Der Bürgermeister von Waldmünchen feiert: Seit Freitag ist Markus Ackermann 65

Von Martin Hladik · 5. September 2025 um 11:00

Am 5. September feiert Bürgermeister Markus Ackermann seinen 65. Geburtstag. Wir wollten vom Chef der Stadt Waldmünchen wissen, wie er sich mit 65 Jahren fühlt, was er an seiner Stadt schätzt und was eher nicht und welche Richtung die Politik nach seiner aktiven Zeit nehmen könnte.

Das Interview wurde bereits Mitte August geführt, weil Ackermann nach dem Besuch in Combourg in Urlaub gegangen ist.

Wie fühlt es sich an, 65 zu werden?

Markus Ackermann: Es ist eine irgendwie groteske Situation. Es fühlt sich unglaubwürdig an. Eigentlich sollte man der klassische alte Mann sein, aber so fühle ich mich nicht. Ich habe noch Pläne und Aktivitäten.

Wie verbringen Sie eigentlich ihren Geburtstag?

Ackermann: Ich werde mit der Familie feiern. Eine öffentliche Veranstaltung ist nicht geplant. Mein Geburtstag ist ja auch noch in meinem Urlaub.

Sie sind jetzt 15 Jahre im Amt und haben angekündigt, 2026 nicht mehr zu kandidieren. Deswegen kann ich Sie schon jetzt fragen, was für Sie persönlich der bedeutendste Moment ihrer Amtszeit war?

Ackermann: Die Wahl zum Bürgermeister war für mich eine sehr bewegende Situation. Ich bin ja ein Quereinsteiger und war vorher nicht kommunalpolitisch aktiv. Ich war im Lehrerverband bildungspolitisch aktiv, aber eben nicht in der Kommunalpolitik. Als ich gewählt wurde, war das eine Mischung aus der Freude über das Vertrauen der Menschen und der Höchstachtung vor dem, was auf mich zukommt. Eine prägende und schwere Zeit war aber auch das Ringen um die beste Lösung für das AquaFit. Als insgesamt bereichernd habe ich die Begegnung mit hochengagierten Leuten empfunden. Ich war beeindruckt davon, wie viele es gibt, die sich zum Beispiel für einen Verein engagieren. Für mich war das ein Aha-Effekt und eine tolle Erfahrung. Auch die Städtepartnerschaften waren für mich bereichernd, weil man interessanten Leuten begegnet und viele Parallelitäten herstellen kann. Die Städtepartnerschaften sind der Motor für die europäische Idee.

Sein Sieg bei der Bürgermeisterwahl bleibt für Markus Ackermann einer der bewegendsten Momente seiner Amtszeit. Unser Screenshot zeigt die Ausgabe des Bayerwald-Echos vom 18. Oktober 2010. - Foto: Screenshot Martin Hladik

Dann muss Ihnen ja die anstehende offizielle Partnerschaftsfeier mit Klenci pod Cerchovem im September sehr wichtig sein?

Ackermann: Ja, Gott sei Dank passiert das jetzt. In den 90ern wurde zunächst eine Freundschaftsurkunde unterzeichnet. Damals gab es ja noch viele Sorgen in Zusammenhang mit der Grenzöffnung. Das hat sich geändert. Es ist ein tolles Miteinander, weil alle Bürgermeister auf beiden Seiten es seitdem als Aufgabe einer Grenzstadt sehen, unkomplizierte Beziehungen zum Nachbarn zu haben. Die Beziehungen sind so gut, dass wir den formalen Akt einer Städtepartnerschaft gar nicht mehr auf dem Schirm gehabt haben. Es gibt so viele gemeinsame Rituale zwischen den Städten: vom Grenzbesuch an Silvester, dem 1. Januar auf dem Cerchov bis hin zu den gegenseitigen Besuchen bei offiziellen Anlässen. Es ist mehr als gegeben, dies in die gute Form einer Partnerschaft zu gießen. Die Partnerschaft mit Combourg ist das beste Beispiel für so eine Partnerschaft. Wichtig ist die Aufnahme in Gastfamilien. So entstehen persönliche Beziehungen und persönliche emotionale Erfahrungen. Das betrifft auch die politische Ebene. Städtepartnerschaften sind die Urzelle des internationalen Miteinanders.

Zurück nach Waldmünchen. Wo sehen Sie nach 15 Jahren als Bürgermeister die Stärken der Stadt?

Ackermann: Die Stärke ist das Vereinsleben und das Engagement für die Zielgruppe. Da ist zum Beispiel der TV, der zweitgrößte Sportverein im Landkreis, oder die 16 Feuerwehren, die gut zusammenarbeiten, oder der Trenckverein, der mit 300 Leuten Jahr für Jahr das Festspiel stemmt. Aber auch das MGH und die Schützen sind unglaublich aktiv. Dieses Miteinander ist für mich die größte Stärke.

Und die größte Schwäche?

Ackermann: Ich würde mir mehr Lokalpatriotismus und Solidarität mit der Stadt wünschen. Aus meiner Sicht gehört es bei einigen zum guten Ton, über die Stadt zu schimpfen. Es wäre schön, wenn es mehr Leute geben würde, die das Glas nicht halbleer, sondern halbvoll sähen.

Manchmal werden die Menschen ungeduldig, wenn eine Entscheidung lange dauert. Bei der Veranstaltungshalle hat man sich zwar jetzt für die Festhalle am Jahnplatz entschieden, sich aber immer noch ein Hintertürchen für das Reitmeiergebäude offengelassen. Warum dauern solche Entscheidungen so lange?

Ackermann: Weil hier die Weichen für die nächsten Jahrzehnte gestellt werden. Das gilt sowohl städtebaulich wie auch finanzpolitisch. Der Stadtrat macht es sich nicht leicht, weil er um die Folgen weiß. Deswegen fällt er eine Entscheidung auf einer soliden Informationsbasis, die langfristig belastbar sein muss. Es geht nicht nur um die reine Investition, sondern auch um Unterhaltskosten und Personalbedarf. Das wird den Haushalt der nächsten Jahre beeinflussen.

Ackermann an seinem Schreibtisch Martin Hladik

Hat sich Ihre Wahrnehmung der Politik in den 15 Jahren ihrer Amtszeit verändert?

Ackermann: In meinen Anfangsjahren wurde ganz allgemein in der großen Politik sachlicher und sachorientierter diskutiert. Das hat sich nach Corona verändert. Jetzt ist die Diskussion viel emotionaler und stimmungsgeprägt. Das bedauere ich sehr, weil die Komplexität weniger beachtet wird, sondern vielmehr Teilaspekte hervorgehoben werden. Es ist daher gut, dass der Stadtrat in Waldmünchen eine gemeinsame Verantwortung sieht und ein Thema in seiner Gesamtauswirkung betrachtet. Aber auch ein Stadtrat und auch der Bürgermeister ist nicht frei von rechtlichen Regeln, finanziellen und gesellschaftlichen Zwängen. Die bloße Sachentscheidung wäre einfach, aber sie will vor dem Hintergrund von Haushaltsmitteln und Fördergeldern wohl durchdacht sein.

Sie legen Ihr Amt 2026 nieder. Welche Eigenschaften sollte Ihr Nachfolger mitbringen?

Ackermann: Er sollte Erfahrung mit komplexen Themen haben. Er sollte eine hohe soziale Kompetenz im Umgang mit der Öffentlichkeit und der Verwaltung besitzen. Zudem sollte er mit Behörden und Partnerstädten ein gutes Vertrauen aufbauen können. Und schließlich: Er braucht ein dickes Fell, um persönlich ohne Schäden wieder rauszugehen.

Bürgermeister Markus Ackermann als oberster Werber für den Fremdenverkehr - Foto: Martin Hladik

Welche „offenen Baustellen“ werde Sie Ihrem Nachfolger hinterlassen?

Ackermann: Die Veranstaltungshalle hätte ich selber gerne noch gebaut. Ich versuche alles zu tun, um dem Stadtrat objektive Entscheidungskriterien zu geben. Die Umsetzung wird Aufgabe des nächsten Bürgermeisters sein. Froh bin ich aber, dass es mir noch gelingen wird , den Saubrunnenplatz zu gestalten. Damit zeigt sich Waldmünchen an den Hauptzufahrten von seiner liebenswerten Seite.

Markus Ackermann mit seinen zwei Stellvertretern: Martin Frank und Wolfgang Kürzinger

Hat Sie das Amt verändert?

Ackermann: Ja. Nicht in der Grundhaltung, aber vorher war ich ein unerschütterlicher, blauäugiger Optimist. Das hat Kratzer und Beulen bekommen. Das verändert die Herangehensweise. Ich gehe immer noch unerschrocken an Themen ran, aber bei der Abarbeitung plant man auch Rückschläge ein.

Sie waren drei Perioden Bürgermeister. Wo könnte die Stadt in weiteren drei Perioden stehen?

Ackermann: Wenn es Waldmünchen gelingt, das Miteinander aufrecht zu erhalten, und die Wertschätzung für die Heimat gelingt, dann sehe ich eine gute Zukunft mit hoher Lebensqualität. Eine leichte Zeit wird es aber nicht vor dem Hintergrund des Klimawandels, der globalen politischen Unsicherheiten und der Herausforderungen an die Gesellschaft.

Wird sich die Politik verändern?

Geübt: Der Anstich des ersten Fasses beim Heimatfest ist ein geliebtes jährliches Ritual. - Foto: Johannes Lesser

Ackermann: Ich glaube schon. Aber es gibt eine Ambivalenz. Was nicht der Weg sein darf, ist eine stimmungsgetragene Agitation über Social Media und durch populistische Politik, bei der die Sachlichkeit verloren geht. Stattdessen sollte es mehr Bürgerbeteiligung geben. Damit meine ich gar nicht nur die Offenheit der Verwaltung, sondern ich erwarte das Engagement und die Einarbeitung der Bürger, die mitreden wollen. Demokratie ist die beste Staatsform als Beteiligungsbürgerschaft. Hier wird das verantwortungsvolle Einbringen erwartet und nicht nur das Wutbürgertum.