte auf ihn eingeschlagen und auch getreten haben. Dann soll er von ihm abgelassen haben. Ein Gespräch habe es danach nicht mehr gegeben. „Ich war fertig und wollte nur noch ins Bett“, sagte der Geschädigte. Seitdem herrsche zwischen den beiden Streithähnen Funkstille. „Ich möchte mit ihm nichts mehr zu tun haben“, konstatierte der 68-Jährige.

Nach den Aussagen des Angeklagten und dem mutmaßlichen Opfer war klar, dass die Wahrheitsfindung wohl eher schwierig werden könnte. Weitere Zeugen wurden befragt. Ein Partygast berichtete zunächst von einem „normalen Abend“. Die eigentliche Auseinandersetzung habe er nicht mitbekommen. „Meine Begleitung und ich sind schon vorher nach Hause“, sagte er.

Gastgeber soll betrunken und aggressiv gewesen sein

Ein paar pikante Details schilderte der Mann dann aber doch noch auf Nachfrage. Das Geburtstagskind sei tatsächlich erheblich betrunken gewesen. „Er hat schon einen Seegang gehabt“, sagte er. Im Laufe des Abends soll der Gastgeber auch immer wieder mit dessen Freundin gestritten haben. Auch die ein oder andere Handgreiflichkeit habe es gegeben.

Diese Aussage stützte eher die Version des Angeklagten. Noch mehr Klarheit brachte dann die Mutter des Beschuldigten, die zum Zeitpunkt der Schlägerei noch vor Ort und nach eigener Aussage nüchtern war. Auch sie berichtete von einem aggressiven Gastgeber, der viel zu tief ins Glas geschaut und seine Gäste – allen voran, die eigene Partnerin – permanent angepöbelt habe. „Die Schlägerei ging letztlich auch von ihm aus. Mein Sohn wollte nur schlichten, weil auch ich angegriffen wurde“, beteuerte die Frau.

Staatsanwältin Jennifer Jäger hatte daraufhin genug gehört. Sie verzichtete auf die Befragung weiterer Zeugen und beantragte die Einstellung des Strafverfahrens. Der Angeklagte stimmte zu. Damit war die Sache nach zwei Stunden erledigt.