Spatenstich in Regensburg: Auf dem früherem Kasernengelände ziehen bald Familien ein

Die Stadtbau errichtet die ersten 200 bezahlbaren Wohnungen auf dem Areal der Prinz-Leopold-Kaserne im Regensburger Osten. Langfristig sollen es 600 werden. Für die EOF-geförderten Wohnungen können sich auch Familien mit gutem Verdienst bewerben. Zahlreiche Rückschläge, vom vermeintlichen Bombenfund bis zu den Preissteigerungen durch den Ukrainekrieg, bremsten das Bauvorhaben.
Das nachhaltige Herz des neuen Wohngebiets, die Energiezentrale, wächst schon in die Höhe. Bald werden die ersten 205 geförderten Wohnungen, Kita, Seniorenbetreuung und Gewerbeeinheiten folgen. Nach herben Rückschlägen, die viel Zeit gekostet haben, entsteht in der Zeißstraße im Stadtosten das innovativste Regensburger Quartier. Am Dienstag haben Stadt und Stadtbau GmbH mit zahlreichen Gästen den ersten Spatenstich auf dem früheren Gelände der Prinz-Leopold-Kaserne gefeiert.
Stadtbau-Geschäftsführer Götz Keßler brachte ein Modell der fünf- bis sechsstöckigen Häuser mit: Hohe Fenster lassen viel Licht ein. Jede der – bezahlbaren – Wohnungen besitzt einen Freisitz auf Balkon oder Terrasse. In die Erdgeschosse ziehen Dienstleister und Geschäfte. Die Fertigstellung des ersten Bauabschnitts ist für Juni 2027 geplant. Insgesamt errichtet die Stadtbau auf dem Gelände rund 600 Wohnungen. Auch Genossenschaften werden dort bauen.
Schwere Rückschläge
„Wir setzen ein starkes Zeichen für Regensburg“, sagte Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer. Im Herbst 2008 wurde der Bundeswehrstandort Prinz-Leopold-Kaserne aufgelöst. Das war eine Chance für die Stadt. 2019 kaufte die Kommune das Grundstück. „Hier im Stadtosten existiert eines der größten Potenziale für die Stadtentwicklung“, sagte die OB.

Für Götz Keßler markierte der Spatenstich nicht nur den Baustart. Vielmehr war er das Ergebnis harter Arbeit in viereinhalb Jahren. Bis Juni 2025 sollten schon fertige Häuser in dem CO2-freien Vorzeigeviertel mit insgesamt 155 000 Quadratmetern stehen. Doch zahlreiche Rückschläge machten der Stadtbau das Leben schwer. Ein vermeintlicher Bombenfund, die Corona-Zeit, der Wegfall der KfW-Förderung und massiv steigende Baupreise bremsten das Vorhaben. Die Stadtbau musste umplanen.
Die Untergeschosse fielen weg. Teile der Wohnhäuser werden seriell errichtet. Die verschiedenen Badtypen für die über 200 Wohnungen wurden auf vier reduziert, um zu sparen. Trotzdem werde die architektonische Qualität hoch sein, versprach Keßler.

Das Innovationsquartier steht nicht nur für bezahlbares Wohnen durch einkommensorientierte Förderung (EOF), sondern auch für eine nachhaltige Holz-Beton-Hybridbauweise, Photovoltaik und ein Energienetz für Wärme, Kühlung und Strom. Im Quartier werden kaum Autos rollen. Es wird aber eine fußgänger- und fahrradfreundliche Infrastruktur und eine gute Nahversorgung bieten.
„Ab 2027 stehen hier jährlich 200 weitere, neu zu beziehende Wohnungen“, sagte der Stadtbauchef. „Dieses Projekt ist der Beleg dafür, was möglich ist, wenn sich alle einsetzen für bezahlbares Wohnen und eine lebenswerte Stadt.“ 3800 Namen reihen sich aktuell auf der Warteliste der Stadtbau. Keßler kündigte an, dass aber vor allem EOF-III-Wohnungen für Familien hochgezogen werden. Dazu zählen auch Gutverdiener. Der Hintergrund: Die Stadttochter will ein sozial gemischtes Quartier schaffen.
60 Millionen vom Freistaat
Der bayerische Bauminister Christian Bernreiter stellte fest, die Stadt investiere 95 Millionen Euro. „Wir werden das gesamte Projekt mit mehr als 60 EOF-Millionen fördern.“ Er ging auf die Gehaltsgrenzen ein. Eine Familie mit zwei Kindern dürfe bis zu 102 000 Euro brutto verdienen, um die Chance auf eine EOF-III-Wohnung zu haben. Bernreiter lobte die Holzhybrid-Bauweise und die Nutzung von recyceltem Baustoff. Der Freistaat unternehme alles dafür, dass der freifinanzierte Wohnungsbau wieder anziehe. Es werde etwa eine Förderung für selbst genutzte Neubauwohnungen kommen, kündigte Bernreiter an.

Vorsitzender Burkard Wiesmann vom sonst sehr kritischen Bürgerverein Süd-Ost freute sich über den Spatenstich. Natürlich werde das Viertel eine Bereicherung für den Stadtosten. „Auch vom Konzept her, was Nachhaltigkeit und den sozialen Mix betrifft, entspricht alles unseren Wünschen.“ Landtagsabgeordneter Jürgen Mistol, wohnungspolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion, begrüßte den Baustart ebenfalls. „Wir kämpfen, dass die Staatsregierung die EOF-Mittel erhöht, damit auch die nächsten Abschnitte realisiert werden können.“