89 neue Wohnungen: Anwohner wehren sich gegen Mammut-Projekt in Parsberg

Von Günter Treiber · 12. April 2023 um 15:01

Es wird heiß diskutiert über das größte Wohnungsprojekt, das je in Parsberg im Landkreis Neumarkt geplant wurde. Von den 89 Wohneinheiten auf dem Areal der Bundesbauten sind 41 bereits im Bestand, diese werden aber um- und ausgebaut. Den Großteil der Kritik an den Plänen wies die planende Architektin nun zurück.

Zunächst waren die Mitglieder des Bauausschusses am Ort des Geschehens, um sich zu informieren. Ebenfalls haben sich die Anwohner dort eingefunden, die sich aus unterschiedlichen Gründen massiv gegen das Vorhaben wehren.

Bürgermeister Bauer: Parsberg braucht dringend Wohnungen

Im Sitzungssaal war der Zuschauerraum bis auf den letzten Platz gefüllt. Bürgermeister Josef Bauer, der die Sitzung leitete, machte ausdrücklich darauf aufmerksam, dass Parsberg dringend Wohnungen brauche. „Ich verstehe die Anwohner gut“, sagte der Rathauschef, „aber wir machen es uns nicht leicht.“

Das Wort hatte anschließend die planende Architektin Beate Meusel aus Erfurt. Sie schickte ihren Ausführungen des Billigungs- und Auslegungsbeschlusses voraus, dass es Bestand gebe, den man nutzen wolle, indem man zweigeschossige Häuser auf vier Geschosse aufstocke.

In sachlicher Form hat Beate Meusel die Anregungen und Stellungnahmen der Träger öffentlicher Belange in den Abwägungsvorschlag eingearbeitet und dann dem Gremium vorgetragen. Aus der Unteren Naturschutzbehörde gab es großes Lob für die Absicht, die vorgesehenen Flachdächern zu begrünen.

Wohnquartier in Parsberg: Anwohner beauftragt Rechtsanwalt

Zum Thema Öffentlichkeitsbeteiligung hat sich ein Anwohner Marko Zitzelsberger aus der Eichendorffstraße als Sprecher zur Verfügung gestellt, der wiederum Rechtsanwalt Fabian Seidel mit den Einsprüchen beauftragte.

90 Prozent der Einsprüche hat Architektin Meusel mit den zwei Worten „Nicht zutreffend“ beurteilt und dann erklärt, warum. Zitzelsberger war der Meinung, die nähere Umgebung sei geprägt von Einfamilienhäusern, Mehrfamilienhäuser wären dann atypisch.

Meusel dazu: „Die Umgebung in ihrer Gesamtheit ist geprägt von Mehrfamilienhäusern und Reihenhäusern in offener und geschlossener Bauweise.“ Es wurde auch bemängelt, dass die Eichendorffstraße als Erschließungsstraße der nordwestlich im Stadtgebiet liegenden Wohngrundstücke diene. Außerdem sei sie durch parkende Fahrzeuge verengt, so dass Schulkinder auf die Straße ausweichen müssten.

Bundesbauten in Parsberg: Kritik an geplantem Eckhaus mit vier Stockwerken

„Nicht zutreffend“, erwiderte Meusel auch hier, da die Eichendorffstraße einen normalen Regelquerschnitt besitze und Fahrzeuge nur gelegentlich dort parkten. Und so ging es von Punkt zu Punkt weiter. Auch das „zu hohe“ Eckhaus mit vier Stockwerken wurde kritisiert. Die Stadträte Josef Hierl und Martin Beiderbeck meinten, dass man da doch etwas ändern sollte. Meusel machte den Vorschlag, das obere Stockwerk zu versetzen, da bei einem dreigeschossigen Haus ein Aufzug nicht mehr wirtschaftlich sei.

Zum Abschluss des Vortrages von Architektin Meusel sagte Stadtrat Friedrich Loré: „Ich würde mir wünschen, dass es eine so korrekte Planung in Parsberg öfter gibt.“ Der Vorschlag für den Abwägungsbeschluss ging mit zwei Gegenstimmen an den Stadtrat und für die Satzung mit drei Gegenstimmen.

„Wir sind seit Jahren unterwegs, um Flächen für die Windenergie zu finden“, sagte Bauer eingangs zum Punkt Bauleitplanung und Aufstellung eines Teilflächennutzungsplans „Windenergie“. Der Bürgermeister weiß nach eigener Aussage, dass man dringend Flächen dazu benötige, aber Parsberg in seinen engen Grenzen dabei arm dran sei. „Ich werde Flächen melden und abwarten, was daraus wird“, erklärte der Bürgermeister.

Freibad Parsberg: Liegefläche wird mit Betonplatten ausgelegt

Das Freibad, so hat auch unsere Zeitung schon berichtet,öffnet 2023 seine Tore nicht. Das Wetter hat die Sanierungspläne weit nach hinten verschoben. Der Stadtrat nutzt diese längere Sanierungszeit, um weitere Maßnahmen aufzunehmen. So sollen entlang der drei Becken die Winkelstützen erneuert werden und die darauf befindlichen Liegeflächen mit Betonplatten ausgelegt werden. Zudem sei vorgesehen, erklärt Bauer, Flachdächer im Bereich der Terrasse und des Wellenbeckens zu erneuern.

Unter den 14 Bauanträgen war auch der Umbau des einstigen Krankenhauses in ein „Haus der Pflege und Soziales“ zu finden, dem das Gremium einhellig zustimmte.

Die Sanierungsarbeiten am Parsberger Freibad dauern länger als geplant. -Foto: Günter Treiber