Deutschland-Ticket oder 365-Euro-Ticket? Diskussion im Regensburger Jugendkreistag

Bei der Sitzung des Jugendkreistags im Landratsamt war die Schülerbeförderung ein zentrales Thema. Wie das Landratsamt mitteilt, hatten dazu 15 Schulen Vertreterinnen und Vertreter entsandt. Für Landrätin Tanja Schweiger, die die Sitzung leitete, ist die Förderung der politischen Mitwirkung junger Menschen rund um Regensburg ein zentrales Anliegen. Auf was setzt der Landkreis?
Ihren Worten zufolge werden alle angenommenen Anträge entweder direkt von der Verwaltung des Landratsamtes umgesetzt oder an den Kreistag beziehungsweise an die zuständige Institution weitergeleitet. Maßgeblich ist dabei, ob der jeweilige Antrag in den Aufgabenbereich des Landkreises fällt.
Schweiger informierte über den Umsetzungsstand der Anträge, die in der letzten Jugendkreistagssitzung im Dezember 2024 eingereicht worden waren: Dabei war aus dem Regental-Gymnasium Nittenau eine Anfrage zur Kostenübernahme des 365-Euro-Tickets bis zum Abitur gekommen. Nicht zuletzt deshalb war die Schülerbeförderung nun ein zentrales Thema der Jugendkreistagssitzung.
Es gibt Ausnahmen
Hierzu referierte Thomas Fischer von der Schulverwaltung. Er machte deutlich, dass der Landkreis für die sichere Beförderung zur Schule und zurück verantwortlich ist – in der Regel bis zur zehnten Klasse. Grundsätzlich haben demnach alle Kinder einen Anspruch auf Schülerbeförderung, wenn ihr Schulweg länger als drei Kilometer ist. „Kürzere Wege gelten laut Gesetzgeber als zumutbar, es sei denn, sie werden als besonders gefährlich eingestuft“, erläuterte Fischer.
Darüber hinaus bestehe ein Anspruch, wenn eine Schule eine pädagogische Besonderheit biete, etwa eine spezielle Fachrichtung oder ein reines Mädchen- oder Jungengymnasium, oder wenn eine Schwerbehinderung oder e familiäre Voraussetzungen vorliegen. Letzteres sind beispielsweise ein Kindergeldanspruch für drei oder mehr Kinder oder Sozialhilfebezug. Ab der elften Klasse besteht nach Auskunft von Fischer im Regelfall kein Anspruch mehr. Hier gebe es lediglich die Möglichkeit zur Kostenerstattung oberhalb einer festgelegten Familienbelastungsgrenze.
Die Kosten für die Schülerbeförderung im Landkreis betrugen im Jahr 2024 rund 4,6 Millionen Euro. Vom Freistaat Bayern erhält der Landkreis 3,3 Millionen Euro zurück, sodass etwa 1,25 Millionen Euro aus dem Kreishaushalt finanziert werden müssen, erklärte Fischer. Am häufigsten genutzt werde demnach das 365-Euro-Ticket des RVV, das im gesamten Verbundraum und ganzjährig gilt – inzwischen auch als Chipkarte oder Handyticket.
Eine Einführung des Deutschlandtickets wäre zwar für Schülerinnen und Schüler attraktiv, würde den Landkreis jedoch rund 1,9 Millionen Euro zusätzlich kosten. „Daher bleibt das 365-Euro-Ticket die Standardlösung“, stellte Fischer fest. Ziel der Schülerbeförderung ist es seinen Worten zufolge, Chancengleichheit zu sichern, Familien zu entlasten und den ÖPNV zu stärken.
Neben der Schülerbeförderung wurden von den Jugendkreisräten viele schulbezogene Themen eingebracht. So war etwa der Wunsch nach einer Mikrowelle im BSZ zur Essensaufwärmung erneut Thema, konnte jedoch bislang aus Platz- und Brandschutzgründen nicht umgesetzt werden. Positiv aufgenommen wurde hingegen die Zusage der Verwaltung, zusätzliche Sitzgelegenheiten auf dem Schulgelände des BSZ bereitzustellen. Die Bänke wurden zwischenzeitlich auch geliefert.
Harald Hillebrand, Leiter der Abteilung Digitalisierung, referierte über die Fortschritte im Bereich der digitalen Verwaltung. Er berichtete, dass der Landkreis als Spitzenreiter unter den Landkreisen im Bereich Digitalisierung hervorgehoben wurde. Ein weiterer Punkt war das Engagement des Landkreises auf Social-Media-Plattformen. Die Landrätin unterstrich, wie wichtig ihr das direkte Feedback junger Menschen ist. Daher prüft der Landkreis kontinuierlich, welche Kanäle und Formate am besten geeignet sind, um Jugendliche effektiv zu erreichen.
Präsenz auf TikTok?
In der Diskussion ging es auch um die Präsenz des Landkreises in den sozialen Medien. Die Mehrheit der Jugendlichen wünscht sich hier insbesondere Instagram und WhatsApp als bevorzugte Kanäle. Auch eine faktenbasierte Präsenz auf TikTok wäre demnach wünschenswert.
Die bei der Sitzung anwesenden 19 Jugendkreisräte kamen von folgenden Schulen in Stadt und Landkreis: Albertus-Magnus-Gymnasium; Albrecht-Altdorfer-Gymnasium; Berufliche Oberschule Regensburg; Berufliches Schulzentrum Regensburger Land; Edith-Stein-Realschule Parsberg; Gymnasium Lappersdorf, Gymnasium Neutraubling; Gymnasium Parsberg; Mädchenrealschule Niedermünster; Privat-Gymnasium Pindl; Regental-Gymnasium Nittenau; Sonderpädagogisches Förderzentrum Regenstauf; St. Marien-Gymnasium; Von-Müller-Gymnasium; Werner von Siemens Gymnasium.
Das Gremium
■ Einführung: Im Landkreis Regensburg wurde 2016 der Jugendkreistag eingeführt, um junge Menschen an Landkreis-Themen heranzuführen und ihnen eine Stimme in der Kreispolitik zu geben. Ihre Anliegen, Wünsche und Vorstellungen sollen öffentlich zur Sprache kommen und – nach eingehender Diskussion, Prüfung und Beschlussfassung – umgesetzt werden.
■ Sitzung: Die nächste Sitzung des Jugendkreistags wird voraussichtlich in der Woche vor Weihnachten stattfinden. Alle wichtigen Infos dazu gibt es im Internet auf der Homepage des Landkreises Regensburg unter Jugendkreistag. Bei Fragen steht auch die Hauptverwaltung des Landkreises zur Verfügung unter Tel. (09 41) 40 09-642 oder E-Mail: Jugendkreistag@landratsamt-regensburg.de