Wettrennen zwischen Fahrrad und Öffis: Wer braucht länger von Regensburg nach Cham?

Von Regensburg nach Cham, rund 60 Kilometer inklusive Schienenersatzverkehr (SEV). Wer schafft die Strecke schneller, ein Rennradfahrer oder der Pendler mit Bus und Bahn? Wir verwandeln den Weg vom Regensburger Hauptbahnhof bis in die Chamer Redaktion unserer Zeitung in eine Rennstrecke. Dabei gibt es Gleisstörungen, viele rote Ampeln und ein Kopf-an-Kopf Rennen bis kurz vor Schluss.
Vom 15. Juni bis zum 22. August finden auf der Zugstrecke zwischen Regensburg und Schwandorf Bauarbeiten statt. Konkret: „Weichen, Schienen, Schwellen, Schotterbettung, Befestigungs- und Gleisschaltmittel, Bodenaustausch sowie Bahnübergänge“, so die Bahn. Für Bahnreisende heißt das: SEV, Ärger, Verspätungen. Ist das Rad eine Alternative?
Startschuss am Bahnhof
Nach einer letzten Stärkung am Bahnhofsimbiss fällt um 8.15 Uhr der Startschuss. Der Weg nach Cham beginnt für jeden Pendler, der kein Auto besitzt, zurzeit mit einer Busfahrt nach Schwandorf. Von dort geht es dann weiter mit dem Zug nach Cham. Um 8.17 Uhr fährt der Schienenersatzverkehr nach Schwandorf am Regensburger Bahnhof los. In Schwandorf bleiben dann laut Fahrplan exakt acht Minuten Umstiegszeit, um in den Zug zu kommen.
Fakt ist: Wird der Anschlusszug verpasst, sind die Siegchancen in diesem Rennen wohl dahin. Der Bus, der glücklicherweise ohne Zwischenhalt nach Schwandorf fährt, steht schon Minuten vorher bereit und startet pünktlich auf die Minute. Ein hoffnungsvoller Start also, der aber schon nach wenigen Metern zu einem abrupten Halt kommt. Die erste rote Ampel bremst den Bus aus. Auch in den nächsten drei Minuten kommen drei weitere Ampelstopps dazu.
Die bestimmen auch die ersten Kilometer auf dem Fahrrad. Immer wieder heißt es: anhalten, ausklicken und den Autofahrern beim Weg zur Arbeit zuschauen. Dom, Steinerne Brücke, Donauufer: Die Aussicht entschädigt.
Um 8.25 Uhr geht es mit dem Bus raus aus dem Stadtgebiet und gleich auf die A93. Auch wenn lange maximal 80 Stundenkilometer erlaubt sind, läuft zumindest der Verkehr flüssig. Auch der Busfahrer tut alles in seiner Macht Stehende und gesetzlich Zulässige, um ein paar Minuten gutzumachen.
Landschaftliche Highlights entlang der Fahrradstrecke
Als die Stadt zunehmend im Rücken liegt, werden die Passagen zwischen den Ampeln auf dem Rad etwas länger. Ein erster Höhepunkt ist das Erreichen des Radwanderwegs von Regensburg nach Falkenstein. Landschaftlich außergewöhnlich führt er mal nah an der Straße, mal mitten im Wald für die nächsten Kilometer stetig bergauf. Die Navigationsapp zeigt dennoch ein Durchschnittstempo von 23 Stundenkilometern an. So könnte es klappen, wenn beim Bus nicht alles perfekt nach Plan läuft.
Um 8.46 Uhr geht es dann runter von der Autobahn. Noch bleibt genug Zeit, um den Anschluss zu erreichen. Nach ein paar Minuten Landstraße dann die Erlösung: das Ortsschild der großen Kreisstadt. Von hier ist es nicht mehr weit. Und nur wenige Minuten später, um 8.55 Uhr, erreicht der Bus schon den Schwandorfer Bahnhof – fast zehn Minuten früher als geplant.

Der Radweg liegt im Rücken, die letzten Höhenmeter in Richtung Regental müssen hart erklommen werden. Längst im leichtesten Gang angekommen, fühlen sich die letzten Minuten des Anstiegs schier endlos an. Die gleißende Morgensonne arbeitet effektiv daran, die Herausforderung zusätzlich zu erschweren.
In Schwandorf steht der Anschlusszug mustergültig bereit und fährt pünktlich um 9.10 Uhr los Richtung Cham. Es gibt vier Zwischenhalte. Beim Stopp in Roding passiert dann das, was irgendwann ja kommen musste: Der Zug fährt einfach nicht mehr weiter. „Es gibt eine Störung am Gleis, wir müssen erst einmal warten“, erklärt die Zugbegleiterin. Nach zehn Minuten Stillstand setzt sich der Zug wieder in Bewegung. Ohne weitere Zwischenfälle geht es jetzt nach Cham. Um 9.55 Uhr kommt der Zug dort am Bahnhof an.
Abstand nur gering
Noch vor dem unfreiwilligen Halt in Roding beginnt rund zehn Kilometer entfernt der spaßige Teil des Rennens: die rasante Abfahrt über den Radweg nach Zell mit seinem außergewöhnlichen Panoramaausblick. Von einem letzten kurzen Anstieg abgesehen geht es jetzt schnell. Über Trasching und Wiesing führt die Straße in geschwungenen Kurven in Richtung Roding. Autoverkehr? Zu diesem Zeitpunkt nahezu Fehlanzeige. Ein kurzer Blick auf die Uhr: Eine Restchance ist noch da. Parallel zur B85 beginnt der Schlusssprint.

Jetzt muss es schnell gehen, fast zwei Stunden schon unterwegs und trotzdem stehen noch 20 Minuten Fußweg bis zur Redaktion an. Es geht einmal quer durch Cham bis zur Ziellinie. Ein Blick auf die Uhr: 10.15 Uhr Ankunftszeit. Also ziemlich genau zwei Stunden Fahrtzeit. Ob das für den Sieg reicht?
Der Regen zur Linken, am Horizont die Chamer Kirchen: Die letzten Kilometer sind landschaftlich noch mal ein einziges Highlight. Wenig später ist das Ziel erreicht. Kein Kollege in Sichtweite. Ist das jetzt gut oder schlecht? Eine kurze Nachricht bringt Klarheit: Gut eine halbe Stunde fehlt auf die Zugverbindung. Ein Schnitt von 25 Stundenkilometern ist dennoch in Ordnung, dazu kommt ein überraschend schönes Fahrerlebnis.
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Fest steht am Ende zumindest eine Sache: Der Ruf des Schienenersatzverkehrs ist vielleicht ein Stück weit zu schlecht. Bis auf eine Störung am Gleis verlief die Reise ohne Probleme. Im Gegenteil: Pünktlichkeit und Übersicht waren vorbildlich. Dass der Zeitunterschied zum Rennrad trotzdem nur etwas mehr als eine halbe Stunde beträgt, ist aber keinesfalls eine Meisterleistung.
Es lässt sich zusammenfassend sagen, dass die Strecke von Regensburg nach Cham im Nahverkehr schon bei Normalbetrieb eine längere Angelegenheit sein kann. Mit Streckensperrung ist die Reise mit rund zwei Stunden beachtlich. Vor allem wenn typische Probleme wie Gleisstörungen oder Zugausfälle auftreten.
Wer also im Sommer mal etwas mehr von der Natur sehen will, der kann auch mal ohne zu zögern auf das Rennrad umsteigen – viel später wird er sowieso nicht am Ziel ankommen.