Pfarrer blickt in die Zukunft: So geht es mit dem Nittenauer Friedhof weiter

Von Cornelia Lorenz · 18. September 2025 um 05:00

Rund 1000 Grabstellen gibt es auf dem Friedhof der Pfarrei Mariä Geburt in Nittenau. Seit dem 18. Jahrhundert befindet er sich am jetzigen Standort nahe der Regentalstraße. Er ist der letzte Friedhof im Stadtgebiet in kirchlicher Trägerschaft. Doch wie lang wird das noch so bleiben? Pfarrer Holger Kruschina macht aus seinem Wunsch keinen Hehl.

„Ich hoffe, dass wir unseren Friedhof abgeben können“, sagt er. Wer denke, die Pfarrei könne von „ihrem“ Friedhof finanziell profitieren, der irre. „Das ist kein Betrieb, aus dem wir Gewinn ziehen. Es ist ein Draufzahlgeschäft“, sagt Kruschina. Weil bei der Kirchengemeinde Nittenau die Einnahmen „massiv einbrechen“, werde sie sich den „Service Friedhof“ nicht mehr lange leisten können. Man habe deshalb vor, ihn in den nächsten Jahren an die Stadt abzugeben. „Ein Zeitpunkt steht noch nicht fest und es gibt auch noch keine konkreten Gespräche“, betont der Pfarrer aber auch.

Ein Blick in die Chronik des Nittenauer Friedhofs

Der Nittenauer Friedhof ist ohnehin zweigeteilt. Direkt an die Regentalstraße grenzt der ursprüngliche Bereich an, der auch heute noch der katholischen Kirchenstiftung gehört. Ein Blick in die Chronik der Stadt zeigt, dass er sich einst an einem anderen Platz befand, und zwar so, wie es früher üblich war, direkt an der Pfarrkirche. Etwa in der Mitte des 17. Jahrhunderts wurde aber bereits die Verlegung an den heutigen Standort in Angriff genommen. Am 28. Oktober 1802 schließlich wurde das alte Friedhofsgelände an der Kirche auf den Antrag von Gutsbesitzer Anton von Voithenberg hin endgültig geschlossen. Seitdem durften nur noch auf dem neuen Friedhof Beerdigungen stattfinden.

Bald schon, so heißt es in der Chronik aus dem Jahr 1883 aber auch, reichte der Platz dort nicht mehr aus. Die „zunehmende Bevölkerung und die infolgedessen sich mehrenden Todesfälle“ machten im Jahre 1807 eine erste Erweiterung des Gottesackers notwendig. Mit Zustimmung des Pflegegerichts Wetterfeld im Landkreis Cham kaufte die Pfarrgemeinde deshalb einen Teil eines benachbarten Ackers zu und umfriedete den ganzen Friedhof mit einer Mauer. 1830 und 1859 folgten erneut Erweiterungen.

Pfarrer: Alles sollte aus einer Hand sein

Einst befand sich der Nittenauer Friedhof direkt neben der Kirche. Doch in der Mitte des 17. Jahrhunderts nahm man die Auslagerung an den heutigen Standort in Angriff. - Foto: Lorenz

Während der kirchliche Teil des Friedhofs also auf eine lange Geschichte zurückblickt, ist der andere Teil vergleichsweise jung: Im Jahr 1984 fand die erste Beerdigung auf einer Erweiterungsfläche statt, die sich in Trägerschaft der Stadt befindet – so wie die Friedhöfe in Fischbach und in Stefling auch. Das ist für Kruschina ebenfalls ein Argument, den alten kirchlichen Teil des Nittenauer Friedhofs der Stadt zu übergeben. „Es ist gut, wenn alles in einer Hand ist“, ist er überzeugt.

Gräber werden teurer

Ohnehin, so sagt er, werde die Pfarrei bald einen Schritt gehen müssen, den die Stadt kürzlich für ihren Teil des Nittenauer Friedhofs vollzogen hat: Aufgrund der schwierigen Haushaltslage hat der Stadtrat im Mai 2025 beschlossen, die Grabnutzungsgebühren anzuheben. Die Kosten für ein Einzelgrab beispielsweise kletterte dadurch von 20 auf 48 Euro pro Jahr. Eine solche Erhöhung werde man im kommenden Jahr wohl auch für den kirchlichen Teil des Friedhofs vornehmen. Bislang sind die Gebühren hier deutlich niedriger.

Das ist kein Betrieb, aus dem wir Gewinn ziehen. Es ist ein Draufzahlgeschäft.

Pfarrer Holger Kruschina

Die Gebührenerhöhung lässt sich vergleichsweise einfach realisieren – andere, von so manchem Nittenauer Bürger gewünschte Veränderung auf dem alten Friedhofsteil wohl eher nicht. Kursierende Vorschläge, die Friedhofsmauer von der Regentalstraße wegzuversetzen, um mehr Platz für Verkehrsberuhigung und Begrünung zu schaffen, sind aus Kruschinas Sicht schwierig.

Denn nach wie vor gebe es dort Familiengräber, die seit und für Generationen gebucht seien. „Da müssten schon alle, die an der Wand liegen, in den nächsten Jahren ihre Gräber zurückgeben“, sagt Kruschina. Selbst wenn sich nur fünf von ihnen weigerten, könne man „das Projekt knicken“.