Waldmünchen: Ferienjobben für ein besseres Image der Pflege

Von Martin Hladik · 6. September 2025 um 11:00

Kristian Sarközi (15), Leni Rosenblatt (16) und Max Pirner (15) machen einen Ferienjob. So weit, so üblich. Sie machen einen Ferienjob in Waldmünchen im Landkreis Cham, etwas unüblicher. Sie arbeiten alle drei gleichzeitig in einem Pflegeheim, eher ungewöhnlich.

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„Wir machen das in Waldmünchen heuer zum ersten Mal“, sagt Bernd Pirner. Er ist der Regionalleiter der Pflegestifte Dienste für Menschen in Waldmünchen und in Furth im Wald. Die Ferienjobber seien nicht etwa ein Ersatz für Pfleger, die im Urlaub seien, sondern sie würden zusätzlich eingestellt, macht Bernd Pirner schnell klar. Einer der Ferienjobber – aber das nur nebenbei bemerkt – ist sein Sohn.

Bernd Pirner sieht die Ferienjobber eher als „bezahlte Praktikanten“, sagt er. Und sie werden mit 15,50 pro Stunde gut bezahlt. „Das sind 1240 Euro in zwei Wochen“, errechnet Sarközi den Lohn für seinen Ferienjob überschlagsmäßig.

Werbung für die Pflege

Und warum leistet sich das Pflegestift diese zusätzlichen Ausgaben für Ferienjobber? Das Bild der Pflege in der Öffentlichkeit sei oft sehr negativ, sagt Bernd Pirner. Dem wolle er entgegenwirken. Sein Ziel sei es, dass junge Menschen schon früh mit der Pflege in Kontakt kommen können. Sie sollen in ihrer Altersgruppe über eigene Erfahrungen berichten, darüber, was es bedeutet, in der Pflege alter Menschen zu arbeiten. Indirekt gehe es dabei auch um Nachwuchsgewinnung, aber das sei nicht das vordringliche Ziel. „Schüler bei Ausbildungsmessen anzusprechen, ist zu spät. Ihre Entscheidungen fallen viel früher.“

Und wie sehen das die Jugendlichen selbst? Das klarste Bild von seinem zukünftigen Beruf hat dabei Kristian Sarközi. Er geht mit Max Pirner in die Realschule Waldmünchen. „Ich mache das zum ersten Mal. Ich will einen Job haben, bei dem ich Menschen helfen kann. Mein Traumjob ist allerdings Physiotherapeut.“ Seinen Ferienjob habe er auch genutzt, um mehr über diesen Beruf zu erfahren, da im Stift ja Physiotherapeuten und Ärzte arbeiten.

Der Ferienjob hier habe ihm Spaß gemacht, sagt Max Pirner. Aber bis er sich endgültig für einen Job entscheidet, habe er noch Zeit.

Während Max Pirner und Kristian Sarközi durch persönliche Kontakte zu ihrem Ferienjob gekommen sind, hat Leni Rosenblatt – sie geht in Cham auf das Robert-Schuman-Gymnasium – das Angebot für ihren Ferienjob über Facebook entdeckt. Sie ist nach den Pfingstferien bereits zum zweiten Mal im Pflegestift im Einsatz und hat durchaus differenzierte Ansichten zu ihrem Job gewonnen. Sie habe ausprobieren wollen, ob dieser Job zu ihr passt. Das Gute am Pflegeberuf sei der Kontakt zu Menschen, sagt sie, „aber es ist ein stressiger Beruf“. Das liege daran, dass viele Sachen zeitgleich auf einen zukämen. Sie schildert: Da läute das Telefon, während man sich gerade im Zimmer um jemanden kümmere, und jemand in einem anderen Zimmer habe einen Wunsch und dann sei schon wieder Essensausgabe und so weiter. Es seien einfach viele Bedürfnisse von vielen Leuten, die gleichzeitig auf einen zukämen.

Lob für die Kollegen

Dabei machen alle drei dem Reporter sehr schnell deutlich, dass sie als Ferienjobber mit der eigentlichen Pflege nichts zu tun gehabt hätten. Sie seien eher eine Art Servicekräfte gewesen, die sich darum gekümmert haben, den Bewohnern verschiedenste Wünsche zu erfüllen.

Den drei Ferienjobbern merkt man an, dass sie von ihren hauptberuflichen Kollegen ziemlich beeindruckt sind. Denn bevor sie über ihre Arbeit und ihre Erlebnisse mit dem neuen Job erzählen, fangen sie an, zunächst über ihre Kollegen zu berichten, die „nett und hilfsbereit“ sind und „alle Fragen beantworten“, wie Kristian und Leni erzählen.

Das Lob gilt aber auch umgekehrt: Der Regionalleiter Bernd Pirner sagt im Gespräch und schreibt es auch in der Hauszeitung „Stiftsblaadl“: „Ich bewundere die Courage der Schülerinnen und Schüler, die sich dieser Aufgabe stellen.“