Mega-Maschine bei der Arbeit: Neue Gleise in Regensburg sind fertig verlegt

Endspurt für Bahnpendler: In drei Wochen soll die Bahnstrecke zwischen Regensburg und Schwandorf fertig saniert sein. Ein 1000 Meter langes technisches Ungetüm hat diese Woche die letzten Gleise in Regensburg verlegt. Damit ist die Strecke jetzt bereit für eine Gleis-Baustelle, die in sechs Monaten starten und die jetzigen Arbeiten weit in den Schatten stellen wird.
Ein gelbes Ungetüm walzt durch Regensburg und reißt alles mit sich. Statt Chaos aber hinterlässt es: eine blitzsaubere neue Bahnstrecke. In dieser Woche waren zwei bis zu 1000 Meter lange Gleisumbauzüge unterwegs und tauschten die Gleise der Bahnstrecke nach Schwandorf aus. Für Bürger war es ein technisches Spektakel, das man selten so zu sehen bekommt, denn auf der ganzen Welt gibt es nur noch einen weiteren Zug dieser Art – aktuell in Frankreich. Für Pendler bedeutet das den Endspurt für die lange Vollsperrung. Außerdem ist die Strecke jetzt für eine deutlich höhere Zugfrequenz hochdimensioniert – was spätestens 2026 auch nötig werden wird. Denn dann wird der Abschnitt für viele Monate der vielleicht wichtigste in Bayern.
2026 wird eine Riesen-Baustelle
Seit 15. Juni ist die vor allem von Pendlern und Schülern vielbefahrene Strecke zwischen Regensburg und Schwandorf gesperrt. „Die Strecke war sehr beansprucht und hat täglich Störungen verursacht“, sagt Lucas Griep, Projektleiter bei der Bahn. Es sei notwendig gewesen, die alten Schienen, Schwellen und teils Weichen zu erneuern – vor allem mit Blick auf eine Mega-Baustelle, die im kommenden Jahr bevorsteht: Die Strecken von Regensburg nach Nürnberg und nach Passau werden von Februar bis Dezember generalsaniert und werden je für rund ein halbes Jahr gesperrt. Die neu hergerichtete Strecke von Regensburg nach Schwandorf bildet dann eine Umleitung.

47 Kilometer lang ist der Abschnitt, rund um die Uhr waren Großbaumaschinen im Einsatz. 200 Meter Gleise haben die gewaltigen Umbauzüge pro Stunde gefressen, alte Holzschwellen aus dem Boden gerissen, Metall zum Recycling zerschnitten, Schotter gesiebt und gewaschen und zeitgleich neue Betonschwellen, Gleise und Schotter verlegt. Nebenbei waren stets Bauarbeiter mit der Streckentechnik beschäftigt. So wurden zum Beispiel einige Weichenheizungen, die die Bauteile im Winter beweglich halten sollen, von den alten Gasheizungen auf moderne E-Heizungen umgebaut. Apropos Nachhaltigkeit: Rund 70 bis 80 Prozent des Schotters konnte wiederverwendet werden, so mussten „nur“ 60.000 Tonnen neues Material gekauft werden. Nun hat die Monstermaschine ihre Arbeit abgeschlossen – die letzten fehlenden Gleismeter in Schwandorf werden händisch verlegt.
Wie lange hält die Bahnstrecke nun wieder?
Vorerst also ist jetzt die Strecke auf dem neuesten Stand, sagt Lucas Griep: „Wir gehen davon aus, dass das, was wir eingebaut haben, mindestens 20 Jahre halten wird.“ Die nun ausgetauschten Gleise waren übrigens schon mehr als 20 Jahre alt, sagt Griep. Dass nun aber 20 Jahre lang freie Fahrt ist, heißt das für Bahnfahrer leider nicht. In einigen Jahren soll die Strecke nämlich elektrifiziert werden, dann stehen wieder längere Sperrungen an. Deutlich mehr Züge sollen hier auf lange Sicht fahren. Für diese höhere Zugfrequenz haben die Bauarbeiter die Gleise jetzt schon ausgelegt: Die neuen Schienen sind zum Beispiel massiver, der Meter wiegt nun 72 statt 54 Kilo. So halten sie auch mehr Zugverkehr aus. „Die Strecke ist auf die künftige Streckenbelastung dimensioniert. Die Strecke ist also jetzt hochwertiger, als sie derzeit noch sein müsste“, erklärt Griep.
Noch bis 22. August soll die Strecke für Züge dicht sein. „Wir liegen mit den Arbeiten voll im Zeitplan“, sagt Projektleiter Griep. Der Ersatzverkehr lief ziemlich planmäßig, ergänzt eine Sprecherin der Bahn. Nur ganz wenige einzelne Busausfälle habe es gegeben, die sich auf Bauarbeiten auf der A93 oder Verkehrsproblemen zurückführen ließen. Die eingerichteten „Reisendenleiter“, die am Regensburger Hauptbahnhof an der Bushaltestelle für Fragen bereit standen, seien wiederum sehr gut angenommen worden.

Zum Schluss nun noch ein Blick in die Zukunft, schließlich ist nach der Bahnbaustelle immer auch vor der Bahnbaustelle: Noch in diesem Jahr geht der „Bahnausbau Nordbayern“ in die heiße politische Phase. Dieser Zukunftsplan umfasst neben der Elektrifizierung der Strecke von Hof nach Regensburg auch MARO, den viergleisigen Ausbau Regensburgs, inklusive neuer Brücken, zusätzlicher Bahnsteige am Hauptbahnhof und in Obertraubling und vieler neuer Schienen. Zu diesem Bahnausbau Nordbayern soll die Vorplanung noch in diesem Jahr fertig sein. Dann ist der Bund am Zug, um die Kosten zu prüfen und dann grünes Licht zu geben – oder nicht.