Klares Votum im Schwandorfer Hauptausschuss: Feuerwache soll in der Innenstadt bleiben

Es hatte sich bereits abgezeichnet, am Dienstag wurde es amtlich. Der Schwandorfer Hauptausschuss hat in seiner Sitzung die klare Empfehlung ausgesprochen, die Schwandorfer Feuerwache am alten Standort an der Ettmannsdorfer Straße neu zu bauen. Nun ist der Stadtrat am Zug.
So viele Zuhörer sieht man in Ausschusssitzungen selten. Am Dienstagnachmittag war der Konrad-Max-Kunz-Saal rappelvoll. Oberbürgermeister Andreas Feller (CSU), der die Hauptausschusssitzung leitete, hegte gleich den Verdacht, dass das große Interesse vor allem an einem Tagesordnungspunkt liegt: der Standortfrage für den Neubau der Schwandorfer Feuerwache. So war es dann auch. Nachdem der Punkt abgehandelt war, leerte sich der Zuhörerbereich deutlich.
Davor wurde aber nochmals detailliert gegenübergestellt, erklärt und diskutiert. Schließlich ging es um eine Entscheidung mit großer Tragweite. Seit Jahren wird in der Stadtpolitik darüber debattiert, wo die Zukunft der Schwandorfer Feuerwache liegen soll. Wie bisher im Gerätehaus an der Ettmannsdorfer Straße oder in einem neuen Gebäude an der Hoher-Bogen-Straße?
Alter Standort wohl teurer
Grundlage für die Debatte ist der Feuerwehrbedarfsplan. Dieser liegt dem Stadtrat seit Februar 2021 vor. Eine Entscheidung ließ aber bis heute auf sich warten.
Die Gutachter favorisierten in ihrem Bericht einen Neubau auf der grünen Wiese an der Hoher-Bogen-Straße, gegenüber der Glätzlstraße. Sie argumentierten unter anderem mit der Einhaltung der gesetzlichen Zehn-Minuten-Hilfsfrist für Einsätze im Stadtosten und zu wenigen Stellflächen bei der bisherigen Wache an der Ettmannsdorfer Straße. Um alle Probleme zu lösen, sei ein Neubau an einem neuen Standort das Sinnvollste.
Eine Zukunftswache auf der grünen Wiese wäre einfacher umzusetzen und mit geschätzt 21 Millionen Euro auch deutlich günstiger als ein Abriss und Neubau an alter Stelle, der derzeit mit rund 24 Millionen Euro veranschlagt wird. Zudem würde man dort eine neue, größere Werkstatt, die unumgänglich sei, leicht integrieren können. Diese hätte am alten Standort keinen Platz und müsste laut Beschlussvorlage auf das Gelände des Bauhofs ausgelagert werden.
Doch ein Neubau an der Hoher-Bogen-Straße hat offenbar auch Nachteile. Das wurde nun bei der Hauptausschusssitzung am Dienstag erneut deutlich. Nicht nur, dass der Stadt das Grundstück nicht gehört. Eine Verlagerung der Hauptfeuerwache in den Stadtosten würde auch eine deutliche Mehrbelastung für die Feuerwehren Dachelhofen, Ettmannsdorf und Krondorf-Richt bedeuten. Sie wären dann mehr im Egelseegebiet, im Hochrainviertel und im Stadtzentrum gefordert. Von bis zu 50 zusätzlichen Einsätzen pro Wehr und Jahr wird ausgegangen.
Anfahrtszeiten der Feuerwehr Schwandorf würden sich verschlechtern
Außerdem würden sich am neuen Standort die Ausrück- und Anfahrtszeiten der Feuerwehr Schwandorf um mehr als 30 Prozent verschlechtern, heißt es in der Beschlussvorlage weiter. Folglich könnte die Stadtfeuerwehr nur noch ein kleineres Gebiet innerhalb der Hilfsfrist erreichen.
Und noch ein Punkt spricht gegen einen neuen Standort: Von dort aus könnten im Notfall weniger Gebäude rechtzeitig erreicht werden, bei denen die Drehleiter vorgesehen ist. Auch das „Haus des Guten Hirten“ wäre davon betroffen. Nicht nur Stadtbrandinspektor Klaus Brunner hatte sich schon mehrmals deutlich für einen Neubau am alten Standort an der Ettmannsdorfer Straße ausgesprochen. Kreisbrandrat Christian Demleitner schlug in die gleiche Kerbe.
So verwunderte es auch nicht, dass sich die Räte des Hauptausschusses nahezu einstimmig für den alten Standort aussprachen. CSU-Fraktionsvorsitzender Andreas Wopperer wunderte sich zwar, dass die neuen Erkenntnisse doch deutlich von denen im damaligen Feuerwehrbedarfsplan abweichen. Doch es sei nun glasklar, dass der alte Standort an der Ettmannsdorfer Straße „hervorragend“ sei. Deswegen sehe seine Fraktion keinen Anlass, die neue Feuerwache an eine andere Stelle zu verlagern – auch wenn das die etwas teurere Option sei. „Es geht hier immer noch um den Brandschutz“, stellte Wopperer klar.
Ähnlich sah es auch Fraktionschef Franz Schindler von der SPD. Er lobte die detaillierten Analysen in der Beschlussvorlage. „Ich nörgle gerne an den Unterlagen herum, aber hier muss man einfach sagen: Chapeau, gut gemacht.“
Nur Dieter Jäger stimmte dagegen
Anhand der Darstellungen sei auch für seine Fraktion klar, dass sich der alte Standort bewährt habe. Mann könnte noch fünf Jahre diskutieren, aber klar müsse auch sein, dass der jetzige Zustand der Wache nicht mehr tragbar sei. Deswegen müsse nun eine Entscheidung her.
Alfred Damm, Fraktionssprecher ÖDP/Grüne lobte ebenfalls die umfangreichen Unterlagen. Auch für seine Fraktion stehe fest, dass der alte Standort an der Ettmannsdorfer Straße der beste sei.
„Ich nörgle gerne an den Unterlagen herum, aber hier muss man einfach sagen: Chapeau, gut gemacht.“
Franz Schindler, Fraktionssprecher der SPD im Schwandorfer Stadtrat
Anders sah das Dieter Jäger von den Freien Wählern. Er rief nochmals ins Gedächtnis, dass ein Neubau im Stadtosten günstiger sei. Seiner Meinung nach könnten auch von der Hoher-Bogen-Straße aus die Hilfsfristen ausreichend eingehalten werden. Außerdem würde man so den Weg frei machen für neue Entwicklungen am alten Standort. Dabei handle es sich um ein wahres „Filetgrundstück“, das ideal für neue Wohnungen oder auch neue Einkaufsmöglichkeiten geeignet wäre.
Jäger war es auch, der bei der Abstimmung als einziger die rote Karte zückte. Alle anderen signalisierten mit der grünen Karte ihre Zustimmung, dass die Schwandorfer Feuerwache auch künftig an der Ettmannsdorfer Straße bleiben soll. Die finale Entscheidung trifft nun der Stadtrat.
Sollte diese pro altem Standort ausfallen, hätte dies auch Auswirkungen auf ein neues Fahrzeug, das die Feuerwehren Dachelhofen und Ettmannsdorf bekommen sollen. Da eine Mehrbelastung für diese Wehren dann nicht zu erwarten sei, soll anstelle eines Löschgruppenfahrzeugs LF 20 das kleinere LF 10 beschafft werden.