Tierfreund in Sorge: Haben zwei Emus einen Dieb bei Waldmünchen vertrieben?

Von Martin Hladik · 10. September 2025 um 19:00

Ein Tierfreund in Unterhütte (Landkreis Cham) macht sich Sorgen um die Sicherheit seiner Exoten, weil sein Zaun beschädigt wurde. Doch er hat zwei ganz besondere Aufpasser. Die zwei Emus mögen Eindringlinge nicht.

Video ansehen

Wer öfter von Waldmünchen zum Gibacht oder Richtung Furth fährt, der kennt das Eckgrundstück in Unterhütte unterhalb der Kirche. Und er weiß, dass dort seit einiger Zeit zwei Emus aufmerksam verfolgen, wer da vorbeifährt, vorbeiradelt oder vorbeigeht. Jetzt könnten sie sogar eine Eindringling vertrieben haben.

Die Tiere gehören Johann Welzel (53). Als Tierfreund hält er auf dem großen, naturnahen Grundstück auch Trauerschwäne, Höckerenten und andere exotische Tiere. Seit der letzten Augustwoche hat er Sorge, dass jemand seine Tiere stehlen will.

Er erzählt, dass ihm bei Gartenarbeiten am 27. August auffiel, dass einer der Zaunpfosten leicht nach innen gebogen war. Am Vortag sei das sicher noch nicht so gewesen. Als er dann noch näher hinschaut, stellt er fest, dass eine der Maschen des Drahtzauns aufgebogen gewesen sei, so dass sie als Tritt für einen Fuß dienen konnte. Zudem sei der Stacheldraht am Zaunabschluss aus der Führung gelöst und einer der Stachelbündel verschoben worden.

Wollte einer Tiere stehlen?

Welzel kann sich das nur so erklären, dass jemand versucht habe, über den Zaun zu klettern und aufs Grundstück zu gelangen. Vielleicht wollte die Person eines der exotischen Tiere stehlen, sagt er.

Doch wer immer das Grundstück betreten wollte, habe die Rechnung ohne die Emus gemacht. „Der musste fliehen“, sagt Welzel überzeugt. Emus verteidigten ihr Revier und seien dabei auch sehr wehrhaft. Sie würden mit ihren kräftigen Laufbeinen zutreten. Die drei Zehen ihrer Füße seien dabei krallenbewehrt. Mit einer Laufgeschwindigkeit von rund 60 km/h sind die Tiere, die in etwa so groß wie Menschen werden, auch sehr schnell.

Dennoch gilt der Emu außerhalb der Brut nicht als aggressiv. Der australische Wappenvogel (zusammen mit einem Känguru) wird auch kommerziell genutzt. In Australien werden die Tiere ähnlich wie in Deutschland die Strauße als Nutztiere gehalten.

In Unterhütte: Kameras überwachen nun das Grundstück

„Mir fressen die Tiere aus der Hand“, sagt Welzel, der aber auch weiß, dass insbesondere das Männchen durchaus seinen Willen durchsetzen kann. Fürs Foto jedenfalls hat er lieber einen Zaun zwischen dem Reporter und den Tieren.

Um auf den möglichen Versuch, in das Grundstück einzudringen, zu reagieren, lässt Welzel jetzt seinen Grund mit Kameras überwachen. Manche sind von außen sichtbar, andere nicht. Am Zaun warnen Schilder vor der Kameraüberwachung und dem Füttern der Tiere.

Anderes als bei einem durchtrennten Stacheldraht vor rund einem halben Jahr – „Da waren noch keine Emus da“ – hat Welzel jetzt seine Beobachtungen der Polizei gemeldet. Es seien auch Polizisten dagewesen und hätten sich den Zaun angesehen. Welzel wunderte sich, dass darüber keine Meldung über einen Einbruch im Polizeibericht auftauchte und fragte deswegen bei der Redaktion des Bayerwald-Echos nach.

Auf unsere Nachfrage erklärte die Leiterin der Polizeistation Bianca Drechsel, dass der Fall der Polizei bekannt sei. Allerdings habe man auf eine Pressemeldung verzichtet, weil es keine Spuren für einen Diebstahlsversuch auf dem Gelände gebe. Sollte jemand tatsächlich versucht haben, den Zaun zu übersteigen, dann sei das juristisch auch kein Einbruch, wie es der Tierhalter bezeichnet habe, sondern Hausfriedensbruch oder versuchter Diebstahl. Als Einbruch werte die Polizei ausschließlich das Eindringen in ein Gebäude.

Tiere kommen aus Zucht

Zur Vollständigkeit sei erwähnt, dass Welzel seine Vögel aus einer Zucht in Ostdeutschland erworben hat. Er sagt, die Tiere seien an die Witterung in Deutschland angepasst. Als Wildtiere in Australien lebten sie in einem ähnlichen Temperaturbereich.

Grundsätzlich ist die Haltung der australischen Laufvögel in Deutschland auch für Privatpersonen möglich. Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten stellt in einem Gutachten die Haltungsbedingungen für Emus und Nandus auf und legt Mindestgrößen für ein Gehege fest. Das Gutachten beschreibt auch, dass beide Tierarten „wenig kälteempfindlich“ seien, Emus allerdings „empfindlich auf Schnee“ reagieren.