„Premiere dahoam“ für Film mit „Gangerl“: Hauptdarsteller und Macher sind mit dabei

In der ganzen Welt ist der Rodinger Wolfgang „Gangerl“ Clemens nun seit 40 Jahren unterwegs, am Freitag steht für ihn nur eine sehr kurze, aber doch besondere Reise an: Im Chamer Cine-World feiert der Dokumentarfilm „Ausgstign“, der tiefe Einblicke in das Leben des 84-Jährigen und beeindruckende Naturaufnahmen bietet, um 19.30 Uhr seine „Premiere dahoam“.
Neben „Gangerl“ selbst werden unter anderem die Filmemacher Julian und Thomas Wittmann sowie einige Ehrengäste mit dabei sein, wenn der knapp 90-minütige Film auf der Leinwand läuft.
Bereits seit 7. August sind der Weltenbummler und die Filmemacher in verschiedenen Kinos in ganz Bayern unterwegs, um den Film vorzustellen und auch Fragen der Zuschauer direkt zu beantworten. Die Resonanz sei dabei durchweg positiv, berichtet Rainier Ramisch, Manager und Begleiter von „Gangerl“: „Wir haben noch nichts Negatives gehört.“ Die Säle seien voll und die Zuschauer blieben auch nach dem Filmende sitzen, um den Machern und dem Hauptdarsteller viele Fragen zu stellen.
Vorprogramm ab 18.30 Uhr
Nach Cham zu kommen sei noch einmal etwas Besonderes – mehr Heimspiel gehe fast nicht: „Gangerl freut sich sehr auf die Premiere dahoam, wo auch einige Ehrengäste dabei sein werden“, sagt Ramisch.
Das Programm beginnt am Freitag um 18.30 Uhr, Josef Menzl wird in kleiner Formation für passende Musik sorgen. Gegen 18.45 Uhr kommen Clemens mit seinem alten Bugatti sowie das Filmteam in Cham an. Danach folgt eine kleine Moderation auf der Bühne, bevor der Film um 19.30 Uhr gezeigt wird. Ein Saal ist dabei schon ausgebucht, so dass mindestens ein zweiter für „Aus-gstign“ geöffnet wird.
Fragen der Zuschauer werden beantwortet
Danach werden „Gangerl“ und die Filmemacher für Fragen der Zuschauer zur Verfügung stehen, auch einen Merchandise-Stand wird es geben. Der Parkplatz vor dem Kino ist für das Event gesperrt, Stellplätze in der Nähe gibt es unter anderem am Floßhafen und am Schulberg.
Clemens weist eine außergewöhnliche Vita auf. Der gelernte Kunstschmied baute in den 1980er Jahren in Handarbeit seine eigene Segeljacht. Anschließend verkaufte er all seinen Besitz und brach zu einer Weltreise auf – die bis heute andauert. In über 40 Jahren erkundete „Gangerl“ 131 Länder und sammelte Geschichten, die Spuren hinterließen.
Die Lebensgeschichte des Aussteigers hat Julian Wittmann so sehr beeindruckt, dass er einen Film mit und über ihn drehen wollte. Bei einem Kasten Bier erklärte er ihm gemeinsam mit seinem Bruder in Roding die Idee: Sie wollten ihn auf See begleiten, ein Porträt über den Mann drehen, der sein Paradies gefunden hat. Bereits bei ihrem Kinodebüt „Ausgrissn!“ hatten sich die Wittmanns mit dem Aussteigen beschäftigt. Damals fuhren die Brüder auf zwei Oldtimer-Mopeds von Erding nach Las Vegas.
Dreh dauerte 52 Tage
Beim Dreh von „Ausgstign“ am anderen Ende der Welt, der insgesamt 52 Tage dauerte, lief dann aber bei weitem nicht alles nach Plan und so wie es sich die Filmemacher vorher ausgemalt hatten. Auch Hauptdarsteller „Gangerl“ hatte zunächst seine Probleme mit den Begleitern, die er schon mal als „Weicheier“ bezeichnete. Am Ende raufte man sich aber zusammen, und es entstand kein teil-fiktionaler Film, sondern eine authentische Dokumentation, die seltene Einblicke in das Leben des Aussteigers bietet und in der es auch um die inneren Konflikte und Verletzungen sowie das Seelenleben des Rodinger Abenteurers geht. Einige Video-Auszüge des Weltenbummlers selbst sind auch in die Chronik der Wittmann-Brüder eingeflossen, etwa über die frühen Reisen „Gangerls“ mit seiner damaligen Lebensgefährtin.
Letztlich habe sich die Mühe gelohnt, wie sich bei der Weltpremiere von „Ausgsting“ in München und den weiteren Vorführungen bei der laufenden Tour gezeigt habe, so Ramisch: Großen Applaus gab es für „Gangerl“ und die Filmemacher, viele Kinobetreiber kündigten an, den Streifen in ihren Häusern zeigen zu wollen, auch, weil er etwas anderes und Abwechslung zum Mainstream sei. Auch das Verhältnis zwischen „Gangerl“, der mit dem Film sehr zufrieden ist, und dem Filmteam ist mittlerweile sehr gut.
„Ausgsting“ läuft ab diesem Donnerstag, 28. August, auch im regulären Kinoprogramm des Cine-World.

Aus dem Lebenslauf eines Weltenbummlers
Geboren in Breslau, aufgewachsen in Roding: Wolfgang Clemens wurde 1941 in Breslau geboren und kam als Dreijähriger mit seinen Eltern nach Roding, wo er aufgewachsen ist.
Zwölf Jahre lang an erster Yacht gebaut: Er schloss eine Kunstschmiedelehre ab, gründete eine Schlosserei und baute ab 1975 nebenbei mehr als zwölf Jahre lang Jahre an einer eigenen Segelyacht.
Weltreise 1988 gestartet: 1988 brach er mit seiner damaligen Freundin Renate auf diesem Boot zu einer Weltreise auf, die sozusagen bis heute anhält. Bisher hat er mehr als 100 000 Seemeilen auf dem Wasser und mit dem Rucksack rund 180 000 Kilometer durch 131 Länder zurückgelegt.
Oft in Gefahr: Auf seinen Reisen geriet der 83-Jährige mehrfach in Lebensgefahr, wurde ausgeraubt und landete zeitweise im Gefängnis.
Bücher und Vorträge: Seine Erlebnisse hielt er bisher in drei Bänden seiner Buchreihe „Der Paradiesjäger“ fest. Seine Fahrten und die Reparaturen an der Yacht finanziert er zudem mit Vorträgen.