Modernes Zuhause in alten Bundesbauten: 30 Wohnungen in Parsberg bis Ende 2025

Von Heidi Bauer · 29. August 2025 um 05:00

Vom maroden Altbau zum Vorzeigeobjekt: Die ersten drei Blöcke der Bundesbauten in Parsberg sind fast fertig. Familiengerechte Grundrisse, helle, barrierefreie Räume und bezahlbare Mieten locken neue Bewohner an. Eigentümer, Bauleiter und Architektin sprechen über den Zeitplan. Doch wer kann oder darf sich überhaupt um eine Wohnung bewerben?

Die Bäder sind gefliest, die Duschwannen eingebaut, die Balkone montiert: Die Sanierung der ersten beiden Häuserblocks der Bundesbauten ist weit vorangeschritten, der dritte auf einem guten Weg. 30 Wohnungen sollen ab dem ersten Quartal 2026 bezugsfertig sein, kündigt Eigentümer Joachim Freitag an. Die künftigen Mieter dürfen sich auf bezahlbare Wohnungen mit gehobener Ausstattung freuen.

Wie Freitag erläutert, waren die Bundesbauten in den vergangenen rund siebzig Jahren nie modernisiert. So mussten die meisten Wohnungen bis zuletzt mit Öl-Einzelöfen beheizt werden. „Mangelnde Belichtung, Belüftung und die ungedämmten Außenmauern förderten Schimmelbefall, der Wohnwert befand sich auf niedrigstem Niveau.“

Doch das ändert sich nun: Eigentümer Joachim Freitag, Architektin Beate C. Meusel und Bauleiter Ludwig Holzner der Baufirma Domus gewähren Einblick in den Projektabschnitt 1, der die ersten drei Wohnblocks mit den Häusern 1 bis 6 umfasst. Dort entstehen – bezuschusst über die Einkommensorientierte Förderung (EOF) des Freistaats Bayern – 30 Wohnungen, zehn pro Häuserblock. Die Arbeiten begannen vor rund einem Jahr. Seither wurden die alten Gebäudegrundlegend entkernt, die Dachgeschosse angehoben und mit Seitengiebeln versehen.

Im Loftstil präsentieren sich die Dachgeschosswohnungen der umgestalteten Bundesbauten. Sie verfügen über vier Zimmer und sind für Familien gedacht. - Foto: Heidi Bauer

Diese verleihen den Dachräumlichkeiten Loft-Flair. „Pro Häuserblock konnten wir so zwei große Wohnungen schaffen, die auch für Familien mit Kindern geeignet sind“, sagt Meusel. Diese verfügen neben einem Eltern- auch über zwei Kinder- sowie ein Ankleidezimmer, ein Wohnzimmer mit offenem Küchen- und Essbereich sowie Bad und Gäste-WC mit Waschmaschinen-Anschluss, erklärt Meusel.

Räume mit bodentiefen Fenstern

Helles Licht durchflutet dank der vielen bodentiefen Fenster die großzügigen Räume auf allen Ebenen, in den Wohnräumen liegt Vinylboden in warmer Eichenoptik – „Luxus“, findet Meusel. Großzügig gestaltet sind die Bäder, die mit großen hellgrauen und weißen Kacheln gefliest sind: „Jedes Bad hat ein Fenster, es gibt kein Dunkelbad“, stellt die Architektin heraus.

Ich denke schon, dass wir aus der alten Bausubstanz das Beste rausgeholt haben.

Beate Meusel, Architektin

24 Bestandswohnungen werden saniert, sechs entstehen neu. „Die neuen Wohnungen haben ein bis vier Zimmer und 35 bis 95 Quadratmeter Wohnfläche. Sie sind alle barrierefrei ausgebaut“, erläutert Meusel. In den Erdgeschossen gebe es pro Gebäude an den Giebelwänden zudem rollstuhlgerecht ausgebaute Wohnungen. Rollstuhlgerecht bedeute, so Meusel, dass die Räume breitere Türen und einen Bewegungsradius von 1,20 Metern haben müssen. Das Problem des engen Treppenhauses löste sie dabei mit einem Lift entlang des Treppengeländers.

Mit Wärmepumpen und Photovoltaik

Zur Vorgeschichte: Bereits Im September 2022 hatte Architektin Meusel das Projekt im Parsberger Stadtrat vorgestellt. Es gab Anwohnerproteste, dann wurde es erst einmal still um das Vorhaben, während im Hintergrund der Eigentümer des Areals wechselte und die Planung vorangetrieben wurde. Jetzt sind die Brüder Joachim und Michael Freitag die Bauherrn.

Modern, barrierefrei und in zeitlosen Farben sind die Bäder der neuen Wohnungen gehalten. Architektin Beate Meusel und Bauleiter Ludwig Holzner geben Einblick in die Räume. - Foto: Heidi Bauer

Bei der Planung war es vor allem die Entscheidung für die Heiztechnik, die Schwierigkeiten bereitete, als sich die Idee mit einem Anschluss an ein geplantes Nahwärmenetz der BayWa zerschlug, erinnert Meusel. Jetzt wird das Gebäude laut der Architektin über Wärmepumpen und Photovoltaik auf den Dächern versorgt. Die energetische Sanierung zu den Bundesbauten 1-6 erfolgt mit Mitteln aus dem EFH-55-Standard-Programm. Es gibt eine Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung, um energieeffiziente Wohnungen zu bekommen.

Hersteller dreht Lehrfilm zur Estrichverlegung

„Eine besondere Herausforderung war für uns die Bauweise der 1950er-Jahre“, berichtet die Architektin. Man habe herausfinden müssen, wie belastbar die Statik der Altbauten ist, um diese aufstocken zu können. Das Problem mit den niedrigen Deckenhöhen wurde laut Bauleiter Holzner gelöst, indem besonders dünner Estrich aufgetragen wurde – ein neues Verfahren, zu dem der Hersteller einen Lehrfilm in den Bundesbauten drehte.

Joachim Freitag würdigt die gute Zusammenarbeit mit der Stadt Parsberg, der es am Herzen liege, dass die Menschen schöne und bezahlbare Wohnungen bekommen. Bürgermeister Bauer und dem Stadtrat sei es ein Anliegen gewesen, dass die Bewohner der Bundesbauten nach der Sanierung im Areal bleiben können. So sei die Idee entstanden, einen Teil der Gebäude – die Bundesbauten 1 bis 6 – dem sozialen Wohnungsbau zu widmen.

Parken im Duplex-System

„Das Bau- und Sanierungsvolumen nur an diesen Bauwerken wird rund 6,5 Millionen Euro betragen“, lässt Freitag wissen. „Insgesamt sollen bis zu 85 Wohneinheiten entstehen. Während die Hausnummern 5/6 und 3/4 laut Bauleiter Ludwig Holzner schon fast fertig sind, gibt es beim Block 1/2 noch einiges zu tun.

Die ursprünglich geplanten Tiny-Häuser werden der Architektin zufolge nach derzeitigem Stand nicht umgesetzt. Stattdessen werden an der Darshofener Straße nun Duplex-Garagen entstehen. Diese ermöglichen, dass Fahrzeuge übereinander parken. Durch diese Baumaßnahme können mehr Stellplätze an gleicher Stelle errichtet werden, betont Meuser. Die Ein- und Ausfahrt zum Parkkomplex erfolge nicht mehr zur öffentlichen Straße, sondern intern im Gebiet Zu den Bundesbauten.

Kinderspielplatz zwischen den Gebäuden

Die Stellplätze bekommen ein begrüntes Dach. Die zuerst angedachten gebietsinternen Zu- und Ausfahrten zum Parkkomplex könnten so zu Grünflächen werden. Die Innenhöfe sollen mit viel Grün, Naturwiese und Bäumen versehen werden. Ein Spielplatz solle dazu beitragen, dass diese Bereiche für die Bewohner zu Treffpunkten werden. „Ich denke schon, dass wir aus der alten Bausubstanz das Beste rausgeholt haben“, resümiert Meusel.

Geschichte der Bundesbauten und Voraussetzungen für Mieter

• Urzustand: Auf dem 8269 Quadratmeter großen Areal befanden sich ursprünglich fünf Häuserblocks. Die frühere Sozialbindung ist zwar ausgelaufen, doch der schlechte Zustand der Gebäude sorgte für sehr günstige Mieten.

• Idee: Auf dem gesamten Areal der Bundesbauten sollen 85 Wohnungen entstehen. Dafür sollen die bestehenden Gebäude entkernt, zum Teil aufgestockt und saniert werden.

• Mieter: Die Voraussetzungen für die Wohnungsbelegung der 30 aktuell entstehenden Einheiten unterliegen gesetzlichen Vorgaben, erläutert Joachim Freitag. Mietinteressenten müssen ihm zufolge über einen Wohnberechtigungsschein für Sozialwohnungen verfügen. Die zuständige Behörde ist das Landratsamt Neumarkt.