Neues Regensburger Parkhaus beim Alten Eisstadion soll den Domblick nicht ruinieren

Auf der Fläche beim Alten Eisstadion, die heute ein reiner Parkplatz ist, sollen künftig auch Autofahrer auf Rad, E-Scooter oder in den Regensburger Altstadtbus Emil umsteigen. Jedoch: Das neue Gebäude darf nicht mehr als zwei Stockwerke über die Nibelungenbrücke ragen.
Am Mittwochnachmittag hat sich der Parkplatz beim Alten Eisstadion gefüllt. Laufend kurven Autofahrer herum und suchen nach einer freien Fläche, darunter viele Touristen. Ein einsamer Nordic Walker marschiert Richtung Nibelungenbrücke. Autofrei ist nur das eingezäunte Rechteck, auf dem die Regensburger früher Schlittschuh gelaufen sind. Wo das Eisstadion lag, werden im zweiten Quartal 2026 die Bagger rollen: An der Nibelungenbrücke entsteht als Teil der nach wie vor umstrittenen Mobilitätsdrehscheibe ein Parkhaus mit 580 Stellplätzen. Ende 2027 soll es in Betrieb gehen. Die Regensburger können sich nun ein Bild davon machen, denn die aktualisierten Pläne liegen aus.
Ich hoffe, dass die Mobilitätsdrehscheibe funktioniert und Erfolg hat.
Alfons Swaczyna, früher Baudirektor der Stadt
Der sächsische Spezialist Goldbeck Ost, der auch eine Niederlassung in Regensburg betreibt, wird das Parkhaus in Systembauweise errichten – aus standardisierten, industriell gefertigten Elementen. Der Baukonzern hat bisher 1400 Parkhäuser hochgezogen. Die Konstruktion besteht aus Stahlstützen und Trägern. Die Decken und Rampen sind Fertigbetonplatten, die eingelegt werden.
Das Gebäude auf der Bodenplatte des früheren Eisstadions darf nicht mehr als zwei Etagen über die Nibelungenbrücke hinausragen. Es soll den Blick auf den Dom nicht stören. Der Modulbau wird sich im Süden 15 Meter erheben und im Norden an der Wöhrdstraße 16 Meter. Die Treppenhäuser sind einen Meter höher. Der Bauherr Stadtwerk spricht von einer sogenannten Splitlevel-Bauweise mit zehn Halbebenen.
Die Sichtachsen überprüft
Im Auftrag der Stadt hat der Münchner Stadtplaner Peter Eisenlauer die Sichtachsen überprüft. „Ich finde das Parkhaus unproblematisch“, sagt er. „Wenn man von Norden auf der Brücke fährt, sieht man es, danach nicht mehr. Es stört den Domblick nicht.“ Auf den Fassaden im Süden, Osten und Westen wird Grün sprießen. Das Dach wird Photovoltaik tragen.
Die Mobilitätsdrehscheibe umfasst insgesamt 1000 Parkplätze, ein Teil davon auf der Fläche, darunter auch 80 für Bewohner. Mobilitätsdrehscheibe nennt sich das Vorhaben, weil es den Autoverkehr, den kostenlosen Altstadtbus Emil, weitere Linien, Radverkehr und E-Scooter verknüpft. Am Unteren Wöhrd werden Autofahrer in den Bus oder auf das Fahrrad steigen. Services wie Lastenradverleih, Hotelshuttle, und 50 E-Ladepunkte ermöglichen vielfältige Fortbewegungsarten. Car- und Bike-Sharing sowie Fahrrad-Abstellanlagen stehen heute schon zur Verfügung. Die Mobilitätsdrehscheibe auf 22 000 Quadratmetern ersetzt öffentliche Parkplätze, die in der Altstadt wegen der Verkehrsberuhigung und Bauvorhaben weggefallen sind oder noch wegfallen. Für das Bayernmuseum am Donaumarkt sind 2014 rund 360 Parkplätze gewichen. Für den Hochwasserschutz in der Werftstraße verschwinden 50 Stellflächen, weitere für Verkehrsmaßnahmen in der Wöhrdstraße.
Was die Sichtachsen angeht, finde ich das Parkhaus unproblematisch.
Peter Eisenlauer, Stadtplaner
Der frühere städtische Baudirektor Alfons Swaczyna beobachtet die Stadtentwicklung mit großem Interesse. Aus seiner Sicht wäre der Untere Wöhrd ein idealer Standort für ein Kultur- und Kongresszentrum gewesen, das ja bekanntlich bei vier Bürgerentscheiden zu anderen Standorten scheiterte. Zur Donau hin hat er eine Grünanlage favorisiert. Doch inzwischen geht der Verkehrsplaner davon aus, dass die Mobilitätsdrehscheibe erfolgreich sein wird. „Ich denke, die Leute werden die Verknüpfung der Verkehre akzeptieren.“ Schließlich habe der Stadtrat viele Spezialisten dazu gehört. Swaczyna hofft, dass die eng mit der Mobilitätsdrehscheibe verbundene Verkehrsberuhigung der Altstadt keine Folgen für deren Wirtschaftskraft haben wird, wie es Regensburger Kaufleute befürchten.
Die Fläche am Unteren Wöhrd bleibt trotz des Projekts relativ grün. Die wertvolle Lindenallee am Donau-Ufer und einige geschützte Platanen auf der Parkplatzfläche dürfen nicht angetastet werden. Sieben mittelgroße Bäume werden gefällt, dafür aber mindestens zehn neu gepflanzt.
Winterhafen für Schiffe
Das Gelände hat eine abwechslungsreiche Geschichte erlebt: 1836 wurde die Bayerisch-Württembergische Donaudampfschifffahrtsgesellschaft gegründet. Zwei Jahre später lief das erste Dampfschiff vom Stapel. Im Winterhafen, der 1854 gebaut wurde, überstanden Schiffe die kalte Jahreszeit, ohne durch Treibeis oder starke Donauströmung beschädigt zu werden. Der Eisstadionbau begann 1966. Das Hafenbecken wurde ab 1968 aufgefüllt.
Das knappe Stadtratsvotum von Ende Juli zum Parkhausbau mit 28 zu 21 Stimmen zeigt, dass Verkehrsthemen in Regensburg ein Zankapfel bleiben werden. Die einen wollten gar kein Parkhaus, die anderen ein größeres und einige nur, damit die Verkehrsberuhigung der Altstadt gelingt.
Die große Hoffnung: Je besser die Regensburger die Mobilitätsdrehscheibe annehmen und dort umsteigen, desto schneller wird das Welterbe vom Verkehr entlastet und kann mehr Flaniermeilen bieten. Eine Studie des Deutschen Instituts für Urbanistik von 2025 zeigt: Wo sich Menschen gerne aufhalten, profitiert am Ende auch der Einzelhandel.
Im Web und im Stadtplanungsamt
Auslegung: Der Bebauungsplan und Flächennutzungsplan Mobilitätsdrehscheibe Unterer Wöhrd ist bis Donnerstag, 2. Oktober, unter regensburg.de/beteiligung-bebauungsplan-flaechennutzungsplan einzusehen. Auch liegen die Pläne im selben Zeitraum im Stadtplanungsamt, Neues Rathaus, aus (Zimmer 2.17). Öffnungszeiten: Montag bis Mittwoch von 8.30 bis 12 und 14 bis 16 Uhr, Donnerstag von 8.30 bis 13 und von 15 bis 17.30 Uhr.
Mitsprache: Während der Beteiligung können sich die Regensburger äußern oder Stellungnahmen abgeben. Die Beiträge werden von der Stadtverwaltung geprüft und dem Stadtrat zur Kenntnis gegeben oder zur Abwägung vorgelegt.