Ohne Erbschaft ist es extrem schwierig: Immobilienkauf in Regensburg auch für Gutverdiener schwer

Bei den Mittelstädten sind nur wenige teurer als Regensburg. Zugleich ziehen viele Menschen zu. Die Konkurrenz bei Besichtigungen ist groß. Manche Interessenten bieten sofort mehr Geld, als der Makler ursprünglich verlangte.
Es bleibt schwierig, eine bezahlbare, attraktive Immobilie in Regensburg zu finden. Das räumt auch die Studie „Wohnen in Deutschland 2025“ der Sparda-Bank vom August ein. Regensburg zählt zu den teuersten Mittelstädten mit mehr als 100.000 Einwohnern. In dieser Kategorie sind nur Freiburg, Heidelberg und Potsdam bundesweit noch kostspieliger. Für eine gebrauchte Wohnung müssen Käufer in Regensburg laut Sparda mit durchschnittlich 4870 Euro je Quadratmeter rechnen.
Bei einer Doppelhaushälfte aus dem Bestand sind es rund 655.000 Euro und bei einem Einfamilienhaus bis zu 1,2 Millionen Euro. Die letzteren Zahlen hat der Immobilienverband Deutschland Süd (IVD) in seinem Cityreport Regensburg vom Frühjahr vorgelegt. Seit dem Vorjahr ziehen die Preise wieder an.
„Vieles ist überteuert“
Max und Hanna Berger, die seit März ein Haus in Regensburg oder dem Speckgürtel suchen, sind inzwischen ein wenig desillusioniert. „Es ist extrem schwierig, wenn man nicht eine Erbschaft oder eine andere Unterstützung von den Eltern hat“, sagt der 32-jährige Softwareentwickler. Die Nachfrage sei immens. „Viele Häuser sind überteuert.“ Dabei kann man das Ehepaar durchaus als Gutverdiener bezeichnen: Hanna Berger (31) arbeitet als Medizinerin am Universitätsklinikum und Max Berger ist Softwareentwickler bei der BSH Hausgeräte Gruppe. Weil sie Privates preisgeben, wollen die beiden Regensburger nicht ihren richtigen Namen in der Zeitung lesen. Das Paar mit Baby will bis zu 750 000 Euro investieren. Mehr als 50 Angebote haben sie bisher erhalten.
Warum wollen sie eine Immobilie kaufen? „Für uns ist es eine Art Lebenstraum“, sagt Max Berger. Auch seine Eltern hätten irgendwann den Schritt ins Eigenheim geschafft. „Man ist unabhängig von einem Vermieter und kann sich gestalterisch austoben.“ Die Sparda-Studie stellt fest, dass knapp ein Viertel der Mieter unter 50 Jahren plant, eine Immobilie zu erwerben. Die wichtigsten Argumente: Einem Eigentümer kann nicht gekündigt werden. Viele sehen den Haus- oder Wohnungskauf auch als Altersvorsorge.
Mehr als zehn Immobilien haben die Regensburger besichtigt. Ein Schwabelweiser Einfamilienhaus von 1960 war mit 530 000 Euro bezahlbar. „Bei dem Preis haben wir schon überlegt“, sagt Max Berger. Doch das Alter und die Nähe zur Durchgangsstraße schreckte sie ab. Ein luxuriöses Reihenhaus am Brandlberg von 2014 mit einem 300 Quadratmeter großen Grundstück, Pool und Solaranlage sagte der jungen Familie zu. Der Preis von 900 000 Euro schockierte sie. In Burgweinting sind sie auf ein „tolles Haus“ mit einem fast 600 Quadratmeter großen Garten von 1972 gestoßen. Auch finanzierbar war es mit 590 000 Euro. Doch letztendlich erwies sich die Wohnfläche von 120 Quadratmetern doch als zu klein und die Lage in zweiter Reihe wegen der engen Zufahrt als schwierig.
Die Konkurrenz bietet mehr
Bei dem Paar haben sich durch die Bank ältere Leute gemeldet, die meist in die Jahre gekommene Immobilien anboten. Softwareentwickler Berger wäre dazu bereit, so ein Haus zu sanieren, seine Frau eher nicht. „Da kommt Arbeit auf einen zu. Es geht oft um die Heizung, die energetische Sanierung. Das sind größere Geschichten.“ Wahrscheinlich würden sie irgendwann vor der Entscheidung stehen, weiter draußen zu bauen, etwa in Bernhardswald, sagt er. „Oder man nimmt ein Haus aus den 70er-Jahren und saniert.“
Laut Sparda-Studie kommt für rund zwei Drittel der Mieter mit Kaufwunsch eine sanierungsbedürftige Immobilie in Betracht. Vielen bleibt wohl nichts anderes übrig, wenn sie unbedingt Eigentum erwerben wollen. Max Berger sagt: „Vermutlich wäre es klüger, zu mieten. Die Zinsen sind ja auch einigermaßen hoch.“ Man müsse genau rechnen.
Die Familie hat sich noch nicht entschieden, doch eine Doppelhaushälfte im Westen aus den 90er-Jahren für 625 000 Euro würde sie gerne haben. Leider entwickelt sich wegen der großen Konkurrenz eine Art Bieterwettstreit.
Schon am ersten Tag meldete der Makler vier Zusagen. Zwei Bewerber seien bereit, mehr als den geforderten Preis zu bezahlen. Dann hätten Max und Hanna Berger vorerst nur noch eine Option: eine Doppelhaushälfte in Neutraubling für 795 000 Euro. „Wir hoffen, dass sie noch etwas runtergehen.“
Immerhin: Für viele lohnt sich ein Kauf zumindest psychisch. In der Sparda-Studie heißt es, nahezu alle Befragten, die in einer eigenen Immobilie wohnen, sind zufrieden. Bei Mietern gilt das dagegen nur eingeschränkt.
Regensburg ist nach wie vor begehrt
Regensburg hat im Westen Deutschlands die höchste Zuwanderung von 18- bis 30-Jährigen: Der Wanderungssaldo (Zuzüge minus Wegzüge) beträgt 79 je 1000 Einwohner im Jahr. Das stellt die Studie „Wohnen in Deutschland 2025“ der Sparda fest. Gründe sind das breite Ausbildungs- und Kulturangebot. Viele 30- bis unter 50-Jährige wechseln dagegen ins Umland. Im Osten zieht natürlich Berlin mehr junge Leute an.
Entwicklung bis 2040: Die Regensburger Einwohnerzahl wird bis 2040 um fünf Prozent zulegen. Die Stadt bleibt attraktiv, die Wohnpreise bleiben hoch.
Wünsche an den Bund: 81 Prozent der Deutschen fordern ein Gegensteuern bei steigenden Mieten. 69 Prozent erwarten, dass Berlin die Baugenehmigungen beschleunigt, 54 Prozent wollen, dass die Grunderwerbssteuer gesenkt oder gestrichen wird.