Arbeiten in der Betonröhre unterm Perlsee bei Waldmünchen

Es war ein kalter Wintertag 2025: Beim wöchentlichen Kontrollgang im Tunnel des Wasserkraftwerks am Perlsee bemerkt ein Mitarbeiter der Stadtwerke Waldmünchen etwas ausgetretenes Wasser im Tunnel unter dem Damm. Der Kompensator am dicken Rohr zur Turbine scheint eine winzige undichte Stelle zu haben. Jetzt im Sommer wird das Leck repariert.
Den Kompensator müssen wir uns als eine Art Gummiverbindung der 110-Zentimeter-Rohre zwischen dem Wassereinlass im Perlsee und der Turbine vorstehen. Die flexible Verbindung dient dazu, die Ausdehnung der Metallrohre bei Hitze und Kälte auszugleichen oder zu kompensieren, wie seine Bezeichnung es beschreibt.
Sicherheitshalter wird nach der Entdeckung der kleinen Leckage das Kraftwerk stillgelegt. Dazu dient ein Schütz. Das ist eine schwere Klappe, die ein Rohr abdichten kann. Als ein paar Tage später die Temperaturen wieder steigen, kann das Kraftwerk wieder angefahren werden, weil mit steigenden Temperaturen auch die Leckage verschwunden ist, berichtet der Leiter der Stadtwerke Stefan Höcherl.
Schütz wird überholt
Weil es im Winter aber das kleine Problem gegeben habe, werde jetzt im Sommer der Kompensator getauscht und bei dieser Gelegenheit auch gleich eines der zwei Schütze der Anlage überholt, erklärt Höcherl. Ausgeführt werden die Arbeiten von der Spezialfirma Krönauer aus der Nähe von Teisnach. „Es ist gar nicht so einfach, eine solche Firma zu finden“, sagt Höcherl.
Eine besondere Schwierigkeit bei den Arbeiten in dem 77 Meter langen Tunnel, der vom Kraftwerk durch die Staumauer bis unter den See führt, ist die Enge. Das 1,1 Meter große Rohr, durch das das Seewasser zur Turbine fließt , ist in einem Betontunnel verbaut, der oben und seitlich nur wenig Platz lässt. Ein Mann kann sich gerade so am Rohr entlang bewegen. Um das 600 Kilogramm schwere Schütz in diesem Tunnel von der Einbaustelle durch den Tunnel bis zum ein Stockwerk darüberliegenden Betriebsgebäude zu bewegen, war sehr präzises Arbeiten mit Seilzügen gefragt. Aber das ist bereits geschehen. Das Schütz wurde überholt und wird jetzt wieder eingebaut.

Ein weiteres Problem der Arbeiten in dem Tunnel ist die Luftversorgung der Arbeiter. Da der Tunnel nur von einer Seite mit Luft versorgt wird, wird ein Gebläse eingesetzt. Bei Schweißarbeiten allerdings müssen die Arbeiten sogar unter Atemschutz ausgeführt werden, erklärt Höcherl.
Das kleine Wasserkraftwerk am Perlsee gibt es seit Bestehen des Sees 1962. Seit wenigen Jahren ist es auch komplett im Besitz der Stadtwerke. Dass war unter anderem nötig, weil an dem Kraftwerk jetzt grundlegende Sanierungsarbeiten anstehen, sagt Werkleiter Höcherl. Die Kosten der jetzt laufenden Arbeiten beziffert er mit rund 40 000 Euro. Aber dies sei nur eine grobe Schätzung. Nach über 60 Jahren Betrieb stünden solche größeren Arbeiten einfach an.

Wichtig für die Grundlast
Dafür sei das Wasserkraftwerk genau das, was jetzt in Zeiten von Sonnen- und Windstrom gebraucht wird. Es kann die Grundlast auch in Zeiten einer sogenannten Dunkelflaute abdecken helfen. Eine Dunkelflaute beschreibt das Fehlen von Sonnen- und Windstrom. Allerdings schwankt auch die Leistung des Wasserkraftwerks stark. Aus den rund sechs Metern Gefälle zwischen See und Turbine können jährlich zwischen 170 000 und 550 000 Kilowattstunden Strom erzeugt werden. Die große Schwankungsbreite entsteht aus dem schwankenden Anstau des Sees, der hauptsächlich der Verhinderung eines Hochwassers der Schwarzach dient und vom Wasserwirtschaftsamt Regensburg betrieben wird. Um das Kraftwerk auch bei niedrigem Wasserstand betreiben zu können, so Höcherl, werde demnächst ein Gleichrichter ähnlich dem von Solaranlagen eingebaut.