Maßkrugtragen: Für den neuen Weltrekord hat es bei Oliver Strümpfel nicht gereicht

Von Lucia Pirkl · 7. September 2025 um 18:05

Das war leider nichts: Oliver Strümpfel versuchte auf dem Gillamoos in Abensberg im Landkreis Kelheim, seinen Weltrekord im Maßkrugtragen endlich perfekt zu machen – und scheiterte an der Schwerkraft.

Video ansehen

Das Hemd ist nass, aber das Grinsen will trotzdem nicht aus dem Gesicht verschwinden. Oliver Strümpfel wollte soeben seinen eigenen Weltrekord übertrumpfen. 30 volle Maßkrüge sollte er 40 Meter weit tragen. Vor acht Jahren schaffte er es mit 29 Krügen.

Das war dem Perfektionisten nicht genug. Aber diesmal hat er Pech: Schon nach kurzer Zeit rutscht ihm ein Krug durch, Bier schwappt auf den Boden, ein paar Meter weiter wird das Ganze instabil. Dann, am Ziel setzt Strümpfel die übrig gebliebenen Krüge ab, die Enttäuschung ist ihm für ein paar Sekunden anzusehen.

Beim Start sieht es noch gut aus, rechts im Bild der Rekordrichter. - Foto: Pirkl

Viel Zeit investiert

Aber nur kurz danach lacht er schon wieder. „Es hat leider nicht geklappt“, sagt er und verspricht, dass man sich im nächsten Jahr wieder sieht. Die Menge jubelt, von seiner Frau gibt es einen innigen Kuss. Wettbewerb hin oder her, die gute Laune kann ihm der missglückte Versuch nicht nehmen, zumindest nicht vollends.

Dabei hatte Strümpfel in den vergangenen Monaten viel Zeit investiert, er hatte sich seit Januar im Fitnessstudio darauf vorbereitet, mehrmals die Woche trainiert. Eine halbe Stunde vor dem Versuch ist von Nervosität nichts zu sehen. „Mir geht es sehr gut“, antwortet er auf die Frage, wie er sich fühlt.

Bald danach kippt eine Maß. - Foto: Loscher

Um das Ganze auch amtlich machen zu können, ist Rekordrichter Olaf Kuchenbecker vom Rekord-Institut für Deutschland angereist. Um den Weltrekord zu schaffen, muss Strümpfel, so klärt er auf, die bis zum Eichstrich gefüllten Maßkrüge ohne Hilfsmittel hochstemmen und sie 40 Meter tragen. Es dürfe zudem nur zehn Prozent der Flüssigkeit verloren gehen. „Es ist eher ein Sprint als ein Spaziergang“, meint Kuchenbecker.

Auch das könnte Sie interessieren: Bayerische Gemütlichkeit am Gillamoos: Er verpasst den Bierzelten den letzten Schliff

Der Beginn des Versuchs rückt immer näher, das Zelt. füllt sich zusehens Die Reihen direkt an Gang, an dem Strümpfel das Unmögliche möglich machen möchte, sind alle besetzt. Dann misst Kuchenbecker die Strecke mit einem Messband ab.

Auch der missglückte Versuch kann Strümpfel die Laune nicht gänzlich verderben. - Foto: Pirkl

Die Krüge werden gefüllt und Martin Neumeyer heizt die Gäste an. Auch, wenn die Bierkrüge „nur“ etwa 70 Kilogramm wiegen, so Neumeyer, habe wohl ein Wissenschaftler ausgerechnet, dass auf die Ellbogensehnen etwa 350 Kilogramm wirkten. Eine enorme Belastung also. Umso wichtiger ist die richtige Tragetechnik. Und damit kennt sich der 53-jährige Strümpfel eigentlich bestens aus. Über 26 Jahre lang arbeitete er als Kellner in verschiedenen Festzelten. Heute bedient er nur noch selten, etwa beim Oktoberfest oder bei Jubiläumsfeiern.

Richtiges Stapeln

Er weiß: Auf das richtige Stapeln, auf die richtige Verteilung des Gewichts kommt es an. Und so rückt Strümpfel kurz vor dem Versuch die Maßkrüge ähnlich eines Tetris-Spiels, bei dem man virtuelle Bausteine effizient stapeln muss, hin und her, schaut, wie sie die beste Position haben. Dann steigt die Spannung. Neumeyer bittet noch einmal alle, die Füße ja schon drinnen zu lassen, sie nicht in den Gang rauszustrecken und bloß nicht zu trampeln, weil die Vibrationen ausreichen würden, um die Krüge zu Fall zu bringen. Strümpfel hebt an und macht sich mit den 30 Maßkrügen auf den Weg, die Menge jubelt und feuert ihn an. Aber Strümpfel hat an diesem Tag kein Glück.