Tag des offenen Denkmals in Regensburg: Programm steht unter dem Motto „Wert-voll“

Unter dem Motto „Wert-voll“ steht der diesjährige Tag des offenen Denkmals in Regensburg am Sonntag, 14. September. Der Bindestrich soll zum Nachdenken anregen, erklärt Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer: „Bei diesem Motto wird oft an Schätze gedacht, wie Gold oder den wertvollen Teil eines Gebäudes.“ Doch es gehe um mehr: Werte seien nicht nur materiell. Viele der Regensburger Bauwerke seien durch ihren immateriellen Wert bedeutend – „greifbar, echt und unersetzlich“, so die Oberbürgermeisterin.
56 Angebote laden in diesem Jahr dazu ein, Regensburgs Denkmäler zu entdecken. Es gelingt niemandem, alle Orte zu besuchen, sagt Maltz-Schwarzfischer. Die Veranstaltungen widmen sich unterschiedlichen Schwerpunkten, etwa „Wertvolle Gastlichkeit“, „Werte des Mittelalters: Bürgerhäuser zwischen Wahlenwacht und Altem Kornmarkt“ oder „Bildungswerte“. Für jeden Geschmack sei etwas dabei.
Ein Glanzlicht sei unter anderem der Wohnturm in der Kapellengasse 2. Die romantische Fassade mit ihren Rundbogenfenstern ist bis heute erhalten, das Gebäude stammt aus der Zeit um 1196. „Unglaublich“, sagt Maltz-Schwarzfischer. Oder die Mädchenrealschule Niedermünster aus dem Bereich „Bildungswerte“. Dort wurde bereits im 19. Jahrhundert Mädchenbildung ermöglicht – was zu dieser Zeit nicht selbstverständlich war, erinnert die Oberbürgermeisterin.
„Regensburg ist voll von Schätzen“, kehrt Kulturreferent Wolfgang Dersch das diesjährige Motto um. Für ihn sei es besonders wichtig, dass beim Tag des offenen Denkmals nicht nur bauliche Werte, sondern auch die kulturelle Nutzung historischer Gebäude sichtbar werde – etwa beim Ostentorkino oder dem Velodrom, zwei Kulturorte mit Geschichte.
Forschung in der Magdalenenkapelle von St. Emmeram abgeschlossen
Der Schwerpunkt des Programms liegt auch in diesem Jahr wieder in der Altstadt. Doch man habe sich wieder bewusst bemüht, auch Denkmäler außerhalb des Zentrums einzubeziehen, sagt Dr. Eugen Trapp, Abteilungsleiter für Denkmalschutz. Auch ein Sonderprogramm gibt es: „Geschriebene Überlieferungen“. Hier erhalten Besucher seltene Einblicke in mehrere Archive: das Stadtarchiv, das Zentralarchiv des Fürstlichen Hauses, das Zentralarchiv des Bistums Regensburg sowie in das Spitalarchiv. Im Spitalarchiv etwa wird eine Einführung in die Paläographie geboten – dabei lernen Besucher, wie alte Texte transkribiert werden. Im Stadtarchiv wiederum steht die Kunst der Kalligraphie im Mittelpunkt.
Bereits im vergangenen Jahr konnte die Magdalenenkapelle von St. Emmeram im Rahmen des Denkmaltags besichtigt werden, sagt Trapp. Nun gibt es neue Erkenntnisse: Die Technische Universität München hat ihre Forschungen zu den mittelalterlichen Wandmalereien abgeschlossen und wird die Ergebnisse vorstellen. Einen vertieften Einblick bietet ein Forschungskolloquium am Vortag, 13. September, im Großen Runtingersaal.
Viele der Denkmäler befinden sich in Privatbesitz
Auch für Familien und Kinder ist beim Tag des offenen Denkmals etwas geboten. Neben einer Führung gibt es eine Rallye durch die Stadt mit der Frage: „Was ist wertvoll – und was wertlos?“, sagt Trapp. Besonderes Augenmerk liegt auch auf der Barrierefreiheit: 13 Denkmäler sind in diesem Jahr rollstuhlgerecht zugänglich. Bei der Führung „Schlicht und Klarheit – die einzigartige Architektur der Neupfarrkirche“ ist eine Induktionsanlage vorhanden. Im Stadtarchiv und im Zentralarchiv des Fürstlichen Hauses werden Führungen mit Gebärdensprachbegleitung angeboten.
Viele der Denkmäler, die am Tag des offenen Denkmals besucht werden können, befinden sich nicht im Besitz der Stadt, sondern sind in privater Hand. Das erfordert einiges an Vorbereitungszeit und Vorlauf, wie Dr. Maximilian Fritsch aus dem Amt für Kulturelles Erbe und Veranstalter erklärt. Die Bereitschaft privater Eigentümer, ihre Gebäude zu öffnen, sei hoch. Ablehnungen gebe es nur selten – und wenn, dann meist aus organisatorischen Gründen oder weil ein Objekt gerade saniert oder umgebaut wird. Und es gebe auch Denkmäler, die zu gefährlich sind, um sie zu besichtigen, sagt Fritsch, der noch einige interessante Orte auf der To-do-Liste hat.
Gut zu wissen
Denkmalsteckbrief: Der Blaue Krebs erhält den Denkmalsteckbrief.
Herkunft: Der Tag des Denkmals ist eine französische Erfindung aus den 80ern, sagt Eugen Trapp. Erst in den 90ern etablierte er sich in Deutschland. Heuer wird außerdem 50 Jahre Europäisches Denkmalschutzjahr gefeiert.
Infostand: Im Runtingerhaus wird es von 10 bis 16.45 Uhr einen Infostand geben. Auskunft erhält man auch telefonisch unter (09 41) 5 07 24 53. Sechs Denkmäler können nur mit Teilnahmekarten besichtigt werden. Diese werden am Infostand ausgegeben. Ausnahme: Die Karte für die Königliche Villa erhält man vor Ort. Es gibt kein Reservierungssystem.
Führungen: Die Taktung der Führungen ist dicht – „an manchen Objekten finden bis zu sechs Führungen statt“, sagt Trapp. Wer den Tag flexibel gestalten möchte, kann viele Denkmäler auch ohne Führung besuchen.
Infoheft: Alle Programmpunkte sind in einem Infoheft zusammengefasst, das in den Tourismusbüros und beim Amt für kulturelles Erbe erhältlich ist. Eine digitale Version steht auf der städtischen Webseite bereit, wo auch aktuelle Programmanpassungen bekanntgegeben werden.