Archäologen stoßen in der Regensburger Bahnhofsallee auf ein römisches Haus

Bei der Brunnensanierung im Regensburger Fürst-Anselm-Park stoßen Archäologen auf antike Gebäudemauern. Vielleicht handelt es sich um ein Landgut. Die Südgrenze des Legionslagers Castra Regina lag unweit der Grabungsstelle. Hat die Villa Rustica Lebensmittel geliefert?
Erst im August hat die Sanierung der beiden seit Jahren nicht mehr sprudelnden Springbrunnen im Fürst-Anselm-Park begonnen. Doch weit gekommen sind die Fachleute des Gartenamts noch nicht. Denn gegenwärtig graben die Archäologen. Das historisch bedeutsame Gelände beim Obelisken ist weiträumig mit einem Bauzaun abgeriegelt. Passanten müssen auf den Gehweg an der Albertstraße ausweichen.
Bei Baggerarbeiten sind nun Überreste eines römischen Hauses entdeckt worden. Die Nutzung konnte noch nicht genau geklärt werden. „Es könnte sich um die Reste einer bisher unbekannten, lagernahen Villa Rustica handeln oder vielleicht um ein Gebäude im Friedhofskontext, die mit bereits bekannten, unweit südlich gelegenen Brandgräbern in Zusammenhang stehen könnten“, sagt eine Archäologin der Unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt. Mit „lagernah“ ist die Nähe zum römischen Legionslager Castra Regina gemeint, dessen Südgrenze unweit der Ausgrabungsstelle verlief. Derzeit laufen weitere Untersuchungen.
Versorger von Castra Regina?
Bei einer Villa Rustica handelt es sich um einen landwirtschaftlichen Gutshof mit Herrenhaus und zum Teil prächtiger Ausstattung. In Bad Abbach etwa wurden Überreste so eines Landgut mit römischem Bad entdeckt. Es hat das Legionslager Castra Regina versorgt.
Die Archäologen gehen davon aus, dass durch die Ausgrabungen neue Erkenntnisse über die römische Besiedlung im südlichen Umfeld von Castra Regina gewonnen werden können.
Die städtische Denkmalschutzbehörde hat unter Absprache mit dem Landesamt für Denkmalpflege eine archäologische Begleitung der Brunnensanierung angeordnet, weil aus dem Umfeld mehrere römische Streufunde bekannt waren. „Zudem liegen die Überreste des Gebäudes in unmittelbarer Nähe zu mehreren Bodendenkmälern“, sagt Stadtsprecherin Juliane von Roenne-Styra. Als Streufund bezeichnet man Einzelstücke, die aufgelesen werden. Die Archäologen hatten vor allem Bestattungen aus der römischen Kaiserzeit erwartet. „Mit einem Gebäude hat man an dieser Stelle nicht gerechnet“, heißt es aus der Stadt.
Wegen technischer Mängel sind die beiden Brunnen beim Obelisken seit Jahren außer Betrieb. Die Betonbecken aus den 1960er Jahren waren stark beschädigt. Im Oktober beschlossen die zuständigen Ausschüsse des Stadtrats, die Brunnen zu sanieren und um sie herum eine offene Fläche anlegen zu lassen. Die elliptische Platzform beim Obelisken aus dem 19. Jahrhundert, die sich erhalten hat, soll wieder herausgearbeitet werden.
Die Technik und die Betonbecken mit ihren Rissen und Abplatzungen werden komplett zurückgebaut und wiederhergestellt. Die Regensburger sollen sich wieder gerne auf dem Platz aufhalten.
Kriminelle ausbremsen
Durch die Verdunstung werden die Springbrunnen für Abkühlung und ein besseres Mikroklima sorgen. Die Sicherheit in dem Kriminalitäts-Hotspot soll sich verbessern. Durch zugewachsene Sichtachsen sind Räume entstanden, die etwa Drogendealer, Diebe oder aggressive Zeitgenossen vor Blicken schützen. Die Sichtachsen werden wieder geschaffen. Künftig soll in der Fürst-Anselm-Allee sogar getanzt werden: auf einer neu geschaffenen Fläche zwischen dem östlichen Brunnen und dem Obelisken. Die Gesamtkosten liegen bei rund 475 000 Euro.
Voraussichtlich sind die weiteren Planungen und Bauabschnitte nicht gefährdet.
Juliane von Roenne-Styra, Stadtsprecherin
Die Ausgrabungen werden den Abschluss der Arbeiten bis Ende des Jahres nicht verzögern, ist Sprecherin von Roenne-Styra überzeugt. Da man vor einer archäologischen Ausgrabung nie sicher voraussagen könne, wie umfangreich die Funde und Befunde sein würden und wie das Wetter mitspiele, wurde ein Zeitpuffer eingeplant. „Voraussichtlich sind die weiteren Bauabschnitte und Planungen nicht gefährdet.“
Raimund Schoberer vom Bund Naturschutz begrüßt alle Maßnahmen zur Verbesserung der Grünanlagen, weil diese wichtig für das Stadtklima sind. Schließlich war Regensburg Schlusslicht beim Hitze-Check der Deutschen Umwelthilfe. Zugleich fordert er, aktuelle Bebauungspläne zu überdenken, die das Grün einschränken.
Park mit Geschichte
Fürst-Anselm-Allee: Den Grüngürtel ließ Fürst Carl Anselm von Thurn und Taxis zwischen 1779 und 1781 anlegen. Es ist eine Baumallee im Stil englischer Landschaftsgärten.
Baudenkmal: Die Fürst-Anselm-Allee steht unter Naturschutz und Denkmalschutz. Noch strecken sich dort Bäume aus der Gründungszeit gen Himmel. Der heute noch hochragende Obelisk von 1806 erinnert an Carl Anselm von Thurn und Taxis. In der Parkmitte erhob sich ab 1804 die Theresienruh, ein klassizistisches Gartenpalais, das Kaspar Maria von Sternberg erbaute. 1806 erwarb Karl Alexander von Thurn und Taxis das Gebäude für seine Ehefrau Therese als Privathaus. 1949 wurde es wegen Bombenschäden abgerissen.