Bei Neugründungen weit zurückgefallen: Stottert Regensburgs Wirtschaftsmotor?

Von Christian Eckl · 28. August 2025 um 16:49

Gefühlt ist Regensburg noch immer Boomtown. Trotz aller Probleme wie Verkehr, zunehmende Vermüllung und auch einem Umbruch bei den bisher brummenden Unternehmen wie BMW und Conti. Einer der Indikatoren für eine boomende Stadt ist die Zahl der Neugründungen. Das Bonner Institut für Mittelstandsforschung Bonn (IfM) erstellt jährlich den sogenannten NUI-Index.

NUI steht dabei für Neue Unternehmerische Initiative. Ausgerechnet Regensburg ist, verglichen mit 2019, massiv zurückgefallen: Von Rang 88 aller deutschen Landkreise und kreisfreier Städte auf Platz 150 von etwas mehr als 400. Wie konnte das geschehen?

Das NUI-Ranking beschreibt die Anzahl der neuen Gewerbebetriebe pro zehntausend Einwohner im erwerbsfähigen Alter. „Damit wird zwar Dynamik und Veränderung in den Gewerbeanmeldungen abgebildet, aber nicht qualitativ bewertet und auch Gründungsursache und Motivation sind nicht berücksichtigt“, sagt Toni Lautenschläger, Leiter des Amts für Wirtschaftsförderung der Stadt Regensburg.

Ein Indiz für eine sehr unspezifische Analyse sei zum Beispiel, so Lautenschläger, dass typische mit Innovation, Forschung und Dynamik in Verbindung gebrachte Städte wie Heidelberg, Mainz, Erlangen, Leipzig, Ulm oder Darmstadt ebenfalls nicht besonders gut und eher schlechter abschneiden. „Volatilität und Gründung aus der Not sind hier gegebenenfalls niedriger und der Anreiz zu selbstständiger Tätigkeit eher geringer“, erklärt er.

„Top in Sachen Innovation“

Hinsichtlich innovationsgetriebener Start Ups stehe Regensburg nach wie vor sehr gut da, glaubt der Amtsleiter. Wie Lautenschläger betont, habe das kürzlich veröffentlichte Hochschulgründerranking gezeigt, dass die OTH auf Platz zwei in Bayern liege. Auch laut startup blink stehe Regensburg bei den Start Ups bundesweit auf Rang Platz 34 im Gründungsradar, in West Europa auf 216 und weltweit auf 664. „Das ist für einen Standort unserer Größe schon sehr anständig“, sagt Lautenschläger. Hier werde auch deutlich, dass Regensburg aufgrund seines Innovationsökosystems – er verweist auf die Cluster, die Innovationszentren BioPark und TechBase, die Initiative DGO, die ausgezeichnete Start Up Infrastruktur, die Beratung an den Hochschulen und die zahlreichen Projekte zur Gründungsförderung – nach wie vor sehr attraktiv für junge Gründer sei.

Der Rückgang der Rangposition Regensburgs im aktuellen NUI-Ranking gebe noch Rätsel auf, sagt auch IHK-Präsident Christian Volkmer. „Abschließend lässt sich das derzeit nicht erklären.“ Er verweist auf mehrere mögliche Ursachen: So könnte die Zahl der Gewerbeanmeldungen oder Unternehmensgründungen zurückgegangen sein. Auch Veränderungen in der Erwerbsbevölkerung, die die Kennzahl „Gewerbeanmeldungen pro 10 000 Erwerbsfähige“ beeinflusst, seien denkbar. IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Helmes ergänzt, dass auch technische Verzögerungen eine Rolle spielen könnten. „Solche Verzögerungen sind uns bereits 2022 begegnet.“ Außerdem müsse man berücksichtigen, dass andere Regionen in Bayern zuletzt eine stärkere Dynamik entwickelt hätten. Diese zusätzliche Bewegung habe die Relationen im Ranking verschoben.

Klar sei jedoch, betont Volkmer, dass das Ranking allein die Quantität unternehmerischer Initiative abbilde – und eben nicht deren Qualität. „Ob ein neu gegründetes Unternehmen wirtschaftlich tragfähig ist, ob es innovativ, wachstumsorientiert oder überhaupt langfristig überlebensfähig ist, kann daraus nicht abgelesen werden.“

Auch Helmes weist auf diese Differenz hin: In der statistischen Auswertung werde eine große Unternehmensansiedlung genauso gewertet wie eine kleinere Nebenerwerbsgründung. „Das bedeutet, dass die volkswirtschaftliche Bedeutung einzelner Gründungen kaum sichtbar wird.“

Umso wichtiger sei daher der Blick auf die Start-up-Szene in Regensburg, hebt Volkmer hervor. Diese habe sich in den vergangenen Jahren sehr positiv entwickelt. Auch er ging bei der Beantwortung der Anfrage auf die Start-Up-Dynamik ein und nannte konkrete Zahlen. „Die aktuelle Studie des Deutschen Start-up-Verbands spricht hier eine klare Sprache.“ Demnach seien 2766 Start-ups deutschlandweit im vergangenen Jahr gegründet worden – und Regensburg nehme dabei eine Spitzenposition ein.

Helmes führt weiter aus, dass die Domstadt in Bayern bereits auf Platz zwei liege und sich bundesweit den Top Ten der Gründerstädte nähere. „Das ist Ausdruck eines starken Gründer-Ökosystems, das Regensburg mittlerweile auszeichnet.“

„Stolz auf unsere Gründer“

Hochschulen, Kammern, Technologie- und Gründerzentren sowie Netzwerke in unterschiedlichen Branchen wirkten hier eng zusammen und stellten den jungen Unternehmen umfangreiche Unterstützung bereit. Volkmer sieht in dieser Entwicklung einen Grund zur Zuversicht: „Kein Anlass zur Sorge, im Gegenteil. Wir können sehr stolz sein auf unsere Gründerszene in Regensburg.“

Kein Anlass zur Sorge, im Gegenteil. Wir können sehr stolz sein auf unsere Gründerszene in Regensburg.

Christian Volkmer, IHK-Präsident

Auch ein gewisser Sättigungseffekt könnte übrigens ursächlich sein für das Zurückfallen im NUI-Ranking. Denn auch andere, bisher boomende Regionen sind betroffen. Die Stadt Straubing beispielsweise gilt seit vielen Jahren als Wachstums-Kommune. Doch nun ist sie eine der Kommunen, die über 100 Plätze im Ranking eingebüßt haben – mehr noch als Regensburg also.