Von der Ordensfrau zur Lebensretterin: Noma-Hilfe-Gründerin stirbt mit 82 Jahren

In den 90er Jahren gründete Ute Winkler-Stumpf die Hilfsaktion Noma Regensburg – inspiriert wurde sie, nachdem sie auf Stern-TV einen Bericht über die schlimme Krankheit gesehen hatte. Später lud sie Günther Jauch sogar in die Sendung ein. Jetzt ist die Regensburgerin, die einst sogar als Ordensfrau lebte. mit 82 Jahren gestorben.
Eine große Regensburgerin ist gestorben. Am Sonntagmorgen starb Ute Winkler-Stumpf nach kurzer Krankheit in der Regensburger Uniklinik mit 82 Jahren. Das bestätigte ihre Familie dieser Zeitung. Winkler-Stumpf gründete die Noma-Hilfe und kämpfte mit ihrer Organisation jahrzehntelang gegen eine heimtükische Krankheit.
1994 rüttelte Winkler-Stumpf ein Beitrag bei Stern TV auf. In der damals von Günther Jauch moderierten Sendung wurde über die bakterielle Infektion Noma aufgeklärt, die das Gesicht mangelernährter Kinder in weiten Teilen Afrikas zerstört. Sie beschloss, durch ein stadtweites Schulprojekt einem Kind zu helfen.
Winkler-Stumpf hatte selbst einen bewegten Lebensweg. Nach einigen Jahren als Ordensschwester absolvierte sie eine Ausbildung als Lehrerin für Handarbeit und Hauswirtschaft. Ihr Lebensweg führte sie nach Regensburg, wohin sie in den frühen 1970er Jahren übersiedelte. In Regensburg unterrichtete sie an verschiedenen Schulen. Sie lernte Dr. Paul W. Winkler kennen, dem späteren Leiter der Regensburger Volkshochschule, mit dem sie eine Familie gründete.
Stern-TV als Initialzündung
Winkler-Stumpf begann den Kampf gegen eine brutale Krankheit, doch sie nahm diesen auch durchaus persönlich. So folgten Binia, dem Jungen, den sie und ihr Mann später adoptiert haben, schnell tausend und mittlerweile hunderttausende von Kindern, denen sie und ihr Team in den vergangenen dreißig Jahren ein Leben in Würde ermöglicht haben. Über 5500 Kinder wurden mit den Spendengeldern operiert, mehr als 110 000 Kinder geimpft und über 140 000 unterernährte Kinder wieder zum Normalgewicht gebracht. Insgesamt, so betonten die Verantwortlichen der Noma-Hilfe gegenüber dieser Zeitung, wurde mehr Kindern geholfen, als Regensburg Einwohner hat. Und, so heißt es weiter, darauf war Winkler-Stumpf besonders stolz. „Es war nur ein Bericht auf Stern TV, aber daraus ist eine Initiative entstanden, die so viel Gutes bewirkt hat,“ so Moderator Günther Jauch in seiner Glückwunschbotschaft zum 30-jährigen Vereinsbestehen.
Jauch war es auch, der Winkler-Stumpf in den 90er Jahren in seine Sendung geladen hatte, um ihr Engagement einem bundesweiten Publikum näherzubringen. Ihr Wirken galt dem „vergessenen Kontinent“ Afrika, der faszinierend ist, aber eben auch viele Menschen in Not aufweist. Neben dem ersten Krankenhaus in Niamey, das nun nach ihrem Tod ihren Namen tragen soll, baute Winkler-Stumpf mithilfe unzähliger Unterstützer weitere Behandlungszentren im westafrikanischen Guinea-Bissau und in Nigeria auf, kooperierte mit der Weltgesundheitsorganisation und förderte Projekte in über einem Dutzend weiterer Länder des Nachbarkontinents.
Meine Mutter brannte für die Hilfsaktion Noma. Sie war ihr Lebenselixier.
Mathis Wikler, Sohn der Verstorbenen
So laufen derzeit mit Förderung der Hilfsaktion Noma Programme unter anderem auch in Äthiopien, Burkina Faso, Mali, Mosambik und Senegal. „Ihr Weitblick, ihr Mitgefühl und ihre Hingabe an die Menschheit haben unauslöschliche Spuren hinterlassen, die noch über Generationen hinweg unzählige Leben beeinflussen werden,“ kondolierte Dr. Funmilola Adenaike, die Chefärztin des Noma–Krankenhauses in der nigerianischen Hauptstadt Abuja. „Meine Mutter brannte für die Hilfsaktion Noma. Sie war ihr Lebenselixier,“ so Sohn Mathis Winkler, der gemeinsam mit seiner Schwägerin Jasmin Winkler zukünftig die Projekte des Vereins vorantreiben wird.
Für ihr Engagement erhielt Ute Winkler-Stumpf unter anderem das Bundesverdienstkreuz aus den Händen des damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler, den Bayerischen Verdienstorden, die Regensburger Stadtschlüssel und die Goldmedaille für Gesundheit der Republik Niger.
Letzter Wunsch unerfüllt
Zu gern wäre sie noch einmal in ihr Land des Herzens, Niger gefahren, doch dies war ihr nicht gegönnt: Ute Winkler-Stumpf, die ihren jahrelangen Kampf gegen den Krebs öffentlich machte, starb nun nach kurzer, schwerer Krankheit. Sie hinterlässt ihren Ehemann, drei Söhne und sechs Enkelkinder.
Das ist die Hilfsaktion Noma
Gründung: Die Regensburger Lehrerin Ute Winkler-Stumpf war so bewegt von dem Elend, das sie in Stern TV über mit Noma infizierte Kinder in Afrika sah, dass sie tätig wurde. 1994 gründete sie die Hilfsaktion Noma und sorgte dafür, dass mittlerweile weit über 100 000 Kinder Hilfe bekommen haben.
Kooperation: Seit 2014 kooperiert die Hilfsaktion Noma auch mit der Weltgesundheitsorganisation WHO. Der TV-Moderator Günther Jauch gratulierte dem Verein zum 30-jährigen Bestehen für die „wunderbare Initiative“ aus Regensburg.