Drei Neubauten am Schwarzwihrberg in Rötz: Umzug der Ameisenvölker ist geglückt

Vor ungefähr vier Wochen ist es dann doch noch aufgetaucht, das dritte Nest. Wenige Meter abseits der Stelle, die Hubert Fleischmann von der Ameisenschutzwarte Landesverband Bayern dafür vorgesehen hatte, ist die Kuppel in „Eigenregie“ der Sechsbeiner in kürzester Zeit aus dem Waldboden des Schwarzwihrbergs bei Rötz gewachsen.
Der „Neubau“ war notwendig geworden, da die drei Nester der Roten Waldameise, einer geschützten Art, Anfang April wegen der Sanierung der Staatsstraße 2150 zwischen Rötz und der Landkreisgrenze umgesiedelt werden mussten. Ein aufwendiges Unterfangen, denn Maschinen können dafür nicht eingesetzt werden, sonst würde man die Tiere verletzen. In Handarbeit und in jeweils zwei Durchgängen wurden die Ameisen mit ihrem Nachwuchs und einem Teil des Nests in zwei blaue Fässer geschaufelt.
Danach werden sie an einen geeigneten Platz in der näheren Umgebung gebracht. Dieser muss mindestens 300 Meter vom Altstandort entfernt sein, ansonsten bestünde die Gefahr, dass die Ameisen an den alten Platz zurückziehen. Und in Absprache mit den Bayerischen Staatsforsten wurde ein idyllisches Plätzchen im Gemeindegebiet gefunden: der Schwarzwihrberg.
Frühzeitig informiert
Die Zusammenarbeit mit den Staatsforsten funktioniere seit Jahrzehnten bestens, betont Fleischmann, und auch vom Staatlichen Straßenbauamt Regensburg habe man wegen der Baumaßnahme und der notwendigen Umsiedelung frühzeitig Bescheid bekommen. Damit konnte diese zum optimalen Zeitpunkt durchgeführt werden: Mitte März bis Mitte/Ende April, wenn das Volk und auch die Königin in der Nestkuppel sind. Im Winter hingegen ist das Ameisenvolk bis zu zwei Meter tief im Boden eingegraben.
Bei einer Umsiedelung betrage die Überlebensquote 80 bis 85 Prozent, weiß Fleischmann. Und drei bis vier von zehn Völkern nehmen den neuen Standort nicht an, sondern wählen einen eigenen. Umso mehr freut er sich darüber, dass der Umzug auf den Schwarzwihrberg letztlich so gut geklappt hat.

Die Ameisen, der Nachwuchs und ein Teil ihres Nests wurden am neuen Standort auf einen angefaulten Baumstumpf gesetzt, „nachdem man sich vergewissert hat, dass darin nicht schon andere Ameisen sind“, so Fleischmann.
Mit dem ersten der drei Nester habe man auf Anhieb Glück gehabt, das Ameisenvolk nahm den neuen Standort problemlos an und baute eine stattliche Kuppel auf.
Das zweite Ameisenvolk war zunächst verschwunden. „Suchen sollte man sie in so einem Fall aber nicht“, erklärt der Experte der Ameisenschutzwarte. Zu groß ist die Gefahr, dass man die Ameisen auf der Suche nach einem Alternativ-Standort zertreten würde. Doch, und das komme selten vor, das verschwundene zweite Volk entschied sich um und kehrte wieder an den hergerichteten Standort zurück.
Am wählerischsten war das dritte Ameisenvolk. Ein wenig weiter oben am Berg sah zunächst alles nach einem Misserfolg aus: Auch hier hatten die Tiere sich nicht am vorgesehenen Platz niedergelassen. Ein paar Meter weiter ist noch ein kleiner Nadelhaufen zu sehen – hier wurde mit dem Bau begonnen, aber auch dieser Platz schien den Ameisen dann doch nicht zu gefallen. Vor wenigen Wochen die positive Überraschung: Abermals einige Meter weiter haben die Tiere eine neue, stattliche Kuppel aus dem Boden wachsen lassen.

Aber auch in ihrer neuen Heimat auf dem Schwarzwihrberg werden die Ameisen nicht sich selbst überlassen. Gleich am Anfang gibt es Bienenfutterteig zur Stärkung und zwischendurch, bis in den Oktober hinein und später wieder im kommenden Frühjahr, etwas Haushaltszucker als Snack. Außerdem versorgen die Ameisen sich selbst mit Honigtau und Insekten.
Es wuselt nur so auf den Nestern, aber Fleischmann hält vor allem Ausschau nach den weißen Puppen, dem Ameisennachwuchs – und wird fündig. „Das bedeutet, die Königin ist im Nest.“ Diese Tatsache ist entscheidend, denn ohne sie würde das Volk in den nächsten zwei, maximal drei Jahren aussterben.

Jedes einzelne Volk, das überlebt, ist ein immenser Gewinn, denn die Rote Waldameise, die einen großen Beitrag dazu leistet, den Wald gesund zu erhalten, ist gefährdet – von der Zersiedelung ihres Lebensraums, vom Insektensterben, von trockenen Jahren und damit weniger Honigtau an den Bäumen.
„Umsiedler“ gesucht
„Aber man darf nicht aufgeben“, sagt Fleischmann. Und er hat viele Mitstreiter: Bayernweit helfen etwa 280 Menschen als „Umsiedler“ den Waldameisen bei einem notwendigen Umzug. Über weitere Helfer würde man sich aber jederzeit freuen. Wer daran Interesse hat, findet unter www.ameisenfreunde.de Informationen und Kontaktdaten.

Vom Standort neben der Staatsstraße auf den Schwarzwihrberg
Umzug: Im April dieses Jahres erfolgte der Umzug der drei Ameisenvölker entlang der Staatsstraße 2150 zwischen Rötz und der Landkreisgrenze auf den Schwarzwihrberg. Die blauen Fässer sind das Transportmittel für die Ameisen.
Plan: Hier war der vorgesehene Platz für das dritte Ameisenvolk, erklärt Hubert Fleischmann von der Geschäftsstelle Nabburg der Ameisenschutzwarte Landesverband Bayern. Doch die Tiere hatten ihren eigenen Kopf.
Zwischenstation: Drei bis vier von zehn Ameisenvölkern nehmen ihren neuen Standort nicht an. Auch hier, an dieser zweiten, selbst gewählten Stelle, baute das dritte Volk nur eine kurze Zeit, bevor es sich abermals umentschied.
Kuppel: Einige Meter weiter war das Vorhaben von Erfolg gekrönt. Auf der Kuppel sind Puppen, der Ameisennachwuchs, zu sehen. „Das bedeutet, die Königin ist im Nest“, so Fleischmann. Ohne sie hätte das Volk keine Zukunft.