Vizeweltmeister aus Neumarkt: Klebl-Stahlbetonbauer Louis Ritschel startet bei EM

Von Peter Romir · 27. August 2025 um 15:00

Der 20-jährige Louis Ritschel hat seine Koffer gepackt: Vom 9. bis 13. September wird der Klebl-Mitarbeiter im dänischen Herning sein, um sich bei den EuroSkills mit den besten Stahlbetonbauern Europas zu messen.

Bei der Berufsmeisterschaft treten über 600 junge Handwerker in 38 Disziplinen an: von Floristen über Landschaftsgärtner bis zu Bäckern. In Ritschels Disziplin, dem Stahlbetonbau, geht es darum, unter Zeitdruck möglichst präzise Wände oder Decken zu fertigen.

Neumarkter wurde Vize-Weltmeister bei WorldSkills 2024

Dass er das kann, hat der 20-Jährige schon unter Beweis gestellt: Im vergangenen Jahr trat er bei der Weltmeisterschaft in Lyon an. Dort belegten er und sein Teamkollege, Ali Lamain aus Stuttgart, den zweiten Platz.

Die beiden bilden nun auch wieder das Team für die Europameisterschaft, worüber sich Ritschel sehr freut: „Wir haben viele gemeinsame Trainingsstunden hinter uns und vertrauen uns blind.“

Gerade ist er vom letzten Training zurück und vorsichtig optimistisch, was den Wettbewerb angeht: „Wir haben Routine, aber die Konkurrenz ist gut und oft sind es Kleinigkeiten, die über den ersten Platz entscheiden.“

Als besondere Stärke seines Zweierteams sieht er die Fähigkeit zur Improvisation: „Das ist typisch für uns Deutsche, dass wir im Moment reagieren können. Die Asiaten proben dagegen meist genaue Abläufe und haben dann Schwierigkeiten, wenn etwas Unvorhergesehenes passiert.“

Die starken Teams aus Fernost fehlen bei der EM natürlich – und auch sonst ist das Teilnehmerfeld überschaubar: Statt zehn Nationen, wie bei der WM, treten hier nur vier an. „Das liegt daran, dass Stahlbetonbauer in vielen Ländern kein eigener Ausbildungsberuf ist“, erklärt Ritschel. Dennoch sei mit Österreich ein in der Vergangenheit sehr erfolgreicher Konkurrent am Start, dem sich auch Ritschel und Lamain bei der WM geschlagen geben mussten.

Allerdings schickt Österreich diesmal nicht die WM-Sieger, sondern ein komplett neues Duo – da der Wettbewerb ausdrücklich für Berufsanfänger gemacht ist. Dass Ritschel dennoch ein zweites Mal startet, hat einen besonderen Grund: In Deutschland haben viele Betonbauer vorher noch eine andere Ausbildung abgeschlossen oder steigen nach dem Abitur in den Beruf ein. Dadurch überschreiten sie die EM-Altersgrenze von 25 Jahren. „Und so dürfen wir noch mal ran.“

Botschafter für die Region Neumarkt

Im Neumarkter Firmensitz werden schon jetzt die Daumen gedrückt: „Uns macht es wahnsinnig stolz, dass wir so einen engagierten, jungen Mitarbeiter in unseren Reihen haben“, sagt Firmenchef Johannes Klebl. „Er ist damit auch ein Werbeträger für den Beruf des Stahlbetonbauers und ein Botschafter für unsere vom Baugewerbe geprägte Region.“