Sanierungsstau bei Regensburger Wohnungen: Auf viele Eigentümer kommen hohe Kosten zu

Mehr als die Hälfte der Regensburger Wohnungen ist älter als 45 Jahre. Natürlich zählen dazu auch denkmalsanierte Altbauten, aber beim Großteil handelt es sich um Immobilien aus den 1960er und 1970er Jahren, deren Heizsysteme, Dächer und Leitungen saniert werden müssten. Auf die Eigentümer – und letztendlich auch auf die Mieter – rollt eine Kostenlawine zu.
Das Hannoveraner Pestel-Institut hat vor wenigen Tagen eine Studie dazu veröffentlicht. Dennach gibt es in Regensburg rund 93 500 Wohnungen. Davon seien 50 700 „mehr oder weniger reif für eine Sanierung“. Eine wichtige Rolle spielt der Energieverbrauch. „Je mehr Geld die Bewohner für Heizen und für warmes Wasser ausgeben müssen, desto höher ist der Druck, das Haus energetisch zu sanieren“, sagt Matthias Günther vom Pestel-Institut. Im Fokus der Untersuchung steht deshalb die durchschnittlich verbrauchte Energie pro Quadratmeter Wohnfläche.
Deutschland will bis 2045 klimaneutral sein, auch im Bereich Wohnen. „Die Regensburger müssen also bei den Sanierungen den Turbogang einschalten“, sagt Pestel-Geschäftsführer Matthias Günther.
Marode Tiefgarage
Für Haus- und Wohnungseigentümer bedeutet das, tief in die Tasche greifen zu müssen. Dach und Fassade müssen gedämmt, Fenster, Heizung und Leitungen erneuert werden. In der Baugenossenschaft der Wohnungseigentümer Isarstraße haben sich 1500 Immobilienbesitzer zusammengeschlossen. Die Häuser sind in der Regel 50 Jahre alt oder älter. Vorstand Matthias Roithmeier sagt dennoch: „Es ist eher die Ausnahme, dass saniert wird.“ Selten komme es bei einer Eigentümerversammlung zur Einigung. „Es wird repariert, was defekt ist.“ Wenn die alte Gasheizung kaputt ist, werde sie ersetzt. Nur eine Hausgemeinschaft habe sich bisher für eine energetische Gesamtsanierung entschieden.
Christian Janele wirkt im Stadtrat mit. Durch die Hände des Maklers gehen viele Immobilien, deshalb weiß er, wie teuer Sanierungen werden können. In einem Mehrfamilienhaus von 1972 mit etwa 60 Wohnungen Am Judenfeld im Stadtnorden kam es durch Rohrbrüche immer wieder zu Wasserschäden. Die Eigentümer entschlossen sich, die alten, verzinkten Rohre durch Edelstahl zu ersetzen. Ein Fachmann wurde eingeschaltet. Der Besitzer einer Zweizimmer-Wohnung habe verkaufen müssen, sagt Janele. Der Grund: Für die Maßnahme , die rund 3,5 Millionen Euro verschlang, sollte er anteilig rund 50 000 Euro bezahlen. „Das Bad muss aufgerissen werden. Die Leitungen in der Wohnung müssen neu verlegt werden“, sagt Janele. „Manche nehmen ein Darlehen auf, andere verkaufen lieber.“
Bei einem Mehrfamilienhaus in der Dornierstraße von Anfang der 70er Jahre mit fast 200 Wohnungen ist die Tiefgarage ein Sanierungsfall. Die Wohnungsbesitzer müssen für ihren Stellplatz 25 000 Euro aufbringen. „In den nächsten Jahren kommt etliches auf Eigentümergemeinschaften zu“, erwartet Janele. Die Leute kauften Immobilien, finanzierten sie über 20 oder 30 Jahre. „Dann hat man nicht zugleich gespart für eine Sanierung.“
Rechtsanwalt Burkhard Schmidt, stellvertretender Vorstand von Haus und Grund GmbH in Regensburg, beobachtet, dass die Mitglieder durchaus sanieren. Wer vermiete, könne die Kosten an die Mietparteien weiterreichen. Haus und Grund berät rund 4000 Mitglieder in Stadt und Region. Das sind Besitzer einer Wohnung, in der sie selbst leben, Hauseigentümer und Hausverwaltungen. Schmidt verweist auf die Auflagen des Gebäudeenergiegesetzes (GEG). Werden energetisch relevante Bauteile wie Fassade, Dach, Fenster, Heizung und Rohrleitungen saniert, muss das GEG beachtet werden.
Wer energetisch sanieren möchte, kann sich bei der Verbraucherzentrale Bayern Unterstützung holen.
Verbraucherzentrale berät
„Wir stehen für eine Erstberatung immer zur Verfügung“, sagt Fachmann Alexander Beer. Das ist kostenfrei. Die Berater von der Verbraucherzentrale kommen auch zum Kunden und schauen sich die Situation in Wohnung oder Haus an. Sie nehmen sich zwei Stunden Zeit und liefern einen Bericht. Hier beträgt der Eigenanteil des Kunden 40 Euro.
Die Fachleute beraten auch Wohnungseigentümer-Versammlungen. Das ist neu. Zunächst geht es um den Sanierungs-Fahrplan. Dann muss der Immobilienbesitzer herausfinden, welche Förderungen und vergünstigten Kredite möglich sind. Es folgt die Verpflichtung eines Handwerksbetriebs. Ein Energieeffizienzexperte des Bundes muss die Arbeiten begleiten.
Verband verlangt höhere Förderung
■ Studie: Das Pestel-Institut hat die Regional-Untersuchung zur Sanierung von Wohngebäuden im Auftrag des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB) gemacht, der natürlich ein Interesse daran hat, dass wieder mehr saniert und gebaut wird. Wegen der Energieeinsparung und Klimabilanz sind Sanierungen aber unabhängig davon wichtig.
■ Förderung: BDB-Präsidentin Katharina Metzger fordert finanziellen Rückenwind für Wohnungs- und Hauseigentümer, die energetisch sanieren. „ Das klappt nur, wenn die Politik mehr Anreize schafft.“
■ Verbraucherzentrale: Eva Traupe und Kollegen in Regensburg beraten dienstags zur energetischen Sanierung; Telefon 0941 / 516 04.