Fährtenleser der Urzeit: Hendrik Klein aus Neumarkt ist Experte für Dinospuren

In Ostbayern hat es vor mehr als 200 Millionen Jahren Vorfahren der Dinosaurier gegeben – dafür gibt es Beweise. Sie sind Hendrik Klein aus Pelchenhofen quasi direkt vor die Füße gefallen. Der Neumarkter hatte auf einer Wanderung versteinerte Fußspuren gefunden – und sofort erkannt, welchen Schatz er entdeckt hatte. Denn Klein ist urzeitlicher Fährtenleser und will seine Funde in einem Museum ausstellen. Doch das birgt Hindernisse.
Klein untersucht die Spuren beziehungsweise Hinterlassenschaften urzeitlicher Tiere. Die Funde aus Ostbayern und anderen Teilen der Welt will er in einem Museum in der Region Neumarkt zugänglich machen. Doch es gibt eine entscheidende Hürde. Für das paläontologische Museum ist er auf der Suche nach Räumlichkeiten. Rund 400 bis 500 Quadratmeter sollen sie groß sein – und in kommunaler Hand.
Denn so könnte die jeweilige Stadt oder Gemeinde die Räume kostenfrei zur Verfügung stellen, betreiben würde das Museum der Verein Saurierwelt Paläontologisches Museum Neumarkt. Ein Museum zum Anfassen soll es sein – für kleine Kinder, Schulklassen, interessierte Laien, aber auch für Forschende aus aller Welt. Derzeit sind die möglichen Exponate in Parsberg eingelagert.

Hendrik Klein hat sich vor allem auf die Spuren von sogenannten Chirotheriern, zu deutsch „Handsauriern“ spezialisiert. Sie sind die gemeinsamen Vorfahren der Dinos und Krokodile - auch Archosaurier genannt – und hatten in der Regel fünf Zehen, bevor sie sich später teils zu dreizehigen Raubsauriern entwickelten oder zu den fünfzehigen Krokodilen, wie wir sie heute kennen. Der Ichnologe ist ein weltweit anerkannter Experte auf seinem Gebiet. Er reist um den ganzen Globus, um sich Funde von Dinospuren anzusehen und sie zu sichern.
Warum in der Vergangenheit graben? Rückschlüsse auf Gegenwart
Auf Nachfrage erklärt er auch, warum es für die Gegenwart und die Zukunft so wichtig ist, Millionen Jahre alte Tiere und ihre Spuren zu untersuchen. Wenn er zu einer Fundstelle kommt, arbeitet er nicht allein. Experten für andere urzeitliche Lebewesen und Pflanzen sowie Geologen und weitere Wissenschaftler erstellen ein möglichst ganzheitliches Bild über Flora und Fauna der jeweiligen Region und Zeit. Was haben die Tiere dort gefressen? Welche Pflanzen wuchsen dort? Wie waren die klimatischen Verhältnisse und Umweltbedingungen?
Das lässt erstens Rückschlüsse darüber zu, wie sich die Region im Laufe der Jahrtausende ohne den Menschen verändert hat – und zweitens Rückschlüsse darüber, wie sie sich durch den Eingriff des Menschen in Zukunft verändern könnte. Klein war schon an Fundorten auf nahezu allen Kontinenten der Erde – zuletzt in Marokko, Jordanien, New Mexico und Arizona, aber auch in China oder in der Schweiz.
Dort waren zum Beispiel Spuren von Chirotheriern in alpinem Gelände an einem Steilhang gefunden worden, die es zu sichern galt. Die Bewegungen der Erdplatten hatten das ehemals flache Gelände durch Gebirgsbildung aufgeschoben und so zu einem Steilhang werden lassen.

Und wie an allen Fundorten musste sich das Grabungsteam richtig ins Zeug legen – in diesem Fall an Kletterseilen hängend und im Team mit einem erfahrenen Bergsteiger. Wie lange Hendrik Klein an einem Projekt arbeiten kann, hängt in der Regel vom Budget ab, das Museen für Ausgrabungen zur Verfügung stellen. Daher gilt es bei jedem einzelnen Projekt, so schnell wie möglich so viele Spuren wie möglich zu dokumentieren und zu sichern.
Die Forscher erstellen Abdrücke oder Abgüsse aus Latex oder Silikon, 3-D-Modelle, die anhand Hunderter Fotos am Computer entstehen und dann später genauer analysiert werden können. Klein kann anhand der Modelle und Daten zum Beispiel Größe und Gewicht des jeweiligen Tieres sowie die Hautstruktur und Gangart bestimmen. Er kann sogar sagen, mit welcher Geschwindigkeit das jeweilige Tier sich vor so vielen Millionen Jahren bewegt hat und manchmal auch, ob das Tier in einer Herde oder alleine unterwegs war.
„Lebenslänglich“ für Klein
Die meisten Spuren finden die Forscher in damaligen Uferbereichen. Dort hinterließen die Dino- und Krokodilvorfahren ihre Spuren im feuchten Lehm. Der trocknete dann, wurde fest und wenn dann Wasser Sand und andere Ablagerungen über den Fußabdruck schwemmte, war die Spur gesichert und verewigt – bis Forscher wie Hendrik Klein kommen. Oft sind die Spuren Zufallsfunde von Bergsteigern oder Wanderern.
Ich werde das wohl lebenslänglich machen.
Hendrik Klein, Ichnologe aus Neumarkt
Dass Hendrik Klein überhaupt in dieser sehr speziellen Unterdisziplin der Paläontologie gelandet ist, hat er einem Kollegen zu verdanken. Denn Klein hatte sich zunächst dem Studium von Eiszeit-Säugern verschrieben – und war als junger Mann auf einer geologischen Exkursion nahe Bayreuth unterwegs, um genau diese Tiere zu untersuchen, als er plötzlich im Sandstein auf eine Dinospur stieß. Er kontaktierte einen damaligen Spezialisten und analysierte mit ihm zusammen die Spur – bis es um ihn geschehen war, wie er heute mit einem Augenzwinkern verrät.
Mittlerweile ist Hendrik Klein 70 Jahre alt – und könnte sich längst zur Ruhe setzen. Auf die Rente hat er allerdings keine Lust: „Ich werde das wohl lebenslänglich machen“, sagt er mit dem Verweis auf sein Museum, das er zusammen mit seinen Mitstreitern vom Verein Saurierwelt Paläontologisches Museum Neumarkt unbedingt noch verwirklichen will. Denn das Interesse aus der Forschungswelt daran ist bereits riesengroß. Jetzt muss er nur noch einen Bürgermeister von seiner Idee überzeugen.
Das Museum
• Ausstellung: Im Museum sollen nicht nur Spuren gezeigt werden. Vielmehr sollen die Besucher Skelette und Lebend-Rekonstruktionen und sogenannte Dioramen vorfinden. Das sind dreidimensionale Schaufenster, die die Landschaft so darstellen, wie sie vor mehr als 200 Millionen Jahren ausgesehen haben könnte. Besucher erfahren damit nicht nur, wie die Tiere selbst ausgesehen haben, sondern auch, in welcher Welt sie gelebt haben.
• Region: Auch die Entwicklung des Oberpfälzer Jura soll dargestellt werden. Oberpfälzer sollen bildlich vor Augen geführt bekommen, wie sich ihr Lebensraum vom Ende des Perm – der Zeit des Aussterbens sehr vieler Arten – bis in die Jurazeit vor rund 142 Millionen Jahren entwickelt hat. Denn die Oberpfalz befand sich damals am Rande eines flachen Meeres.
• Experimente: Familien und Schulkinder sollen im Museum die Gelegenheit zum Experimentieren bekommen. Sie sollen nachvollziehen können, wie die Spuren der Urtiere entstanden und für Millionen von Jahren konserviert worden sind. Museumsinitiator Hendrik Klein ist die Zusammenarbeit mit Schulen wichtig. Er bietet vielseitige Anleitung zu forscherischer Tätigkeit von Kindern an.
• Vorträge: Darüber hinaus sind wechselnde Ausstellungen sowie Vorträge für Laien und wissenschaftlich tätige Geologen und Paläontologen geplant.