Mit Herz und Einsatz: BRK Cham erfüllt schwerkrankem Waldmünchner besonderen Wunsch

Von Mittelbayerische Zeitung · 28. August 2025 um 19:00

Bis vor wenigen Monaten hat Anton Spand aus Waldmünchen im Landkreis Cham seinen Ruhestand genossen wie viele andere Rentner. Er freute sich morgens auf seine Zeitung, war agil und mobil und besonders gerne beim Wandern. Es verging kein Tag, an dem es ihn nicht in die Natur hinauszog.

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Der November 2024 und ein Zeckenbiss mit einer schweren FSME-Infektion veränderten binnen weniger Stunden alles. Der 79-Jährige ist seitdem weitgehend gelähmt und atmet über einen Zugang zur Luftröhre. Seit dem Frühjahr lebt er in der Intensivpflege-WG „Am Regenbogen“ im Meisenweg in Cham.

Zeckenbiss verändert alles

Trotz seiner schwierigen Situation und der extremen Einschränkungen hat der ehemalige Berufsschullehrer, der in Furth unterrichtete, nie aufgegeben. „Für ihn war all das lange Zeit mit der Hoffnung verbunden, dass es wieder besser wird. Natürlich gab es Phasen der Frustration, aber er hatte nie den Wunsch, nicht mehr leben zu wollen. Er hängt am Leben“, erzählen seine Angehörigen.

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Anton Spandl ist kognitiv nicht beeinträchtigt. Er verständigt sich über seine Augen, Mimik und Lippenablesen. Seine Familie ist „sehr froh darüber, dass die Entwöhnung von der Beatmung nach dem künstlichen Koma erfolgreich verlaufen ist“. Weil dem Waldmünchner die Kraft zum Sprechen nicht reicht, erhält er demnächst ein spezielles Kommunikationsmittel, das er über Augenbewegungen steuern kann.

Um Anton Spandl eine Freude zu bereiten und ihm so auf besondere Weise Kraft zu geben, schlug ihm die Familie einen Ausflug vor – mit seiner Frau, die ihn täglich in der Einrichtung in Cham besucht, seinen vier Kindern, einigen seiner sieben Enkel und weiteren Angehörigen. Die Fahrt sollte an den Silbersee führen, an dem der 79-Jährige immer gerne war.

Mein Vater hat sich erkennbar darüber gefreut, dass so etwas möglich ist. Er hat, denke ich, bis zuletzt gar nicht geglaubt, dass das etwas wird.

Anton Spandl Junior

„Wir haben ihm das zwei Monate vorher schon als eine Art Projekt in Aussicht gestellt, auf das wir uns gemeinsam gefreut haben“, berichtet sein Sohn Anton Spandl junior, der für die „Reise“ den BRK-Kreisverband Cham mit dessen Herzenswunsch-Hospizmobil ins Boot holte und dazu Katastrophenschutzleiter Tobias Muhr kontaktierte.

Das Wetter hätte besser sein können, aber der guten Laune beim Ausflug nach St. Englmar tat das keinen Abbruch. Die Aufnahme zeigt Anton Spandl senior mit seiner Frau Resi (2. von links), seinen Töchtern Johanna Spandl (rechts) und Julia Salzberger (5. von links) sowie seinen Söhnen Peter Spandl (2. von rechts) und Anton Spandl junior (3. von links). Mit auf dem Bild seine Enkel Korbinian Salzberger (4. von rechts) und Elisabeth Salzberger (4. von links) sowie Steffi Leihkamm (links), die Freundin von Peter Spandl. Nicht auf dem Foto ist Enkel Emil Spandl. - Foto: Alexander Bock/BRK

Ehrenamtliche Kräfte ermöglichen mit dem Fahrzeug Menschen in fordernden Lebensumständen Unternehmungen, die sonst kaum realisierbar wären, bereiten ihnen Freude oder erfüllen ihnen einen letzten Wunsch.

„Mein Vater hat sich erkennbar darüber gefreut, dass so etwas möglich ist. Er hat, denke ich, bis zuletzt gar nicht geglaubt, dass das etwas wird“, meint der Sohn, den Kollegen auf Angebote wie das Wunschmobil des BRK aufmerksam gemacht hatten.

„Es hat uns gefreut, dem Patienten ein paar schöne Stunden bereiten zu können, auch wenn wir wegen der schlechten Wetterprognosen am Ende kurzfristig umdisponieren mussten und der Ausflug nicht zum Silbersee führen konnte“, erklärt Tobias Muhr, der für den Samstag die Rettungssanitäter Alexander Bock und Phillipp Aschenbrenner als Begleiter gewinnen konnte.

Absage kam nicht infrage

Eine Absage beziehungsweise Verlegung kam nicht in Frage, da eine Tochter von Anton Spandl extra den weiten Weg aus Bonn auf sich genommen hatte. Seine zweite Tochter lebt in Cham, seine Söhne reisten aus Straubing und München an.

Als kurzfristiges neues Fahrtziel fiel die Wahl auf St. Engl-mar. Dort standen der Waldwipfelweg und der 52 Meter hohe Waldturm auf dem Programm. Zwar herrschte an diesem Tag rundum graue Nebeltristesse ohne Aussicht – doch der Freude tat das keinen Abbruch.

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Die Gemeinschaft erlebte viele unbeschwerte Momente, die auch Anton Spandl spürbar guttaten – mit gelösten Gesprächen, Lachen und einem Picknick in luftiger Höhe. „Die Familie hat sich total liebevoll um den Vater gekümmert. Wir konnten uns dezent im Hintergrund halten“, erzählt Alexander Bock, für den es die erste Herzenswunschfahrt war.

Das ist wirklich ein tolles Angebot. Schön, dass es das gibt!

Antons Spandls Familie

Emotionale, berührende Augenblicke spielten sich auf der Rückfahrt ab, als die Ausflügler und die BRK-Kollegen mit dem Herzenswunsch-Hospizmobil die Kirche in Willmering ansteuerten.

Überraschung; Orgelkonzert

Hubert Bauer, ein Freund der Familie, gab dort ein privates Orgelkonzert. Enkel Nepomuk spielte auf dem Horn dazu.

So kehrte der 79-Jährige am Nachmittag erschöpft, aber glücklich in den Meisenweg zurück. „Es war ein schöner Tag für alle Beteiligten“, sagt Alexander Bock in der Rückschau. Wie sein Kollege Phillipp Aschenbrenner hörte er viele anerkennende Worte zu seinem Engagement und zum Herzenswunsch-Hospizmobil des BRK.

„Das ist wirklich ein tolles Angebot. Schön, dass es das gibt!“, betonte Antons Spandls Familie mehrfach.