Schienenersatzverkehr: Zwei Kommentare zur ÖPNV-Alternative von Regensburg nach Cham

Von Johannes Lesser, Nils Mayer · 28. August 2025 um 19:00

Der Schienenersatzverkehr zwischen Cham und Regensburg sorgte in den vergangenen Wochen für viele Diskussionen. Jetzt rollen die Züge wieder und es wird Zeit für ein Fazit. Dabei gibt es unterschiedliche Meinungen, aber einen gemeinsamen Nenner.

Nils Mayer: Hört auf zu meckern!

Der Schienenersatzverkehr mit Bussen hat keinen allzu guten Ruf. Das ist kein Geheimnis. Und trotzdem gibt es keine Alternative. Bei Streckensperrungen können die Bahnreisenden ja schlecht auf das Flugzeug umsteigen. Natürlich war die rund zweimonatige Sperrung der Strecke Regensburg-Schwandorf ein Ärgernis. Vor allem wer noch weiter fahren musste und auf Anschlusszüge angewiesen war, wird diese Zeit wohl nicht vermissen.

Und trotzdem hat die sonst so oft kritisierte Bahn alles möglich gemacht, um die SEV-Zeit so angenehm wie irgendwie möglich zu gestalten. Wer jetzt immer noch meckert, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen.

Aber fangen wir von vorne an. Direkt in Regensburg sitzen zu fast jeder Uhrzeit engagierte Bahnhelfer, die dafür sorgen, dass auch jeder Reisende seinen richtigen Bus nimmt. Keine Frage ist zu blöd und auch jedes Anliegen wird ernst genommen. Verwirrung oder hektisches Busse abklappern gab es nicht. Auch die Busfahrer gaben alles in ihrer Macht stehende, um pünktlich zu sein. Besser noch: Sie waren meist einige Minuten früher da als geplant. Übrigens ganz ohne zu schnelles Fahren oder gar Rasen.

Und ich persönlich habe auch nie einen Anschlusszug verpasst. In den meisten Fällen wartete sogar der Zug oder Bus bei Verspätungen. Unterm Strich tat die deutlich längere Pendlerei natürlich weh, aber der Schienenersatzverkehr tat alles Mögliche, um dieses Leid zu lindern.

Und auch die Bahnangestellten und Busfahrer, die mir in dieser Zeit begegneten, machten stets einen netten Eindruck. Man sollte nicht vergessen, dass die Schienenersatzverkehrzeit auch für die Bahn und ihre Mitarbeiter kein Vergnügen war.

Wer jetzt schon wieder etwas zu meckern hat, der sollte bei der nächsten Streckensperrung vielleicht wirklich aufs Flugzeug umsteigen. Oder einfach auf das Auto. Wer sich trotzdem für den Bus und die Bahn entschieden hat, dem wurde diese schwierige Zeit zumindest so einfach gemacht wie irgendwie möglich.

Johannes Lesser: Auto bleibt im Vorteil

Im Rahmen der vorhandenen Möglichkeiten ist der Schienenersatzverkehr wirklich ordentlich umgesetzt worden. Die Nachricht ist eigentlich erfreulich, die Probleme beginnen jedoch früher und zwar beim Rahmen der Möglichkeiten selbst: Der hat mit dem SEV gar nicht mal so viel und dann eben doch alles zu tun. Es geht um die im wahrsten Sinne des Wortes ausbaufähige Anbindung Chams an das ÖPNV-Netz, die durch das zusätzliche Hindernis einmal mehr sichtbar wurde.

Es ist ein offenes Geheimnis: Wer die Möglichkeit hat und zwischen den Orten im Landkreis und Regensburg pendeln muss, ist mit dem Auto deutlich besser beraten. Der Vergleich scheint im ersten Moment unfair, schließlich ist das im ländlichen Raum und nicht nur im Landkreis Cham der Normalzustand. Ein Normalzustand, den Zugfahrer mit der – zumindest nominell vorhandenen – Nettofahrzeit von knapp mehr als einer Stunde mit der Länderbahn in der Regel gut auskontern können. Das Problem: Dass diese Zeit eingehalten wird, ist schon ohne Ersatzbusse eine gewaltige Hürde.

Angefangen vom Lokwechsel in Regensburg – auf elektrischen Strom auf der Zugstrecke, die immerhin München und Prag verbindet, wartet man ja auch im Jahr 2025 vergeblich. Es folgen spontane Zwischenhalte mitten im Wald, weil der Zug auf der einspurigen Schiene auf den verspäteten Gegenpart warten muss oder die mittlerweile Alltag gewordenen Probleme der Deutschen Bahn wie spontane Personalausfälle.

In diesem Rahmen funktionierte der SEV während der vergangenen Monate wirklich gut. Autofahrer überlegen sich derweil, ob sie lieber über die Kombination aus B85 und B16 oder über Falkenstein und die A3 nach Regensburg fahren wollen, und ärgern sich, wenn sie anstatt 50 Minuten von Tür zu Tür 55 brauchen, weil sie unterwegs für ein paar Kilometer an einem Lastwagen hängenbleiben. So gut die Herausforderung mit dem SEV bewältigt wurde, der Weg zu einer attraktiven ÖPNV-Anbindung im Landkreis Cham bleibt jedoch ein weiter.