Vom Schlosser zum Lufthansa-Pilot: Buchberger flog Lagerfeld, Beckenbauer und Co.

Von Wolfgang Endlein · 25. August 2025 um 05:00

Was Peter Krause aus Buchberg (Gemeinde Sengenthal, Landkreis Neumarkt) in einem Leben erlebt hat, würde bei anderen für mehrere reichen. Seinen bewegten Lebenslauf sieht der 86-Jährige als eine Motivation für Jüngere, daran zu glauben, dass insbesondere beruflich vieles möglich ist. Dass es dafür geistige Flexibilität und eine zupackende Art braucht, auch dafür ist Krause bis zum heutigen Tag ein Beispiel. Das Leben hat ihn darauf trainiert. Denn Veränderungen hat Krause einige erlebt.

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Das begann mit der dramatischsten Veränderung in seinem Leben, auch wenn er selbst das als Kind nicht so wahrgenommen hat, wie Krause erzählt. Statt wie viele Hunderttausende andere in einem Flüchtlingstreck auf verschneiten Straßen saß der fünfjährige Peter in einem der letzten Züge, um im Januar 1945 vor der anrückenden sowjetischen Armee aus Königsberg (heute Kaliningrad) zu fliehen.

In der neuen Heimat Sachsen musste sich der kleine Peter wie viele Hunderttausende neu ausrichten. Die Grundschule in der DDR hat er in guter Erinnerung behalten – trotz der für die damalige Zeit vielerorts üblichen, aber im Vergleich zu heute spartanischen Umstände des Unterrichts: Zwei Klassen waren in einem Raum. Statt auf Papier schrieben die Schüler auf Schiefertafeln. „Wir sind trotzdem nicht dumm geblieben“, sagt Krause. Vielmehr erinnert er sich gerne an seine Zeit unter anderem in Weimar mit Goethe, Schiller und dem Bauhaus vor der Tür.

Heutiger Sengenthaler ging einst von der DDR in die BRD

Doch die nächste Veränderung bahnte sich an. Klassenbester sei er gewesen, aber nach der achten Klasse durfte er dennoch nicht auf die Oberschule. Ob es an politischen Äußerungen seines Großvaters gelegen hat? Herausfinden werde man das wohl nie, sagt Krause, der sich stattdessen einmal mehr örtlich veränderte.

Um das Gymnasium besuchen zu können, zog er 1953 zu seinem Vater nach Würzburg. Die Eltern hatten sich schon 1942 getrennt. Doch mit dem Vater habe es nicht gepasst, erinnert sich Krause. Weil es für seine Mutter wie für viele andere in der DDR auch nicht mehr gepasst hatte, war sie nach Frankfurt am Main gegangen. 1956 folgte ihr Krause mit der Mittleren Reife in der Tasche, gewillt wie der Großvater zur See zu fahren. Dazu habe es eine praktische Ausbildung in einem seefahrttauglichen Beruf gebraucht, sagt Krause. Er schloss eine Lehre zum Maschinenschlosser ab – mit Auszeichnung, wie er stolz betont.

Die See wurde es dennoch nicht. Stattdessen die Luft. Schon als Schüler habe er davon geträumt, Pilot zu werden. Diesen Traum reaktivierte Krause und bewies dabei, was ihn zeitlebens begleitete: Chance erkennen und zupacken. Prüfungsangst scheint Krause dabei nie gehabt zu haben. Der fünftägige Auswahlprozess bei der noch jungen Bundesluftwaffe war nur eine von vielen Prüfungen in seinem Leben, die er absolvierte.

Um eines habe er sich nie gesorgt, sagt Krause: die eigene Fitness. Der begeisterte Sportler fand Training und Ausgleich zum teils stressigen Beruf in Marathonläufen, Weitwanderwegen und ausgedehnten Rennradtouren.

1959 begann die soldatische Karriere, die ihn zum Jet-Piloten machte und später zum Fluglehrer bei der Bundeswehr. 1965 kam eine weitere Chance auf Veränderung, die Krause ergriff. „Fluglehrer war mir auf Dauer zu eintönig“, erinnert er sich, warum er sich bei der Lufthansa bewarb. Wieder musste sich Krause, obwohl erfahrener Militärflieger, in einer Prüfung beweisen. Mit Erfolg.

Gorbatschow, Steffi Graf und andere Promis flogen mit Sengenthaler

Es folgte einmal mehr in Krauses Leben eine Ausbildung. Als Pilot auf diversen Passagierjets von Boeing und Airbus umflog er mehrfach die Erde. Auf 14 500 Flugstunden summiert sich sein Leben als Pilot, hat er errechnet. „Es war eine Pionierzeit“, sagt Krause. Der Einstieg in das Jet-Zeitalter und von analoger auf digitale Technik im Cockpit.

In einem Büchlein hat der Buchberger Peter Krause die prominenten Gäste bei seinen Flügen gesammelt und unterschreiben lassen. Franz Beckenbauer gehörte ebenso dazu. - Foto: Wolfgang Endlein

Gut in Erinnerung ist ihm der abenteuerliche Anflug auf den Flughafen von Kathmandu in Nepal geblieben, inklusive Warteschleife über dem Mount Everest. Und dann gibt es da noch das kleine rote Büchlein. Es beinhaltet die Erinnerungen an die vielen bekannten Gäste, die Krause geflogen hat. Franz Beckenbauer, Michail Gorbatschow, Steffi Graf, die Mannschaft des FC Bayern, Otto, diverse Kanzler und andere bekannte Politiker: 117 haben sich mit einer Unterschrift, einem kleinen Text oder, wie Modedesigner Karl Lagerfeld, sogar mit einer kleinen Zeichnung darin verewigt.

Karl Lagerfeld hat der frühere Lufthansa-Pilot Peter Krause aus Buchberg (Gemeinde Sengenthal) als besonders interessanten Fluggast in Erinnerung behalten. Der Modedesigner trug sich mit einer kleinen Zeichnung in das Gästebuch ein. - Foto: Wolfgang Endlein

Überhaupt Lagerfeld: Der Flug von Frankfurt nach Paris ist Krause besonders in Erinnerung geblieben. Damals sei es noch erlaubt gewesen, Passagiere in die Pilotenkabine einzuladen. „Wir haben uns angeregt unterhalten“, sagt Krause beim Blick auf die Unterschrift Lagerfelds, die dieser um „Ein wunderbarer Flug“ und ein gemaltes Flugzeug ergänzt hat.

Von 1996 bis 2014 war Krause Gemeinderat in Sengenthal

Bis 1994 flog Krause, dann griff die Altersregel bei Lufthansa-Piloten. Als 55-jähriger Pensionist musste er sich erneut neu ausrichten. Er tat es in Buchberg, wo er 1977 mit seiner aus Neumarkt stammenden Frau ein Haus bezogen hat. Von seiner Terrasse aus blickt er auf die grünen Hügel rund um Sengenthal, das er ab 1996 kommunalpolitisch mitgestaltete. Krause wurde Gemeinderat und stürzte sich mit der ihm eigenen Konsequenz in die bis 2014 währende Aufgabe.

Sein Lebenslauf könne Inspiration für insbesondere junge Menschen sein, Chancen zu sehen und beherzt zu ergreifen, sagt Krause und fügt überzeugt an: Zumal es heute im Vergleich zu früher noch mehr berufliche Möglichkeiten als zu seiner Jugendzeit gebe.