Riesiges illegales Jahn-Graffiti auf Haus in Regensburg: „Das ist eine Katastrophe“

Von Benedikt Baumgartner, Jürgen Scharf · 9. September 2025 um 11:45

Zum zweiten Mal in wenigen Tagen wird gemalert auf den Dächern eines großen Wohngebäudes in der Kirchmeierstraße. Einige Tage lang thronte der SSV Jahn Regensburg hoch oben über den Dächern der Stadt. Zumindest die drei Initialen des Vereinsnamens. Der Hauseigentümer zeigte sich schockiert. Er reagierte entsprechend rasch. Zwei Maler übertünchten die drei Buchstaben am Dienstagvormittag wieder mit weißer Farbe.

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Das Logo des SSV Jahn ist in der Stadt und darüber hinaus an schier unzähligen Orten zu sehen. Auf Aufklebern an Ampeln oder auf Autos, auch auf Graffitis an allen möglichen Orten. Seit jeher scheiden sich daran die Geister. Die einen bewerten es einfach als visuellen Ausdruck der großen Liebe zum Klub, für andere ist es Sachbeschädigung und Verschandelung der Umwelt.

Stand jetzt wird dafür auch keine Versicherung aufkommen.

Olaf Frei, Vonovia-Sprecher

Für die Eigentümer des Hauses in der Kirchmeierstraße, das Unternehmen Vonovia, ist das Riesen-Graffiti aber nichts anderes als Vandalismus, wie Sprecher Olaf Frei auf Anfrage mitteilt. Dementsprechend hat das Unternehmen am Montag Strafanzeige wegen Sachbeschädigung gegen Unbekannt gestellt. Wie hoch die Kosten ausfallen, um das Graffiti wieder zu beseitigen, ist noch unklar. „Stand jetzt wird dafür auch keine Versicherung aufkommen“, sagt Frei.

Da waren's nur noch zwei: Der SSV-Schriftzug wurde am Dienstagvormittag rasch übermalt. - Foto: Benedikt Baumgartner

Den neuen Anstrich brachten betriebseigene Handwerker an: „Letztlich ist das dann natürlich aber auch sehr viel Arbeitszeit, für die wir im Endeffekt bezahlen.“ Um 9.30 Uhr begannen die Malerarbeiten, mittags war von dem SSV-Graffiti nur noch ein schwacher Schimmer hinter der frischen weißen Farbe zu erahnen.

Die Konzernzentrale von Vonovia liegt in Bochum. Das Unternehmen ist dort auch Hauptsponsor des Fußball-Zweitligisten VfL Bochum: „Fehlende Fußballliebe kann uns also niemand nachsagen“, sagte Frei. „Bei Sachbeschädigung ist dann allerdings ganz klar eine Grenze überschritten.“

Hausbewohner findet's „kindisch“

Einigen Bewohnern des Hauses hat das kurzzeitige Kunstwerk auf dem Dach ebenfalls ganz und gar nicht behagt. „In erster Linie einfach kindisch“ finde er das Ganze, sagt ein Mann, der gerade zur Haustür schlendert. Seine Hoffnung, dass die Täter ermittelt werden können, geht derweil gegen Null: „Außer, die haben jetzt ein Monogramm hinterlassen, das zu ihnen führt. Aber das glaub ich eher mal nicht.“

Ein Frau, die gerade mit ihrem Auto in der Einfahrt zur Tiefgarage steht, bezeichnet das Ganze schlichtweg als „eine Katastrophe“. Witzig sei das nämlich überhaupt nicht. Und sie habe schon eine Ahnung, wer die Entfernung des Jahn-Logos am Ende bezahlen wird: „Das wird doch sicher auf uns Bewohner umgelegt.“

Wie kam der Täter aufs Dach?

Einige der Menschen, die in den drei Häusern wohnen, fragen sich insbesondere eins: Wie kamen die Täter überhaupt da oben auf das Dach. Das sei doch immer alles abgesperrt, sagt ein Mann. Nach MZ-Informationen haben nur Rettungsdienste wie etwa die Feuerwehr und Wartungsfirmen einen Schlüssel, um über die abgeschlossenen Dachluken nach oben zu kommen. „Wir werden die Handwerksfirmen, die hier Zugang haben, abfragen“, sagt Vonovia-Sprecher Frei. Die Schließzylinder der Dachluken werden auf jeden Fall ausgetauscht.

Nicht die erste Aufruhr um SSV-Graffiti

Ob das Rätsel, wer das Graffiti angebracht hat und wie er aufs Dach gekommen ist, je gelöst werden kann, ist unklar. Manchmal stellen sich Graffiti-Sprüher quasi selbst ein Bein, indem sie Videos ihrer Taten im Internet posten, um sich damit zu brüsten. In manchen Fällen kam die Polizei so auf die Spur der Täter.

Zuletzt sorgte vor fast genau einem Jahr ein Graffiti in Regensburg für Aufsehen, als unbekannte Täter ein Schild über der A93 mit riesigen „SSV Jahn“-Lettern besprühten. „Das ist auf jeden Fall sehr gefährlich, weil es die Autofahrer ablenkt. Von der strafbaren Sachbeschädigung einmal abgesehen“, sagte damals ein Sprecher der Autobahn GmbH.

Verein distanziert sich

Ein Sprecher des SSV Jahn sagt zum Vorfall in der Kirchmeierstraße, dass der Verein „weder Urheber ist noch genehmigt oder nutzt er Gestaltungselemente dieser Art“. Der SSV Jahn verurteile im Gegenteil grundsätzlich jede Form von Vandalismus und distanziere sich auch im Fall des Graffitis an dem Wohngebäude in der Kirchmeierstraße davon, dass im öffentlichen Raum Schäden verursacht werde: „Der Verein befindet sich im regelmäßigen und konstruktiven Austausch mit seinen Fans. Bei derartigen Gelegenheiten wird auch für Themen wie Vandalismus sensibilisiert.“

Der Vorfall in der Kirchmeierstraße werde in den anstehenden Dialog einfließen: „Da eine klare Zuweisung zu einzelnen Fans oder auch einer einzelnen Gruppierung jedoch nicht gesichert möglich ist, sind allgemeine Dialogformate mit der aktiven Fanszene und den Fanclubs weiterhin das präventive Mittel der Wahl.“ Der aktuelle Auslöser der Diskussion war am Dienstag schnell getilgt. An die Schmiererei erinnern nur noch weiße Wände, die heller strahlen als die restliche Fassade.