Bürgerinitiative veranstaltet Mahnwanderung gegen das geplante Umspannwerk bei Wenzenbach

„Dieses Großprojekt zerstört eines der schönsten und wertvollsten Naturgebiete unserer Gemeinde“, erklärte BI-Sprecher Erik Schlegel.
Errichtet werden sollen nun die Transformatoren nach erfolgtem Grundstückskauf am Abbachhof auf Wenzenbacher Gemeindegebiet, direkt an der Grenze zu Zeitlarn.
Grund für die Standortsuche durch Tennet war die Prognose eines sich bis 2045 verdoppelnden Stromverbrauchs und einer Verfünffachung der installierten Leistung aus erneuerbaren Energien. Das stellt die Netzbetreiber vor Herausforderungen. Die großen Erzeugungsspitzen vom Norden müssten zu den großen Verbrauchsspitzen im Süden gebracht werden. Dafür baut Tennet insgesamt 22 Umspannwerke im Freistaat.
Das Areal kennenlernen
Am Samstag lud die Bürgerinitiative zu einer Mahnwanderung zum Abbachhof ein, um der Bevölkerung das Areal, welches die Firma Tennet gekauft hat, in seinen Ausmaßen zu zeigen. Neben Haslbach und Fußenberg war Zeitlarn als Suchraum favorisiert gewesen. Dort konnte Tennet mittlerweile eine Fläche von 21 Hektar vom Grundstücksbesitzer erwerben. Trotzdem sind sich Wenzenbacher und Zeitlarner einig, dass die Suchfläche bei Haslbach am besten geeignet sei. „Wir wollen, dass der Standort ausgesucht wird, der Natur und Mensch am wenigsten beeinträchtigt“, argumentiert Michael Maly von der BI Fußenberg. Das gesamte geplante Umspannwerk liegt nun auf Wenzenbacher Grund, aber in Sichtweite der Ortsteile Mühlhof und Neuhof. Rund einen Kilometer ist der Standort von der Wohnbebauung entfernt.
Erik Schlegel sieht bedeutende Werte bedroht: „Die Natur ist zu schade, als dass man 21 Hektar herausschneidet“, findet er. Ortsheimatpfleger Johann Flauger meinte sogar: „Ich bin am Boden zerstört.“
Zu Alternativstandorten sagt Erik Schlegel: „Alle Standorte sind besser geeignet, weil sie nicht mitten in der Natur liegen.“ Der beste sei Haslbach, weil er direkt neben der Industrie liege. Bei der Industrie werde der Strom abgenommen. „Tennet sucht die einfachste Lösung, die Hochspannung ist schon hier, da kann man gleich anschließen“, konstatiert der BI-Vorsitzende. Die Untersuchung werde nicht öffentlich gemacht. „Dies ist dubios.“ Schlegel moniert die durch die Maßnahme versiegelten Flächen, ein Trafo wiege über 400 Tonnen. „Es werden Flächen versiegelt und Wege gebaut.“Und: „Es ist sehr ernüchternd mit der Tennet in Kommunikation zu treten.“ Die Detailuntersuchung sei just in dem Moment fertig geworden als die Fläche gekauft war. Man habe keinen Einblick in die Kriterien der Auswahl bekommen. Tennet mache diese nicht öffentlich , so Schlegel.
Die BI und die Gemeinde Zeitlarn überlegen deshalb technische Alternativen. Da gebe es die Möglichkeit von Gasisolatoren. Die herkömmlichen Trafos müssen weit auseinanderstehen, weil die Luft der Isolator sei, bei einer Gasisolation könnten sie näher zusammenstehen. Nur: Die Gase seien zudem auch klimaschädlich, wenn sie freigesetzt werden und sollen außerdem europaweit verboten werden.

Ungünstig für die Belange der BI sei auch, dass das Grundstück bereits den Eigentümer gewechselt habe, deshalb brauche es kein Planfeststellungsverfahren mehr, sondern nur ein Plangenehmigungsverfahren. „Die Tennet beißt sich an dem Grundstück fest“, prognostiziert Schlegel.
Flora und Fauna im Gebiet
Der ortsansässige Biologe Prof. Dr. Karl-Otto Stetter hielt für die Anwesenden einen Vortrag über die Flora und Fauna des umstrittenen Areals. „Es gibt nur Äcker hier, weit und breit keine befestigte Straße, es ist eine Ruhezone für die Tiere.“ Außerdem gebe es keine einzige Lichtquelle. „Jedes Licht ist ein Staubsauger für die Tierwelt“, sagt der Biologe. Der Demeter-Acker auf dem Areal komme außerdem ohne Spritzmittel aus und werde selten gemäht. Stetter zählte die Tierarten auf, die durch den Bau des Werkes gefährdet seien: Die auf der Roten Liste stehende Feldlerche, die Wachtel, der Neuntöter, die Dorngrasmücke, Turteltaube und der Pirol. Im Wald selber hause der hochbedrohte Schwarzspecht, eine seltene Amphibienart, der Springfrosch, und Fledermäuse jagen hier in der Nacht und der Dämmerung.
Zeitlarns Ortsheimatpfleger Johann Flauger unterrichtete die Teilnehmer über Bodendenkmäler rund um Zeitlarn und stellte die Fläche als notwendige und einzige Freizeitfläche dar.
Der Zeitrahmen des Projektes sieht das Genehmigungsverfahren in der zweiten Jahreshälfte 2026 vor, dann soll nach Genehmigung bis Ende 2027 der Baubeginn im Jahr 2028 erfolgen und bis 2030 abgeschlossen sein. Die Bürgerinitiative will alles in ihrer Macht stehende tun, um den Bau doch noch zu verhindern.