OB will parteilos kandidieren: Nun rechnet Schwandorfs CSU-Ortsverband mit Feller ab

Von Philipp Breu · 12. September 2025 um 19:00

Diese Entscheidung sorgt weiter für Zündstoff: Schwandorfs amtierender Oberbürgermeister Andreas Feller will 2026 parteilos kandidieren und damit gegen Andreas Wopperer, den Bewerber seiner CSU, antreten. Während Feller in Teilen der Bevölkerung für seine Entscheidung nach der Schlappe bei der CSU großen Zuspruch erhielt, übten mehrere seiner bisherigen Parteifreunde Kritik. Am Freitag nahm nun auch der CSU-Stadtverband Stellung. Das Tischtuch scheint endgültig zerschnitten.

Dass Fellers Vorstoß bei der CSU, bei der er nach jetzigem Kenntnisstand nach wie vor Mitglied ist, auf Unverständnis stoßen wird, war abzusehen. Zwar bemühte sich der Amtsinhaber öffentlich um Versöhnung. „Meine politische Heimat ist und bleibt die CSU“, sagte Feller vor wenigen Wochen in einer ersten Stellungnahme, als er seine Entscheidung öffentlich gemacht hatte.

Fellers Entscheidung sorgte zunächst für Irritation auf Kreisebene

Doch schon kurze Zeit später kristallisiert sich heraus, dass das Verhältnis zu den Christsozialen künftig eher problematisch sein wird. Der CSU-Kreisverband reagierte irritiert und fand vor wenigen Tagen deutliche Worte. „Wenn jemand vor Ort gegen den CSU-Kandidaten antritt, ist das schon komisch“, sagte Tobias Ehrenfried, Chef der CSU-Kreistagsfraktion. Er legte Feller nahe, die Fraktion freiwillig zu verlassen.

CSU-Kreisvorsitzender Alexander Flierl äußerte, dass es grundsätzlich das Recht jedes Einzelnen sei, sich für öffentliche Ämter zur Verfügung zu stellen. Er fügte aber auch hinzu: „Für uns als CSU ist klar: Der vom Stadtverband nominierte Kandidat Andreas Wopperer wird mit ganzer Kraft unterstützt.“

CSU-Ortsverband veröffentlicht nun Stellungnahme

Der CSU-Ortsverband hatte sich bisher nicht ausführlich zu Fellers Entscheidung geäußert. Das sollte sich am Freitag ändern. Schwandorfs CSU-Ortsvorsitzender Christoph Götz, der stellvertretende CSU-Fraktionsvorsitzende im Stadtrat, Hans Sieß, sowie Neukirchens Ortsvorsitzender Stephan Mändl veröffentlichten eine gemeinsame Erklärung, um „einige Punkte“ richtigzustellen.

Darin rufen sie zunächst ins Gedächtnis, dass sich am 8. Mai die Delegierten der CSU-Ortsverbände in Schwandorf in einer offenen Abstimmung mit 80 Prozent für Bürgermeister Andreas Wopperer als Kandidaten für das Amt des Oberbürgermeisters entschieden hatten. „Dem amtierenden OB Andreas Feller wurde damit das Vertrauen entzogen“, erinnert CSU-Stadtverbandsvorsitzender Christoph Götz.

Und weiter: „Beide Kandidaten hatten vorher zugesagt, das Ergebnis zu akzeptieren. Dass Herr Feller dies nun nicht einhält, ist ein weiterer Vertrauensbruch und schadet dem demokratischen Miteinander in der CSU.“

Parteiverbleib Fellers sei mit Regeln der CSU „nicht vereinbar“

Ein Verbleib in der Partei bei gleichzeitiger Gegenkandidatur sei zudem mit den Regeln der CSU nicht vereinbar. Die klare Entscheidung der Delegierten habe ihre Gründe gehabt. „Herr Feller war schon lange kein Teamplayer mehr“, erklärt Hans Sieß, stellvertretender Fraktionsvorsitzender.

Der amtierende OB habe Entscheidungen immer häufiger allein getroffen, ohne Rücksprache mit der eigenen Fraktion, anderen Stadträten oder seinen Stellvertretern. „Selbst wichtige Themen wurden ohne vorherige Abstimmung in den Stadtrat eingebracht. Außerdem hat er kaum mehr an Fraktionssitzungen teilgenommen oder in der Fraktion aktiv mitgearbeitet“, so Sieß.

Herr Feller war schon lange kein Teamplayer mehr.

Hans Sieß, Stellvertretender Vorsitzender der CSU-Stadtratsfraktion

Auch die Amtsführung von Feller wird im Schreiben kritisiert, die nicht zuletzt unter den Stadtmitarbeitern für Unzufriedenheit sorge. Neukirchens CSU-Chef Mändl nennt hier unter anderem das Förderdebakel bei der Schwellenwerkunterführung, sowie „wiederholte Verstöße gegen Regeln und Gesetze“. Das alles würde deutlich zeigen, dass Feller nicht verantwortungsvoll gehandelt habe.

Schwandorfs OB strebt weiter gutes Verhältnis zu seiner CSU an

Der Schwandorfer CSU sei aus den genannten Gründen „leider nichts anderes“ übrig geblieben, als sich für diesen Weg zu entscheiden. Man stehe geschlossen hinter dem neuen Kandidaten Andreas Wopperer.

Oberbürgermeister Andreas Feller, der derzeit mit einer Stadtdelegation in Libourne weilt, war am Freitag für die MZ telefonisch erreichbar. Er nahm die Vorwürfe vonseiten des CSU-Ortsverbandes zur Kenntnis und blieb bei seiner bisherigen Stellungnahme. Ein gutes Verhältnis zur CSU – wie auch zu allen anderen demokratischen Kräften – liege ihm trotzdem weiter am Herzen, äußerte sich der Rathauschef diplomatisch.