Geheime Einblicke und neue Perspektiven: Regensburger Denkmäler öffnen ihre Tore

Von Hannah Sturm · 11. September 2025 um 11:00

Am 14. September lädt Regensburg wieder zum Tag des offenen Denkmals ein - dieses Jahr unter dem Motto „Wert-voll: Überlieferung und Zeitzeugnisse“. Der bundesweite Aktionstag, ausgerufen von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, findet in heuer jedoch nicht nur unter diesem Motto statt, sondern auch im Zeichen eines Jubiläums: 50 Jahre Europäisches Denkmalschutzjahr.

In Regensburg, dessen Altstadt selbst Unesco-Weltkulturerbe ist, öffnen zahlreiche Denkmäler ihre Tore. Die Stadt bietet zum Aktionstag ein vielfältiges Programm, das von der Altstadt über Stadtamhof bis hin zu Außenstationen reicht. „Das Motto Wert-voll zeigt sich in den verschiedenen Themenbereichen“, erklärt Dr. Maximilian Fritsch, Koordinator der Veranstaltung vom Regensburger Amt für kulturelles Erbe. So sind beispielsweise Aktionen in den Bereichen Bildungswerte, Werte des Mittelalters und Zeugniswerte zwischen Regensburg und Bayern Teil des Programms.

Blick hinter die Kulissen der königlichen Villa in Regensburg

„Auch in den Führungen wird besonders auf den Wertebegriff eingegangen“, so Fritsch weiter. „Es werden einige Führungen durch Denkmäler angeboten, die sonst nicht zur Besichtigung offenstehen.“ Dazu gehört auch ein Rundgang durch die königliche Villa im Osten der Altstadt. Der Neugotik-Bau, errichtet mit Aussicht auf den Regensburger Dom, Altstadt und Walhalla, sei ein Gesamterlebnis, bei dem das Zusammenspiel von Innen und Außen zur Geltung kommen würde, sagt Fritsch. Auch die „Geheimtreppe“, ein Verbindungsgang im Inneren des Gebäudes, solle man sich nicht entgehen lassen.

Zum ersten Mal im Programm ist eine Führung durch den historischen Keller der Spiegelgasse 10, in dem sich heute die Augustiner-Fassbar befindet. Den Raum würde man normalerweise auch nicht so oft zu sehen bekommen, meint Fritsch: „Zumindest nicht unter dem architektonischen Aspekt.“

Führungen durch das Stadtarchiv, die Fürst Thurn und Taxis Hofbibliothek und das zugehörige Zentralarchiv werden sogar in Gebärdensprache begleitet, so Fritsch. Somit wolle man das Angebot am Tag des offenen Denkmals möglichst für alle eröffnen. Auch das Akuso Forum am Haidplatz bietet Vorführungen und zwei Rundgänge an.

Regensburg interaktiv entdecken

Neben klassischen Architekturführungen und -besichtigungen sind interaktive und kreative Aktionen Teil des Programms. So auch der Workshop „Urban Sketching meets Donaulimes“, der dem römischen Kulturerbe in Regensburg einen künstlerischen Zugang bieten soll. Für den historischen und archäologischen Teil der Aktion ist Limeskoordinatorin Dr. Veronika Fischer zuständig. Sie wird den Teilnehmenden eine kurze Einführung zum Donaulimes und dem ehemaligen römischen Legionslager in Regensburg geben – „so als kleiner Wissenssnack vor dem Zeichenkurs“, erklärt sie. „Wir möchten mit der Kombination eine andere Zielgruppe erreichen, also die Leute, die sonst nicht an der typischen Stadtführung teilnehmen“, so Fischer.

Die Grundidee des Urban Sketching ist nicht das künstlerische Ergebnis, sondern die Auseinandersetzung mit der Vorort-Situation.

Josef Lermer, Koordinator der Regensburger Urban Sketchers

Künstlerisch wird der Workshop von der Regensburger Gruppe der Urban Sketchers begleitet. Die offene Community aus rund 35 Zeichenbegeisterten trifft sich seit drei Jahren regelmäßig, einmal im Monat, immer an anderen Orten in der Stadt. Mitmachen kann jeder, ganz ohne Vorkenntnisse. Das Altersspektrum reicht von etwa 20 bis 70 Jahren, was die Gruppe besonders bunt und vielfältig mache, so Leonie von Riesen, Mitglied der Sketchers.

„Die Grundidee des Urban Sketching ist nicht das künstlerische Ergebnis, sondern die Auseinandersetzung mit der Vorort-Situation“, sagt Josef Lermer, Koordinator der Gruppe. Am Denkmaltag sind fünf Mitglieder dabei, geben Tipps und helfen den Teilnehmern dabei, Motive zu finden. Besonders spannend ist laut Leonie von Riesen, die durch den Workshop vor einem Jahr zum Sketching kam, aber das Ende: „Da legt man dann alle Skizzenbücher zusammen und sieht, wie jeder eine ganz andere Perspektive oder ein ganz anderes Detail gezeichnet hat, das einem selbst gar nicht aufgfallen wäre.“ Das sei vor allem interessant, weil man ja eigentlich am gleichen Ort sitzt, jeder aber auf etwas anderes Wert legt.

Die Sketches des Workshops aus dem letzten Jahr - Foto: Leonie von Riesen

Am Denkmaltag sind die Urban Sketchers zusätzlich mit einem Infotisch vertreten. Dort gibt es Einblicke in das ein oder andere Skizzenbuch, Gespräche mit den Künstlern - und wer neugierig ist, kann sich direkt über die Gruppe informieren oder beim nächsten Treffen einfach selbst mitzeichnen.

Der Urban Sketching Workshop findet am Sonntag jeweils um 11 und 13 Uhr statt, Treffpunkt ist im Besucherzentrum Welterbe an der Steinernen Brücke. Das Zeichenmaterial wird gestellt, jedoch ist eine Anmeldung bis zum Vortag unter Besucherzentrum.Welterbe@Regensburg.de notwendig. Weitere Infomationen über den Tag des offenen Denkmals und das Programm finden Sie unter www.regensburg.de/welterbe.