Antje Thoms geht nach Braunschweig: Schauspiel-Chefin spricht über Gründe für den Wechsel

Von Marianne Sperb · 7. September 2025 um 17:28

Mit Komödien machte sich die Regisseurin in Regensburg viele Freunde, mit dem Drama „Draußen vor der Tür“ war sie zum Bayerischen Theatertreffen eingeladen. Bei einem Kaffee im Stadtpark erzählt sie, warum ihr Regensburg so gut gefällt - und warum sie trotzdem geht.

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Dass sie gehen würde, kursierte bereits länger, seit Sonntag ist es offiziell: Antje Thoms, die 2022 aus Göttingen als Schauspiel-Direktorin ans Theater Regensburg kam, wechselt zu Saisonstart im September 2026 ans Staatstheater Braunschweig, in gleicher Funktion. Bei einem Kaffee im Stadtpark spricht sie über die Gründe.

Neben persönlichen Motiven – Braunschweig ist näher an der Familie und näher an der Ostsee, Thoms stammt ja aus Stralsund – locken neue Aufgaben und die Arbeit mit Menschen, die sie beruflich schon länger schätzt. Tobias Wolff etwa, Intendant der Oper Leipzig, übernimmt ab 2026 als Intendant in Braunschweig und eine Reihe Ensemblemitglieder kennt Thoms von früheren Stationen, erzählt sie. Schon treffen E-Mails der künftigen Kollegen ein, Tenor: herzlich willkommen.

Braunschweig ist ein ganzes Stück größer

Braunschweig hat Regensburg (noch) den Titel Staatstheater voraus, hat rund 100.000 Einwohner mehr, bietet ein großes Haus mit rund 800 Plätzen und ist, auch dank der Nähe zu Berlin und Hannover, prominenter präsentiert auf der Deutschlands Theater-Landkarte.

Thoms, die seit 2003 an Stadt- und Staatstheatern inszeniert, bringt Riesen-Erfahrung mit. Mehr als 90 Regie-Arbeiten stehen im Portfolio. Oft greift sie brisanten Stoff in Ur- und Erstaufführungen auf, oft Klassiker, Romanadaptionen, Komödien. „Mich interessiert beides“, sagt sie, das Lustige und das Drama. „Ich finde auch Unterhaltung wichtig.“

Thoms’ Start im Herbst 2022 polarisierte: Das Auftragswerk „Zukunftsmusik“ , von ihr inszeniert, fand ein Teil des Publikums mutig und inspirierend, der andere, der den Saal denn auch in der Uraufführung verließ, zum Davonlaufen. In den Folgejahren dann machte sich die Schauspiel-Chefin mit Komödien, so rasant wie irrwitzig, so bissig wie tiefschürfend, in Regensburg viele Freunde – ob sie nun unter ihrer Spartenleitung, mit Dramaturgin Maxi Ratzkowski an ihrer Seite, im Spielplan platziert waren oder auch von ihr selbst inszeniert wurden: Wie „Romulus der Große“, der über den Weltuntergang hellsichtige Witze reißt, oder zuletzt „Wir sind auch nur ein Volk“, wo genüsslich Klischees von Wessis über Ossis zerpflückt und eine Beziehung, die gar nicht zum Lachen ist, verhandelt werden. Komödie, lässt Thoms durchblicken, darf man durchaus als Königsdisziplin verstehen, weil hier die heikle Balance von Missverständnis und Zuverstehengeben stimmen muss und weil Timing als entscheidender Kategorie on top kommt. Deshalb sind es Wenige, die Komödie gut inszenieren.

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Auf der einen Seite Abende zum Schreien vor Lachen, auf der anderen die Abgründe: Ein gutes Händchen zeigte Thoms auch im Drama, bei der Behandlung des Dunklen und der existenziellen Fragen. Mit ihrer Inszenierung von „Draußen vor der Tür“ , dem Nachkriegs-Klassiker von Borchert, war sie sogar zu den Bayerischen Theatertagen geladen.

Bevor sie in Braunschweig einfädelt und die erste Produktion zum Saisonstart im Herbst 2026 arrangiert, liegt noch eine volle Saison in Regensburg vor Thoms. Und die startet mit einem Knaller: Sarah Nemitz und Lutz Hübner, die Experten für bissige Gesellschaftskomödien, ließ Thoms ein Stück schreiben. „Lob der Gerechten“, vom Autorenduo vor Ort recherchiert und mit viel Lokalbezug gefüttert, erzählt, wie alles schief gehen kann, obwohl alle mit reinem Herzen und besten Absichten handeln. Es geht um einen Stolperstein, der zu Ehren eines Judenretters in der Altstadt verlegt werden soll. Aber schon bei der Frage: Wen laden wir zum Festakt ein? beginnen die Probleme.

Das Haus und die Stadt werden ihr fehlen

Mit „Die Schattenpräsidentinnen“ ist im Februar noch eine Thoms-Inszenierung aus dem Fach Komödie zu erleben, mit „Die schmutzigen Hände/ Die Gerechten“ eine aus dem Fach Drama.

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Intendant Sebastian Ritschel und Finanzchef Matthias Schloderer danken Thoms in der Notiz aus dem Theater am Sonntag „sehr herzlich für ihr Engagement, ihre Kreativität und ihre geleistete Arbeit zur Weiterentwicklung des Schauspielensembles“. Das Haus muss sich nun zügig umschauen nach einem Nachfolger, einer Nachfolgerin.

Thoms geht mit guten Gefühlen, wie sie sagt, und ahnt schon etwas Wehmut, die sie im Sommer 2026 befallen wird – wegen des Hauses, der Kollegen und wegen der Stadt. Das theaterbegeisterte Publikum werde ihr fehlen. „Aber wer weiß“, sagt sie und spricht drei Pünktchen mit dazu.