Oliver Strümpfel möchte am Abensberger Gillamoos letzten Rekordversuch wagen

Am Sonntag, 7. September, will der 53-Jährige Oliver Strümpfel beim Gillamoos in Abensberg ein letztes Mal Maßkrug-Geschichte schreiben. Sein Ziel: 30 volle Maßkrüge – rund 70 Kilogramm Gewicht – über die Ziellinie tragen.
„Manchmal frage ich mich schon, warum ich mir das antue.“ Wenn Oliver Strümpfel diesen Satz sagt, klingt er nicht nach Resignation, sondern nach einer Mischung aus Ehrgeiz und Selbstzweifel, die ihn antreibt.
Am Sonntag, 7. September, will der 53-Jährige beim Gillamoos in Abensberg ein letztes Mal Maßkrug-Geschichte schreiben. Sein Ziel: 30 volle Maßkrüge – rund 70 Kilogramm Gewicht – über die Ziellinie tragen. Acht Jahre nach seinem letzten Weltrekordversuch soll es der große Abschluss einer ungewöhnlichen Karriere werden.
Im Jahr 2017 trug Strümpfel beim Gillamoos 31 Maßen über 40 Meter. Ein Krug zerbrach, ein anderer verlor zu viel Flüssigkeit. Übrig blieben zwar 29, genug für den angestrebten Weltrekord, aber nicht genug für den Perfektionisten Strümpfel selbst. „Je länger es zurückliegt, desto blöder ist es, dass es damals nicht geklappt hat“, sagt er rückblickend.
Seine Geschichte mit den Maßkrügen beginnt aber noch weit früher: Über 26 Jahre lang arbeitete er als Kellner in verschiedenen Festzelten. Dort entstand die Idee, den Maßkrug-Weltrekord „zurück nach Bayern zu holen“, wie er erzählt, denn zuvor war der Titel lange Zeit in australischer Hand gewesen. Heute ist Strümpfel nur noch selten als Bedienung im Festzelt tätig, lediglich beim Oktoberfest oder bei Jubiläumsfeiern.
Ungewöhnliche Disziplin
2009 versuchte er sich dann zum ersten Mal an der ungewöhnlichen Disziplin, damals noch vergeblich. Ein Jahr später klappte es – mit 21 Maßkrügen sicherte er sich seinen ersten offiziellen Weltrekord. Es folgten weitere Bestmarken, die ihn weit über Bayern hinaus bekannt machten. Doch die „magische 30“, wie er sie nennt, blieb bis heute unerreicht.

Für seinen letzten Versuch überlässt Strümpfel daher nichts dem Zufall. Seit einem halben Jahr trainiert er regelmäßig im Fitnessstudio, vier- bis fünfmal pro Woche, begleitet von einem Trainer. Der Fokus liegt auf dem Oberkörper, aber auch Beine und Rumpf müssen standhalten, wenn 30 Maßkrüge ihn wie ein extraschweres Paket nach vorne ziehen.
Deshalb stehen bei ihm Daheim 60 Maßkrüge im Garten. Dort übte er regelmäßig das Balancieren und Tragen. Doch zuletzt bremste ihn eine Verletzung aus: Eine Entzündung im Ellenbogen, vom Arzt als „Tennisarm“ diagnostiziert, zwang ihn zu einer mehrtägigen Pause. „Obwohl ich gar kein Tennis spiele“, sagt er. So musste auch die geplante Generalprobe entfallen.
Im Gespräch wirkt Strümpfel etwas nachdenklich. Schließlich winkt ihm diesmal kein Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde mehr. Dort gelten nun strengere Regeln: Sein Maßkrug-Konkurrent Matthias Völkl aus dem Raum Deggendorf, wird dort als Rekordhalter geführt. Seit 2017 akzeptiert Guinness keine Rekorde mehr, die mit Alkohol zu tun haben.
Trotzdem treibt ihn der persönliche Anspruch an. Die 30 Krüge sind für ihn eine Frage der Vollendung. Und es sind seine Fans, die er nicht enttäuschen möchte. Viele begleiten ihn seit 2010, feuern ihn bei Social Media und vor Ort an. „Mach dir keinen Kopf, wir tragen dich nach vorne“, sagen sie ihm. Worte, die dem Rekordmann Kraft geben.
Unterstützung der Fans
2017 verfolgten über 1500 Fans den Versuch in Abensberg, auch dieses Jahr hofft er auf lautstarke Unterstützung. Für seinen Abschied hat er sich deshalb bewusst den Gillamoos ausgesucht. Hier, wo seine Rekordlaufbahn begann, soll sie nun auch enden. Es wird das letzte Mal sein, dass der Finanzbeamte Maßkrüge in Höchstform hebt.
Acht Jahre nach seinem letzten Versuch will er sich nicht länger mit einem „Fast“ begnügen. Am Gillamoos geht es für ihn noch einmal um alles und vielleicht um den größten Moment seiner Maßkrug-Karriere.