Oberpfälzer bricht Jurastudium ab, um Koch zu werden: Ist er bald Teil der Nationalmannschaft?

Vincent Schöner aus Nittendorf (Landkreis Regensburg) hat sein Jurastudium gegen eine Kochausbildung getauscht. Im Brauereigasthof Eichhofen zeigt der 21-jährige Jungkoch nun sein Talent. 2026 könnte er Teil des WM-Teams der Jugendnationalmannschaft werden.
Die Eismaschine brummt. Jungkoch Vincent Schöner richtet eine Wassermelonenscheibe mit etwas Granola an. Darauf kommt die hausgemachte Kugel Vanilleeis mit etwas Olivenöl und Pyramidensalz. Dann fügt der 21-Jährige noch Focaccia-Chips, frische Beeren und frische Minze aus dem eigenen Kräutergarten des Brauereigasthofs Eichhofen hinzu. Desserts zubereiten macht Schöner am meisten Spaß. Doch statt zu kochen, wälzte der Nittendorfer (Landkreis Regensburg) zunächst in Gesetzestexten. Jetzt hofft er, in die Jugendnationalmannschaft der Köche aufgenommen zu werden.
In Regensburg begann Schöner nach seinem Abitur zunächst ein Jura-Studium – inspiriert durch seinen Vater, der selbst Jurist ist. Doch Rumsitzen und Hausarbeiten schreiben war nichts für ihn, sagt er. Die Möglichkeit, „sich selbst zu entfalten“ habe er nun im Koch-Beruf gefunden – und der zeitweise Stress in der Küche mache dem 21-Jährigen „einfach Spaß“. Seine Eltern hätten den Wechsel unterstützt, sagt er: „Sie profitieren ja auch Zuhause gut davon.“
Vincent Schöner wurde bereits ausgezeichnet
Für Daniela Schönharting, Geschäftsführerin des Brauereigasthofs Eichhofen, ist Schöner schon im Praktikum herausgestochen – weil man seine Leidenschaft sehe und auch schmecke, sagt sie.
Schöners Kreationen schafften es schon während seiner Ausbildung regelmäßig auf die Speisekarte. Aktuell gibt es zum Beispiel die „Variation von der Karotte“, bestehend aus einer geschmorten Karotte, einer gepickelten sowie Karottenpüree. Serviert wird die Vorspeise mit Labneh, Sesam und hausgemachtem Focaccia. Schöners Talent blieb nicht lange unentdeckt. Im dritten Lehrjahr nahm er am Regensburger Koch-Jugendwettbewerb Ratisbona-Spieß teil. Einer der Juroren war der Teamkapitän der Köche der deutschen Jugendnationalmannschaft – und ist auf Schöner aufmerksam geworden. Nach drei Probetrainings bei Berlin hat Vincent die Chance, Teil des Teams zu werden und die Mannschaft vielleicht schon 2026 bei der Weltmeisterschaft zu unterstützen. „Das ist nochmal ein ganz anderes Niveau.“
Schönharting weiß, dass der 21-Jährige früher oder später als Koch in anderen Restaurants Erfahrungen sammeln will. Heutzutage sei es aber schwer, die Koch- und Azubistellen zu besetzen, sagt sie. Das höre sie auch von anderen Betrieben immer wieder.
Laut aktuellen Zahlen gibt es jedoch Grund zur Hoffnung: Zwar ist die Anzahl der Koch-Ausbildungsverhältnisse bundesweit über die Corona-Jahre eingebrochen. Aber seit 2023 geht der Trend wieder nach oben: 2019 verzeichnete die Deutsche Industrie- und Handelskammer 17 901 Ausbildungsverhältnisse, 2022 war mit 14 453 der niedrigste Stand der letzten Jahre. Vergangenes Jahr lag die Zahl bei 16 308.
26 Frauen starten die Koch-Ausbildung in der Region
Auch in der Oberpfalz ist die Entwicklung positiv. Zwar pflegt die IHK Regensburg keine statistische Zeitreihe dazu, aber die Ausbildungsverhältnisse der Köche bewegen sich „auf einem gleichbleibenden Niveau und konnten sicherlich leichte Zuwächse verzeichnen“, heißt es. Heuer treten 129 Menschen ihre Ausbildung zum Koch an, 26 davon sind Frauen.
Andrea Kramer, Geschäftsführerin der Dehoga Bezirksgeschäftsstelle Oberpfalz, stimmen die Zahlen optimistisch, auch wenn sie weiß, dass Gastronomie-Betriebe aktuell „händeringend“ nach ausgebildeten Köchen suchen. „Für die Zukunft stellt sich die Branche gut auf“, sagt sie.