So war unser Start in die Schule: Neunburger blicken auf ihren ersten Schultag zurück

Von Jan Lange · 12. September 2025 um 05:00

Wenn für mehr als 70 Erstklässler aus Neunburg nächste Woche die Schulzeit beginnt, kommen auch bei manchem Neunburger Erinnerungen an den eigenen Schulstart hoch. Immerhin 56 Jahre liegt der bei Martin Scharf zurück, Johannes Steidl wurde seinerseits vor 30 Jahren eingeschult. Manches hat bis heute Bestand, manches hat sich aber auch verändert.

Mit einer Einschulungsfeier werden an den meisten Grundschulen die Erstklässler heutzutage begrüßt. 1969, als Martin Scharf in die erste Klasse kam, sei das nicht so gewesen, erinnert sich der jetzige Landtagsabgeordnete der Freien Wähler. Er sei allein in die Schule gegangen, die Schultüte stolz auf dem Arm.

Martin Scharf ist heute Landtagsabgeordneter. - Foto: smx

Die Grundschule befand sich auch damals schon an der Ledererstraße, wo auch heute noch die ersten bis vierten Klassen unterrichtet werden. „Soweit ich mich erinnern kann, habe ich mich auf meinen ersten Schultag sehr gefreut“, blickt Martin Scharf zurück. „Ich konnte bereits ein wenig rechnen und kannte das Alphabet – das neue Abenteuer Schule konnte also losgehen.“

Spielgefährten verloren

Gleichzeitig sei er aber auch ein bisschen traurig gewesen – und seine Schwester, mit der er bis dahin sehr viel Zeit verbracht hatte, war es ebenso. Denn sie verlor mit seinem Schulstart ihren täglichen Spielgefährten – das sei für beide eine Umstellung gewesen.

Martin Scharf hatte aber nicht nur die Grundschule an der Ledererstraße besucht. Auch im Gerhardinger-Kloster und in der Katzdorfer Straße habe er die Schulbank gedrückt. Selbst im Feuerwehrhaus seien die Grundschüler für einige Zeit untergebracht gewesen, erinnert sich der Landes- und Kommunalpolitiker. Heute gibt es dort keine Grundschulen mehr – im Therese-Gerhardinger-Haus befindet sich eine Kindertagesstätte und an der Katzdorfer Straße sind die Real- und Mittelschule zu finden.

Mit der Grundschule Ledererstraße schließt sich aber ein Kreis: Martin Scharf saß dort hinter der Schulbank, seine Frau Petra ist heute in dieser Einrichtung Lehrerin.

Viele neue Gesichter

Auch Neunburgs Museumsleiter Johannes Steidl besuchte die Grundschule an der Ledererstraße. Vor genau 30 Jahren, im September 1995, wurde er dort eingeschult. Etwa 25 Kinder habe die erste Klasse damals gezählt, berichtet Steidl. „Ich kann mich noch gut erinnern an den ersten Tag mit der Schultüte im Klassenzimmer bei unserer Klassenleiterin Frau Brunner, den Freunden, die einen aus dem Kindergarten begleitet haben, aber auch vielen neuen Gesichtern.“

Auch er besuchte ab 1995 die Grundschule an der Ledererstraße: Johannes Steidl. - Foto: Steidl
Johannes Steidl leitet Neunburgs Museum. - Foto: Jan Lange

Eine besondere Freude sei es ihm, dass sein Architekturbüro die Neunburger Grundschule in den vergangenen Jahren sanieren, erweitern und nach den Ideen der „Offenen Lernlandschaft“ umbauen durfte. „Im Blick zurück wurde beim Umbau manch Erinnerung an Unterricht und Pausen wieder wach, nach vorne geblickt, freut es einen, unseren Neunburger Lehr- und Lernort mitgestaltet und diesen fit für die Zukunft gemacht zu haben“, sagt Steidl.

Nach dem ersten Tag gings in ein Foto-Studio

Auch schon eine Weile liegt der Schulstart bei Martin Birner zurück: Neunburgs Bürgermeister wurde im September 1977 eingeschult. Sein Weg in die Grundschule Ledererstraße war kurz – sein Elternhaus befand sich nämlich in der Nachbarschaft der Schule. Relativ kurz fiel auch der erste Schultag aus, erinnert sich der Rathauschef. Seine Eltern hatten ihn in die Schule gebracht – und dann auch recht bald wieder abgeholt. „Wir sind dann zu Foto Schaffer in der Vorstadt gegangen, wo das Bild mit der Schultüte entstanden ist. Das Studio befand sich gegenüber der Apotheke“, blickt Birner auf seinen ersten Schultag zurück. Anschließend ging es nach Hause zum Mittagessen. „Wenn ich mich richtig erinnere, gab es Schnitzel mit Pommes. Als Kind habe ich gern Pommes gegessen.“

Kurz war der Schulweg für Martin Birner: Er wohnte neben der Schule. - Foto: Birner
Seit 2011 an der Spitze des Rathauses: Martin Birner - Foto: Jan Lange

Dass der Schuleintritt groß gefeiert wurde – wie heute üblich – sei damals nicht der Fall gewesen. Stattdessen habe die Familie bei Schreibwaren Flierl die notwendigen Schulsachen eingekauft. Auch das ist sicherlich ein Unterschied zu heute, wo Eltern meist schon Monate im Voraus Stifte, Hefte und anderes mehr für ihren Erstklässler besorgen.

Zuhause seien die Utensilien beschriftet und die Bücher eingebunden worden. „Da war ich natürlich ganz eifrig“, denkt der Bürgermeister an damals zurück.

25 Kinder in der ersten Klasse

Während Martin Scharf, Johannes Steidl und Martin Birner in der Grundschule an der Ledererstraße eingeschult wurden, besuchte Neunburgs Stadtpfarrer Stefan Wagner ab September 1985 die Grundschule Bernhardswald. Mit ihm waren damals 25 Kinder in der ersten Klasse. „Der erste Schultag lief ohne großes Brimborium ab. Ich ging mit meiner Mutter am Morgen zur Schule, die nicht weit entfernt war“, erzählt der katholische Seelsorger. „Weil ich zu den kleineren Kindern gehörte, durfte ich vorne sitzen.“

In Bernhardswald eingeschult: Stefan Wagner war dort noch im alten Schulhaus. - Foto: Wagner

In Bernhardswald habe es damals noch das alte Schulhaus mitten im Dorf mit zwei Klassen im Erdgeschoss und zwei Klassen im ersten Stock gegeben, so Wagner. Erst später sei ein neues, größeres Schulhaus gebaut worden. „In meiner Schultüte waren ein paar Süßigkeiten, Stifte und andere Kleinigkeiten für die Schule und ein Kinder-Lexikon.“ Seine Schultüte hat er immer noch, berichtet der Pfarrer. Sie hat in seinem Büro einen Ehrenplatz.

Stefan Wagner ist katholischer Stadtpfarrer. - Foto: Monika Steffens