Nach dem Großbrand läuft im Zementwerk in Burglengenfeld vieles anders

Knapp zwei Wochen ist es her, dass das Zementwerk in Burglengenfeld (Landkreis Schwandorf) haarscharf an einer Katastrophe vorbeigeschrammt ist. Nach dem Großbrand kehrt der Betrieb nun zu einer neuen Normalität zurück. Als Konsequenz wurden auf dem Werksgelände von Heidelberg Materials (HM) bereits einige Sofortmaßnahmen umgesetzt. Auch zur Ursache gibt es Details.
Die Anlage ist bereits wieder in Betrieb und die Aggregate sind heil geblieben. Auch beim Zustand der Lagerhalle selbst kann HM-Werkleiter Bernhard Reindl Entwarnung geben. „Die Konstruktion ist stabil und die Halle kann unter Voraussetzungen weiter genutzt werden“, sagt er. Statiker hätten das Gebäude bereits untersucht. Die Halle und das Dach würden nun gesichert. Um auf Nummer Sicher zu gehen, sei seit dem Großbrand eine mobile Brandmeldeanlage in Betrieb. Ein Feuerwehrauto mit Schaumwerfer sowie eine Wasserkanone stünden ebenfalls allzeit bereit.
Im betroffenen Teil sei außerdem ein Auffang-Netz eingezogen worden. Das soll verhindern, dass Trümmerteile vom beschädigten Dach herabstürzen. Als weitere Sicherheitsmaßnahme wird die Halle laut Reindl aktuell auch nicht betreten. Lediglich Lastwagen fahren in den Teil, der durch das Netz gesichert ist.

Zudem lagert HM, anders als vor dem Brand, kein Kunststoff-Granulat mehr in der Halle. Dieses dient dem Betrieb bekanntlich als Haupt-Brennstoff und hatte sich beim Großbrand am 17. August entzündet. Stattdessen liefern Lastwagen das Granulat nun „just in time“ an. Durch dieses Konzept ist eine Lagerung des Brennstoffs nun nicht nötig. Er wird nach der Anlieferung direkt verfeuert. Da die Anlage rund um die Uhr in Betrieb ist, kommt auch der Transport laufend, um das Granulat synchron zum Bedarf anzuliefern.
Nicht mehr auf Braunkohle angewiesen
Dass überhaupt schon wieder Kunststoff-Granulat verfeuert wird, ist eine gute Nachricht für das Werk. Nach dem Brand hatte HM angekündigt, vorerst auf Braunkohle als Brennstoff umzusteigen. Das wäre aber nur für einen Übergangs-Zeitraum möglich gewesen. Dauerhaft wäre es nicht wirtschaftlich gewesen. „Insgesamt mussten wir für eineinhalb Wochen Braunkohle verwenden“, sagt HM-Werkleiter Reindl.
Nach dem Brand stand außerdem fest, dass das Dach der Halle zumindest teilweise demontiert werden muss. Aktuell fänden solche Arbeiten noch nicht statt, sagt Reindl. Die Instandsetzung der beschädigten Gebäudeteile sei noch in Planung. „Zum Jahreswechsel wollen wir mit dem Wiederaufbau der Halle beginnen. Das ist durchaus sportlich“, sagt Reindl.
Ein bisschen mehr Klarheit gibt es inzwischen auch darüber, was den Großbrand überhaupt ausgelöst hat. Fest steht bereits, dass aller Voraussicht nach Selbstentzündung die Ursache war. Laut Reindl gibt es zwei Theorien.
Eine Möglichkeit sei, dass die Biomasse zu gären begonnen habe. „Aber das ist unwahrscheinlich. Das hätte ziemlich geraucht, sodass wir es frühzeitig gesehen hätten.“ Für deutlich wahrscheinlicher hält Reindl einen technischen Defekt, ausgelöst durch Elektrogeräte, wie Akkus. „Aber zu hundert Prozent kann man es nicht sagen“, so der Werkleiter.
Pfarrer kritisiert Steinbruch-Pläne
Unterdessen hat sich auch der evangelische Pfarrer Gottfried Tröbs bei der Redaktion gemeldet. Er unterstützt die Bürgerinitiative „Heimat schützen, Steinbruch stoppen“, die sich gegen die Erweiterung des Steinbruchs von Heidelberg Materials in Burglengenfeld wehrt. Nach dem Großbrand sieht er sich in seinen Bedenken bestätigt. „Sicher war bei den Löscharbeiten auch hilfreich, dass die Rettungswege frei waren und die Wehren auf schnellstem Weg im Zementwerk sein konnten“, findet er.
Gleiches müsse auch für die Menschen in der Nähe des Steinbruchs gelten: „Wenn der Steinbruch erweitert werden soll, dann auf keinen Fall mit Straßensperrungen während der Sprengungen – bis zu 15 Mal in der Woche“, sagt Tröbs. So habe es HM aktuell beantragt. Tröbs fordert, dass der Konzern nun sein Ansinnen zurückzieht und mit seinem Steinbruch Abstand zu den Straßen hält. „Denn im Ernstfall geht es um Minuten.“
Umwelt und Sicherheit nach dem Feuer:
• Gase: Der Brand vom 17. August war nicht der erste in der Lagerhalle des Zementwerks. Auf MZ-Nachfrage teilt das Landratsamt jedoch mit, dass es in der Lagerung des Kunststoff-Granulats dennoch kein Risiko sieht. Durch den Brand seien wohl auch keine giftigen Gase in die Umwelt gelangt, teilte ein Sprecher mit.
• Ausstoß: Sowohl beim Verfeuern von Kunststoff-Granulat als auch von Braunkohle hält HM laut Landratsamt den zulässigen Rahmen des Schadstoff-Ausstoßes ein. Die Nutzung der Lagerhalle wäre laut der Behörde theoretisch auch ohne Dach möglich, witterungsbedingt allerdings nicht wirtschaftlich.