Jahn-Aufkleber verschandeln Regensburg
Der SSV Jahn Regensburg ist zu einem Aushängeschild Regensburgs geworden, sozusagen eine Zierde der Stadt. Die Begeisterung der Fans über den Verein zieht aber auch eine Art Hobby nach sich, das die Zierde geradezu ins Gegenteil verkehrt: Nahezu flächendeckend sind in der Stadt Pfosten, Ampelmasten, Verkehrsschilder und Dachrinnen mit Jahn-Aufklebern zugepflastert. Das ist weder ästhetisch ein Gewinn, noch erlaubt. Viele Bürger und Besucher der Stadt sehen darin ein Ärgernis, eine strafbare Sachbeschädigung ist das obendrein.
In sechs Metern Höhe – wie geht das?
Ein Regensburger Geschäftsmann, der nicht genannt werden möchte, echauffiert sich schon länger mächtig über die Aufkleberei. Es sind nicht ausschließlich Jahn-Sticker, die allüberall zu sehen sind, aber sie befinden sich massiv in der Überzahl. Grob geschätzt acht bis neun von zehn Aufklebern bejubeln den Jahn. Es ist erstaunlich, welche Auswüchse die Beklebungen annehmen. An einer Dachrinne in der Rote-Hahnen-Gasse klebt in geschätzt sechs Metern Höhe ein Sticker – völlig rätselhaft, wie jemand dort hochgekommen ist. Drunter ist diese Rinne sauber, weil der Eigentümer sie mit Vaseline einschmiert, damit nichts kleben bleibt.
Eine Ausnahme. Wer mit offenen Augen durch die Stadt geht, findet so gut wie keine Dachrinne, Metallstange, keinen Stromverteilerkasten, die nicht mit Stickern übersät sind. Selbst auf Tütenspendern für Hundekot oder Abluftschächten prangt das Jahn-Logo in verschiedenen Formen. Hauptsache, es gibt eine Oberfläche aus Metall oder Kunststoff, worauf die Aufkleber haften.
Erstaunlich auch, wie viele Varianten es dabei gibt und wer damit seinen Heimatstolz zudem kundtun muss: Jahn-Aufkleber von Fangruppen aus Wenzenbach, Zeitlarn, Tegernheim, Ostenviertel, Harting, Konradsiedlung, Nabburg, Burglengenfeld, Pielenhofen, Cham, bis hin zur Schweiz sind jederzeit zu finden. Dazu kommen all die Signets der Jahn-Ultras, gerne auch in stattlichen Größen.
Der Geschäftsinhaber ist empört. Schmuddelig, heruntergekommen sehe das aus, jedenfalls einer Welterbe-Stadt unwürdig. Es falle ja auf, wenn mal an einer Dachrinne nichts klebt. Und er kann kaum glauben, dass es in anderen Städten auch so übel aussieht.
Die Stadt selbst weiß sich offenbar nicht so recht zu helfen. Die Aufkleber seien ein Ärgernis, sagt Pressesprecherin Juliane von Roenne-Styra. Manchmal klebten die Sticker auch an sicherheitsrelevanten Stellen. Roenne-Styra erinnert sich an die Beleuchtung des Behelfsstegs, als das Pflaster der Steinernen Brücke erneuert wurde. Da verdunkelten die Aufkleber die Lampen. Es sind auch schon Verkehrsschilder gesichtet worden, deren Bedeutung wegen der bunten Logos kaum noch zu erkennen war. Doch die Stadt schicke keine Reinigungstrupps los, denn: Kaum seien die Aufkleber entfernt, klebe schon wieder alles voll.
Grundsätzlich ist das Bekleben laut Stadt eine Sachbeschädigung. Sicher ist, der Täter macht sich strafbar. Nicht sicher ist, ob jemals jemand erwischt worden ist. Bei Graffitis ist das ein wenig anders, hier wird bisweilen jemand auf frischer Tat ertappt. In der Simadergasse prangt ein silbernes SSV-Logo in gewaltiger Größe, mindestens zwei Meter breit.
Der Verein SSV Jahn macht bei dem Thema auch nicht den Eindruck, als könnte er mit maximaler Vehemenz den Klebeaktionen entgegentreten. Pressesprecher Johannes Liedl erklärt, der Verein sei weder Urheber noch genehmige oder nutze er Aufkleber dieser Art. „Der SSV Jahn verurteilt grundsätzlich jede Form von Vandalismus und distanziert sich auch im konkreten Fall davon, dass hier im öffentlichen Raum unrechtmäßig Schäden verursacht werden.“
Unbekannte Übeltäter
Laut Liedl tausche sich der Verein „regelmäßig und konstruktiv“ mit seinen Fans aus. Bei derartigen Gelegenheiten werde auch für Themen wie Vandalismus sensibilisiert. Allerdings: „Eine klare Zuweisung bzw. eine eindeutige Erkenntnis über den genannten Personenkreis ist nicht möglich.“ Man weiß schlicht nicht, wer die Übeltäter sind.
So hat sich eine gewisse Resignation breit gemacht. Vereinzelt greifen Geschäftsleute zu Kunstrasen und wickeln ihn um die Masten von Verkehrszeichen vor ihren Läden. Zu sehen ist das in der Goliathstraße und in der Ludwigstraße. Aber bei den meisten beklebten Objekten haben die Verantwortlichen – ob Stadt oder private Besitzer – resigniert, sie von den Aufklebern zu befreien.
Wo soll der sanktionsfreie Klebe-Wildwuchs enden?, fragt sich der Geschäftsmann. Da könnte auch jeder für sein Lokal oder für seinen Laden munter Sticker kleben. Viel schlimmer würde das dann auch nicht aussehen. Tatsächlich findet man bereits vereinzelt Aufkleber von Gaststätten.